Hach, ich weiss noch, wie Chris und ich uns vor Jahren, aus dem Auto eines Freundes steigend, einen feierlichen Schwur gaben. “NIEMALS werden wir unserem zukünftigen Kind verraten, dass es möglich ist, im Auto Kinderlieder zu hören.” Eine Stunde war die Autofahrt lang gewesen und eine Stunde lang hatten wir, auf Wunsch der fünfjährigen Tochter besagten Freundes, immer wieder die gleichen Kinderlieder in Dauerschleife ertragen müssen. Für Chris, der eine 13 Jahre jüngere Schwester hat und deswegen seit Teenagerzeiten ein latentes Fredrik Vahle Trauma mit sich herumträgt, war diese Autofahrt besonders schmerzhaft. An unseren Schwur haben wir uns also gehalten. Nun war das leichter als sich das manch einer denken mag, denn – wir haben gar kein Auto. Ha! Lifehack.
Trotzdem, in diversen Urlauben, in diversen Mietautos, kam dann doch die Frage nach Entertainment auf. Man fährt ja nun nicht immer nur Küstenstraßen mit Traumstränden und Steilküsten rechts und links entlang. Und selbst wenn man das tun würde, wäre Puck das herzlich egal. Jedenfalls ist es mittlerweile so, dass Puck, sobald wir ins Auto steigen, das gleiche Kommando gibt: “Musik an, Papa!”
Haben wir uns also nicht an unseren Schwur gehalten?
Ooooh doch, wir haben uns an unseren Schwur gehalten. In der Folge haben wir ein Top Roadtrip Kind, das nicht nur zu Nirvana und Lorde abrockt, sondern auch ganze Lieder von Dota Kehr mitsingen kann (die war damals in unserer Südafrika Playlist überdurchschnittlich vertreten). Noch ein Plus: Wenn sie müde ist und wir laute Musik einmachen, pennt Puck sofort ein. Wir Genies, wir.

Und dann…
vor zwei Tagen war es…
hielt ich es für eine tolle Idee, Pucks ganze CD-Kollektion aus unserem hohen CD Regal in eine dicke CD Mappe einzusortieren, so dass Puck auch mal sieht, welche CDs sie eigentlich alle hat und nicht immer nur die gleichen hören muss.
Oh, ich arme, naive Närrin.
60 Stück waren es.
Und NICHT alle davon wunderbar.
Eigentlich nur ein kleiner Teil davon wunderbar.
Und Puck schleppte ihren kleinen CD Player in die Küche und folterte meine Ohren das ganze Frühstück lang mit Itzibitz, der Liedermaus. Wuah, ich weiss nicht mal wo die CD herkommt. Chris wird sie ihr sicher nicht besorgt haben. (Ich habe eine Verschenkekiste der Nachbarn im Verdacht und die Nachbarn scheinen gewusst zu haben, was sie da tun.)
Joke is on me, babe.

Jedenfalls dachte ich mir da spontan heute Morgen, dass ich für euch arme (zukünftige) Eltern einmal unsere Top 5 an Hörspielen und Lieder CDs hier verewige, die selbst Chris sich immer wieder mit dem Puck zusammen anhören kann, ohne schreiend zu flüchten.
Weil.. jetzt kommt ja bald die Impfe, ne? Geil, ne? Könn wa ja bald wieder durch Südafrika kutschieren.
Oder hier, Dings, Weihnachten zu Tante Tilde nach Bothfeld-Vahrenheide, ist ja auch toll.

Bereit?

Hier ist sie, die Lister unserer

TOP 5 KINDERHÖRSPIELE UND LIEDERALBEN DIE AUCH BEIM 100STEN MAL HÖREN NICHT NERVEN

(also fast nicht. Zaubern kann ich auch nicht.)

 

1. Eule findet den Beat

Auf Platz eins, seit Jahren ungeschlagen und ein großer Favorit hier im Haus: Eule findet den Beat. Das begabte Freundinnentrio bestehend aus der Berliner Label-Managerin Nina Grätz, Grafikerin Charlotte Simon und Autorin Raack landeten 2014 mit dem ersten Eule Hörspiel einen großen Wurf, seitdem sind noch zwei weitere, ebenso großartige, gefolgt.

Das Eulentrio

In jeder der drei Folgen trifft der liebenswert naive kleine Vogel eine Reihe kauziger Tiere, die ihr verschiedenste Musikstücke vorstellen. Im ersten Teil lernt Eule so die verschiedenen Musikrichtungen kennen, von Pop über Hip Hop bis Punk. Im zweiten Teil, Eule auf Europatour, landet Eule im Tourbus des bayrischen Schlagerbibers und die beiden entdecken zusammen, wie man in Griechenland Sirtaki tanzt, warum der französische Flamingo “eine arme, verliebte Trottel” ist und warum die Schuhe des spanischen Schmetterlings eigentlich beim Flamenco tanzen so schön laut klackern. Das aktuellste Album ist in diesem Jahr herausgekommen und Eule erfährt dabei viel über Gefühle, etwa wenn der Igel stinkwütend über den Müll im Wald ist oder der Dachs vor lauter Lampenfieber nicht auftreten kann.
Alle Lieder sind in Kooperation mit etablieren Musikern entstanden und wer mal reinhören möchte, findet hier ein Video-Medley der Europatour und alle Alben auf Spotify.

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2. Lieselotte

Wir haben die hier, die ist wirklich super

Die Bücher sind toll, die Hörspiele sind es auch. Wer beides noch nicht kennt, viel Spaß 🙂
Muss ich noch mehr sagen? Okay. Also Lieselotte, das ist eine Kuh. Und sie wohnt bei der Bäuerin und den Hühnern auf dem Hof und tagsüber hilft sie dem Postboten, die Post auszutragen. Der grobe Plot wäre damit schon abgedeckt. In den verschiedenen Geschichten erlebt die etwas trottelige Lieselotte dann kleine Alltagsabenteuer, die mit einem großen Augenzwinkern sehr charmant erzählt und auch vertont werden. Im Gegensatz zu etwa Mama Muh kann Lieselotte übrigens nicht sprechen, das ist für den Verlauf der Geschichte aber gar nicht schlimm. Je nach Laune finde ich sogar fast die Hörspiele noch besser als die Bücher, weil man in den Büchern neben dem eigentlich Text noch viel zusätzlich erzählen kann/muss, damit auch kleinere Kinder der Geschichte wirklich folgen können und zumindest ich manchmal lieber einfach die Texte vorlese.

3. Eddi und Dän

Wer die a capella Musik der Wise Guys mag, dem werden beim Genuss der genialen Kinderlieder von Eddie und Dän vor Dankbarkeit die Tränen in die Augen treten, denn genau dafür sind sie gemacht. Oder, wie Dän auf der Internetseite des Duos schreibt: “Im Laufe der Zeit stellt ich fest, dass es wenige Kinderlieder gibt, die den Kindern Spaß machen, die musikalisch, sprachlich und inhaltlich abwechslungsreich sind, die ‘auf Augenhöhe’ vorgetragen werden, die unterhalten und bisweilen vielleicht sogar bilden, die gleichzeitig aber auch qualitative Merkmale aufweisen, welche es zulassen, dass Eltern, die ‘zum Mithören verurteilt’ sind, diesen Umstand gut und ohne Verzweiflung aushalten können.”
Mein Reden. Und während die beiden ehemaligen Wise Guys auf dem ersten Eddi&Dän Album noch ausschließlich traditionelle Kinderlieder zum Besten geben (was ich persönlich mir jetzt nicht unbedingt dauerhaft geben muss), sind auf den beiden neueren Alben teilweise wirklich originelle Glanznummern wie “Die Piraten”, “Der Ritter Dando” und “Fussball im Weltraum”. Da der reibungslose Ablauf leider zwischendurch immer wieder von traditionellen Nervtötern wie “Auf der Mauer auf der Lauer” unterbrochen wird, gibt es in unserer Küche auch Eddi&Dän nur auf einer kuratierten Spotify Liste und die Komplett-Alben müssen leider im Kinderzimmer bleiben.

4. Ritter Rost

Ritter Rost ist ein Glanzlicht am Kindermusik-Himmel. Chris und ich sind beide große Fans, die Nummern sind peppig und machen Laune und sind dazu noch wirklich witzig. Leider, oh leider, muss ich zugeben, dass Puck weder die Bücher noch die Musik bisher ins Herz geschlossen hat. Aber vielleicht habt ihr ja bei euren Kindern mehr Glück. Achtung: Heftiges Ohrwurm Potenzial!
Und jetzt alle:
“Da kommt Paolo mit dem Pizza Blitze,
rutscht die Pizza auch mal in den Ritz von Sitze.
Ja is egal, die Pizza schmeckte gut
ist doch viel besser als in blöde Pizzabud.”

Oh, schmeckte so guuuute!

5. Die größten Disney Hits

Okay zugegeben, das funktioniert natürlich nur, wenn sowohl eure Kinder als auch ihr selbst Disney Fans seid. Aber falls dem so ist, gibt es doch wohl nichts besseres als gemeinsam die alten Filme aus der eigenen Kindheit zu schauen und dann auf einer langweiligen Autofahrt zusammen die Titellider herauszuschmettern. (Also wir nicht, siehe oben, aber WENN wir Kindermusik im Auto hören würden, und WENN Puck sich schon trauen würde, mit mir Disneyfilme zu schauen, DANN wäre das ganz sicher eine Sache, die ich auch hundert mal machen würde.) Ja okay, ihr merkt vielleicht, hier handelt es sich aktuell noch um eine Wunschvorstellung, die nur in meiner Fantasie existiert und in der Praxis noch nicht erprobt ist. Deshalb füge ich noch eine Bonusnummer 6 ein.

6. (Bonustip): Rolf Zuckowski’s Hasengeschichte

Dieser letzte Tip hat leider gleich zwei Nachteile, denn erstens muss man Rolf Zuckowski mögen (Chris gehört ausdrücklich nicht zu dieser Fraktion, ihr wisst schon, Jugendtrauma), und zweitens ist diese Geschichte für die meisten Menschen vermutlich Jahreszeitentechnisch ausschließlich der Ostersaison zuzuordnen. Puck und ich hören sie allerdings das ganze Jahr über und ich habe Puck zum Geburtstag auch gleich noch die zugehörige DVD besorgt, obwohl die Hasen im Film leider sehr stark an 80er Jahre Horrorfilme denken lassen. Aber ich muss es ja nicht gucken und Puck findet’s toll. Die Lieder sind in typisch fröhlicher Zuckowski-Manier geträllert und die Geschichte vom kleinen Hasen, der vor lauter Trauer um seinen verstorbenen Opa nicht mal mehr essen mag (“spielt nicht mehr in der Stube, hockt nur noch in der Grube”) ist wirklich entzückend. Uns hat sie jedenfalls durch die ganze Osterzeit und weit darüber hinaus begleitet und zu unserer Osterhasenmalerwerkstatt inspiriert.

Tja. Und das waren, trotz vollem CD-Case mit 60 (!) Titeln, die einzigen 6, die ich einigermaßen erträglich finde. Ich brauche also Tipps, Leute. Bitte! Was hört ihr gerne zusammen mit euren Kindern?

 

Ps: Nichts gesponsert, nicht bezahlt. Es handelt sich also, nach aktuell geltendem Recht, um unbeauftragte Werbung.

PPs: Chris lässt ausrichten, dass auf seiner Top Liste nur 3 Titel gestanden hätten: Die Eule 1, die Eule 2 und die Eule 3 😉

 

Titelfoto by Patricia Prudente on Unsplash