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Mein Name ist Mila und ich bin ein Angsthase.

(“Hi, Mila!”)

Ich würde mir nie freiwillig einen Horrorfilm angucken, weil ich selbst mit zugehaltenen Augen die Musik so gruselig finde, dass ich Nachts nicht schlafen kann. Ich mag keine Schockmomente, ich mag keine Gruselgeschichten und ich hasse es, wenn mich jemand erschreckt.

Puck ist genauso. Mit 4,5 Jahren hält sie sich sogar bei den harmlosen Bullerbü Geschichten stellenweise die Ohren zu und selbst Bobo Siebenschläfer ist manchmal so spannend für sie, dass ich zur nächsten Szene weiterschalten muss. Heute waren wir bei ihrem besten Freund B, der mit fünf Jahren total unbeeindruckt sogar schon Godzilla wegsteckt, ohne damit irgendwie Stress zu haben. Die beiden wollten etwas zusammen gucken, aber Puck kann genau zwei Serien ertragen: Bobo und Peppa Wutz. B fiel vor Langeweile fast vom Sofa.

“Warum hat B keine Angst, Mama?”, hat sie mich Abends gefragt.
“Weil jedes Kind und jeder Mensch total unterschiedlich ist”, habe ich geantwortet. “Und das ist gut so, denn wir alle haben total unterschiedliche Aufgaben auf der Welt.”
“Wieso, Mama?”
“Weil wir alle unterschiedliche Geschenke vom Himmel bekommen haben. Weisst du, bevor du vom Himmel auf die Welt gekommen bist, hast du noch ein paar ganz besondere Geschenke mitbekommen, die nur für dich alleine waren, aber die du bekommen hast, damit du die Welt beschenken kannst. Ich kann zum Beispiel gut schreiben. Es fällt mir leicht, Sachen zu schreiben und es macht mir riesigen Spaß, den Menschen Texte zu schenken. Deswegen habe ich einen Beruf gewählt, in dem ich schreiben kann.”
“Wieso, Mama?”
“Weil jeder Mensch die Geschenke nutzen sollte, die er vom Himmel bekommen hat, um damit das zu machen, was ihm am meisten Spaß macht und was anderen Menschen eine Freude macht. Guck mal, B zum Beispiel kann ganz gruselige Sachen gucken und kriegt nie Angst und außerdem ist er ganz stark und kann ganz super klettern und springen. Vielleicht hat er diese Geschenke bekommen, damit er später mal Menschen retten kann, die von einem Berg gefallen sind, oder er wird Feuerwehrmann oder Polizist. Hast du eine Idee, welches Geschenk du vom Himmel bekommen hast?”
“Ich kann gut Fahrrad fahren.”
“Oh, das stimmt, du kannst super Fahrrad fahren. Kannst du noch was anderes gut?”
“Spielen!”
“Stimmt, und was spielst du am Liebsten?”
“Puppengeburtstag!”
“Puck, du bist die allerbeste Puppengeburtstagsplanerin, die ich kenne! Das macht dir so viel Spaß und du hast immer so tolle Ideen, welche Stofftiere du einladen willst und was ihr dann zusammen spielt und du deckst dann den Tisch mit ganz viel Liebe und backst einen Kuchen. Da hast du eindeutig ein Geschenk vom Himmel bekommen, weil du sowas kannst. Vielleicht nutzt du dieses Geschenk irgendwann mal und wirst zum Beispiel eine Partyplanerin und machst Menschen eine Freude, wenn du eine ganz tolle Hochzeit für sie planst.”
“Oder ich werde eine Köcherin.”
“Eine Köchin könntest du natürlich auch werden, so gerne wie du mir beim Kochen und Backen hilfst und so toll, wie du schon mithelfen kannst. Dafür hast du auf jeden Fall ein Talent. ‘Talent’, so heißen die Geschenke, die wir vom Himmel kriegen.”

“Und warum kann B gruselige Sachen gucken und ich nicht?”
“Tja, ich weiss es nicht genau, aber ich weiß, dass du GENAU richtig bist, so wie du bist. Irgendwann wirst du genau verstehen, wozu es gut ist, dass du empfindlicher bist, als andere Kinder. Vielleicht ist es zum Beispiel so, dass du irgendwann mal erwachsen wirst und merkst, dass es dir ganz viel Spaß macht, mit kleinen Kindern zu arbeiten. Und dafür wäre es dann ganz wichtig, dass du denen nicht aus Versehen Sachen erzählst, vor denen sie Angst kriegen.”
“Ja, weil ich dann weiss, wo sie Angst kriegen.”
“Genau deswegen.”

Kleine Erinnerung: Wir sind übrigens alle perfekte Kinder. Genau so, wie wir sind, machen wir für die Welt am allermeisten Sinn. Und was sind eure Himmelsgeschenke? 🙂

 

Ps: Das Gespräch ist genauso wiedergegeben, wie es gesprochen wurde. Mir ist beim Lesen grad selber aufgefallen, wie unsere Konversation einfach alle existierenden Rollenklischees bedient. Also ich glaube, ich muss das dringend mal reflektieren. Jemand einen Tipp für gute Kinderbücher zu dem Thema?