Eine Woche lang sagte ich jeden Tag den gleichen Satz zu meinem Freund: “Du wir müssen unbedingt dran denken, dass wir für Donnerstag noch Süßigkeiten kaufen!” 
Letztes Jahr am 31.10. nämlich, es war der Tag nach dem Einzug in unserer neuen Wohnung und ich frisch aus Holland wieder in Deutschland angekommen, klingelte es gegen frühen Abend an der Tür. Nichtsahnend war ich dumm genug, sie zu öffnen, nur um mich in einer Horde kleiner Hexen und Gespenster wiederzufinden, die, lauthals “Süßes oder Saures!” kreischend, anscheinend während meiner Abwesenheit den Halloween-Brauch in Deutschland eingeführt hatten. (Vielleicht lag es auch daran, dass ich auf dem Land groß geworden bin, aber bei uns gab es das damals garantiert nicht nicht!) Ich konnte mich damals mit einer großen Packung Cola-Schnüre aus der Affäre retten, die ich glücklicherweise noch aus Holland mitgebracht hatte. Peinlich war’s trotzdem.
Wobei… wenn ich mich hiermit vergleiche, haben meine Cola-Schnüre wahrscheinlich eine  Auszeichnung verdient! (Gefunden bei Schlecky Silberstein und “Horror-Meldung des Tages”)
Um nicht noch einmal ein rohes Ei an meiner Tür zu riskieren (in Berlin soll auch Zahnpasta an den Briefkästen sehr beliebt sein), plante ich also dieses Jahr schon großzügig eine Woche vorher ein, Süßigkeiten zu kaufen – und vergaß es prompt.
Come Halloween Eve, 5:30 pm. Draußen schon gefühlte halb 10, da durch Zeitumstellung zappenduster, mein Freund und ich sitzen einträchtig nebeneinander am Tisch und starren romantisch jeder auf einen Computerbildschirm, als im Hausflur ein Riesengetrappel losgeht. Kurz gebe ich mich noch der Illusion hin, dass ein Kindergeburtstag gefeiert wird, bevor es schon in der ersten Etage klingelt und “Süßes oder Saures!” aus mindestens fünf aufgeregten kleinen Kinderkehlen gekreischt wird. Wir schrecken hoch und starren uns panisch an.
WIR HABEN VERGESSEN, DIE VERDAMMTEN SÜßIGKEITEN ZU KAUFEN!!
Was es bedeutet, wenn Kinder ihre Halloween Süßigkeiten nicht bekommen, wissen wir ja nun spätestens seit Jimmy Kimmel.

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Während der Mann des Hauses also, ganz wie es seiner Rolle gebührt, hektisch in der Wohnung herumrennt und alle Lichter ausknipst (man kommt sich dabei schon ein bisschen vor wie ein Verbrecher), schnappe ich mir Schlüssel und Geld und renne wie der Teufel. Zum nächsten Rewe.
Zwei Tüten Maoam Mix und eine Tüte Nimm 2 später sehe ich mich einer Kassenschlange gegenüber, die meinen Freund noch zu mindestens weiteren 15 Minuten im Dunkeln verdammt. Ich ziehe die letzten Register: “Entschuldigen Sie, würden Sie mich vielleicht vorlassen? DIE STEHEN SCHON BEI UNS VOR DER TÜR!” Wahrscheinlich sind es weniger die Worte als vielmehr mein Tonfall, der die Leute schnell zur Seite springen lässt. Eventuell auch die Panik in meinen Augen und die Schweißperlen auf der Stirn.
Vollkommen durchgeschwitzt komme ich zuhause an, drapiere Bonbons und Maoam in einem kleinen Koffer und schalte, diesmal voller Stolz und mit viel Zeremoniell alle Lichter wieder an. Sollen sie alle kommen!
Ich gebe zu, die Optik ist eher Oktoberfest als Halloween, aber wir wollen’s ma nicht übertreiben, ne?

UND WATT IS? Das Foto ist von heute, ihr könnt es euch also denken.

EINMAL hat es noch geklingelt. Alle anderen Kinder waren wohl vorgewarnt, oder der Brauch hatte sich doch noch nicht so verbreitet wie ich gedacht hatte. Naja. Ich schaffte es, diese erfolglose Nacht ohne ein Halloween Trauma zu überstehen.

Das Halloween Trauma kam später.

Ladies and Gentleman, Mila Cooking Productions presents:

 

THE HORROR AFTER HALLOWEEN.

Wie die Geschichte begann ist hier nachzulesen. Jedenfalls kam ich mit diesem Kürbis nach Hause, der geneigte Leser erinnert sich.

So geschätzte 12 Kilo also, den kann man ja nicht einfach wegschmeißen, wenn die Kürbis-Dekorationszeit vorbei ist. Bei Mila Cooking Productions entsteht eine grandiose Idee: Kürbisbrötchen! Das in der Geschichte der Firma nie vorher mit Hefe gearbeitet wurde, wird bei Mila Cooking Productions nicht als Problem erkannt.

“Lassen sie den Teig in einer warmen Ecke eine Stunde ziehen, er geht dann noch auf.” Die Vorstandsvorsitzende der Mila Cooking Productions nimmt dies als Hinweis, den genau 50 Minuten dauernden Zumba-Kurs wahrzunehmen, der im 5 Minuten entfernten Fitnessstudio stattfindet. Genau eine Stunde Zeit also. Glücklicherweise ist eine große Schale vorhanden, in der der Kürbisbrötchen-Teig gemütlich vor sich hin “gehen” kann.

Eine Stunde später.

Glücklich und ausgepowert kommt die Vorstandsvorsitzende der Mila Cooking Productions ins Firmengebäude. Schon beim Aufsperren der Tür breitet sich allerdings eine dunkle Vorahnung in ihr aus. Es liegt eine ominöse Stille über der Szenerie, fast als ob sich etwas darauf vorbereitet, anzugreifen.

Leise schleicht sich unsere Zumba-Tänzerin zur Küchentür, reisst sie mit einem Knall auf und

WAAAAAAAAAAAAAAAH!!!!!

 

Das Grauen hat einen neuen Namen.
Und es wächst.
Und wächst.
Und wächst.

Voller Trauer und Angst muss ich verkünden, dass der Kürbisbrötchenteig entkommen konnte. Die Vorstandsvorsitzende der Mila Cooking Productions hat sich mutig in den Kampf geschmissen, aber sie konnte ihn nicht besiegen.

Was habe ich da nur erschaffen?

Womöglich werden schon nächstes Jahr Kürbisse durch Berlins Straßen ziehen, auf der Suche nach Menschenköpfen, die sie aushöhlen und als Laterne in ihre Vorgärten stellen können. Nichts und niemand ist dabei vor dem Kürbisbrötchenteig sicher, denn er presst sich auch durch die kleinsten Ritzen, durch Dielenböden und sogar durch verriegelte Waschmaschinentüren. Dort lauert er auf seine Gelegenheit. SEID WACHSAM!

Es bleibt mir nur noch zu verkünden, dass die Vorgesetzte der Mila Cooking Productions zurückgetreten ist. Den Rest ihres Lebens wird sie mit der Suche nach einem Gegenmittel verbringen.