Teil 1: Ich muss noch Teeparty machen

Ich: Puck, es ist schon halb fünf, wir müssen jetzt wirklich mal rausgehen.
sie: Ich muss hier noch zu Ende Teeparty machen.
Ich: Wir können aber nicht den ganzen Tag drin bleiben, komm jetzt.
sie: Ich will aber nicht!
Ich:… (an dieser Stelle unterbrechen wir kurz. Der geneigte Leser lasse einfach seine Fantasie spielen und baue so viele rationale Argumente und irrationale Wutausbrüche ein, wie er Lust hat. Man beende diese Vorstellung mit einem brüllenden Kind und einer erschöpften Mama.)

 

Teil 2: So lange Hände waschen ist doof

15 Minuten später, ich liege in der Badewanne, seit genau zehn Sekunden.
Tür geht auf.
Sie: “Mama, ich brauche Zucker, Tee und Milch für das Teekränzchen.”
Ich: “Ich hab dir gesagt, ich liege jetzt in der Badewanne und wenn du nicht rausgehen willst, dann musst du dich alleine beschäftigen.”
Sie: “Ich will aber nicht alleine spielen, alleine spielen ist langweilig und außerdem soll ich immer nur das machen, was ihr sagt und das ist gemein und warum muss Papa eigentlich nicht rausgehen?”
Ich (liege zwar erst seit zehn Sekunden im Wasser, aber zumindest liege ich im Wasser, atme tief durch und lege seufzend meine Zeitung weg): “Das ist richtig blöd, wenn immer nur die anderen entscheiden dürfen, oder?”
Sie (sinkt vor lauter Erleichterung, dass ich es endlich kapiert habe, in sich zusammen und haucht aus tiefster Seele): “JAAAA!”
Ich: “Vor allem wenn man ein Kind ist, dann darf man oft gar nicht selber entscheiden und das ist richtig doof, oder?”
Sie: “JAAAA!”
Ich: “Das kann ich verstehen.”
Sie: “Und ausserdem habe ich keine Lust so lange Hände zu waschen, zwei mal Happy Birthday ist sooo lange!”

 

Teil 3: Ich plansch ja gar nicht

Eine Weile sind wir beide in Gedanken versunken, Puck sitzt auf dem Badewannenrand und planscht mit den Füßen im Wasser.
Ich: “Süße, zieh dir mal die Hose aus, wenn du planschen willst.”
Sie: “Ich will gar nicht planschen.”
Ich: “Zieh sie dir trotzdem aus.”
Sie (krempelt die Hose hoch): “Ich plansch ja gar nicht.”
Zehn Sekunden später ist die Hose nass.
Ich: “Weisst du, warum Erwachsene manchmal so streng sind und dann sagen, dass Kinder etwas machen sollen?”
Sie: “Nein”
Ich: “Weil Erwachsene manchmal wirklich besser wissen, ob Kinder vielleicht Hunger haben und etwas essen müssen oder müde sind und ins Bett müssen oder einfach mal raus müssen, weil sie sonst komische Laune kriegen. Kinder kriegen das oft selber gar nicht mit, weil sie so in ihr Spiel vertieft sind und dann kriegen sie ganz plötzlich von einer Sekunde auf die andere schlechte Laune. Ooooder Erwachsene wissen zum Beispiel, wann Kinder ihre Hose ausziehen sollten, weil sie wissen, dass die Kinder sonst damit planschen und die Hose dann nass wird…?”
Sie (guckt ihre Hose an): “Oh.”

 

Teil 4: Versprochen, dass draußen kein Monster ist?

Ich: “Okay, pass auf, Puck. Von mir aus bleiben wir heute mal drin, wenn du versprichst, dass wir dann Morgen ohne Geschrei rausgehen.”
Sie: “Ich verspreche dir, dass wir Morgen rausgehen. Aber ich kann dir nicht versprechen, dass ich nicht schreie. Weil ich mich selber nicht so gut einschätzen kann.”
Ich (nachdem ich eine Runde beeindruckt geschwiegen habe): “Mhm. Und was denkst du, was ich dann am besten machen sollte, damit wir dann doch rausgehen können, wenn du schreist?”
Sie: “Dann sollst du einfach ganz lieb sagen: ‘Komm wir gehen raus, ich verspreche dir, dass es dir danach besser geht. Und ich verspreche dir, dass da draußen nichts gefährliches ist.’”
Ich: “… was könnte denn draußen gefährliches sein?”
Sie: “Will ich nicht sagen.”
Ich: “Hm. Okay. Ich verspreche, dass ich nicht lache. Du kannst mir ALLES sagen!”
Sie (flüstert): “Dass draußen ein Monster ist…?”
Ich: “Wie sieht denn das Monster aus?”
Sie: “Ganz, ganz gefährlich! Wie ein böses, gefährliches Monster, das ganz gefährlich ist und soooo guckt (Grimasse)”
Ich: “Oje, das guckt aber wirklich gefährlich. Hmmm… könnte das Monster auch die Erkältung sein?” (Anm. der Redaktion: Corona wird bei uns “Die Erkältung” genannt.)
Sie: “JA! GENAUSO wie die Erkältung! So gefährlich!”
Ich: “Oh.”

 

Teil 5: Freude ist auch ansteckend

Sie: “Und weisst du, wovor ich noch Angst habe? Dass ich mich bei den anderen Leuten bei der Angst anstecke!”
(Wir haben letztens mal darüber gesprochen, dass Angst manchmal genauso ansteckend sein kann, wie eine Erkältung und dass, wenn draußen so viel Angst rumschwirrt, man sich die einfangen kann, obwohl man vorher selber gar keine hatte.)
Ich: “Puh, das verstehe ich. Ist eine ganz schön schwierige Zeit gerade, in der es so viele Sachen gibt, die einem Angst machen können, oder?”
Sie: “JA!!”
Ich: “Aber weisst du, was noch ansteckend ist? Gute Laune. Wenn du selber ganz gute Laune hast und dich über die Sonne freust und über dein Eis und über die Vögel, dann ist das auch ansteckend. Dann kann es sein, dass einer an dir vorbei geht, der eben noch Angst hatte und dann schwups, fühlt der sich auf einmal viel besser und weiss gar nicht, warum.”
Sie: “Und warum?”
Ich: “Weil Freude IMMER stärker ist als Angst! Immer, immer, immer! Und weisst du, warum es deswegen für uns Menschen so gut ist, rauszugehen und den Vögeln zuzuhören und zwischen den Bäumen zu sitzen?”
Sie: “Nein.”
Ich: “Weil Bäume und Vögel sich immer freuen und fast nie Angst haben. Und wenn sie mal Angst haben, vergessen sie das ganz schnell wieder und freuen sich dann gleich wieder. Und wenn wir ihnen dann zuhören und in ihrer Nähe sind, dann stecken wir uns mit dieser Freude an und haben keine Angst mehr.”

 

 

*Photo by Marloes Hilckmann on Unsplash