Es regnet heute in Berlin. Sommerregen erinnert mich immer an London. An wie vielen Londoner Café-Fenstern ich schon saß und bei einem Kännchen Breakfast Tea verträumt in Pfützen draußen geschaut habe…

Bisher hatte ich erstaunlich viel Freude daran, dieses Jahr komplett in Deutschland zu verbringen – aber jetzt hab ich Heimweh. Nach meiner Herzensstadt London <3
Weil ich aber den Teufel tun werd, JETZT in ein Flugzeug zu steigen (so sehr ich Reisen liebe, auf 2 Wochen Quarantäne, egal wo, hab ich wirklich keinen Nerv), wird es wohl eine Tagtraumreise werden. Möchtet ihr mit?

Ich hab uns einen Tag in London zusammenfantasiert, an dem wir die Stadt schmecken, riechen, hören, sehen und spüren werden. Wenn ich nur einen Tag in London hätte, würde ich ihn GENAU. SO. verbringen.
Mit ein bisschen Geschichte, ein bisschen bummeln, leckerem Essen, guter Music und viel visuellem Genuss. Ein Feuerwerk für die Sinne also und so angelegt, dass man alles auch real an einem Tag schaffen könnte. Wir müssen nur früh aufstehen 🙂

(Disclaimer: Alle vorgestellten Orte kenne und liebe ich und ich werde für diesen Beitrag weder gesponsert noch sonst irgendwie vergütet. Es handelt sich also evtl. um unbeauftragte Werbung. Ausserdem werde ich dieses mal viele Bilder nutzen, die nicht von mir sind, weil es einfach auf Unsplash sooo tolle London Bilder gibt!)

Warum London?

Ich wohn ja selber in einer tollen Stadt. Trotzdem versuche ich normalerweise, mindestens zwei mal pro Jahr in die Stadt meiner Träume zu reisen. Ich finde, London hat einfach alles. Großartiges Essen, Geschichte (düstere und glitzernde), super diverse Stadtviertel, eine bunt gemischte Bevölkerung, kostenlose Museen, fantastische Musicals, eine explosive Kunstszene, wunderschöne Parks, zahllose literarische Referenzen an jeder Straßenecke (kaum jemand hat nicht irgendein Lieblingsbuch, das zumindest teilweise in London spielt!), haufenweise coole Vintage Shops, Straßenmärkte, China Town, High Tea, Harry Potter, Prinzen und Paläste.

Überzeugt?
Cool, los gehts.

Mir nach!

Zuerst mal: Wo wollen wir in London wohnen?

Ich versuche normalerweise in London, jedes mal in einem anderen Stadtteil zu schlafen, um möglichst viel von den verschiedenen Atmosphären mitzubekommen. Mein ungeschlagener Favorit bis jetzt war aber Hackney, mit wunderschönen viktorianischen Häusern, gemütlichen Cafés und dem Broadway Market mit seinem ganz speziellen Flair. Hier bleiben wir.

Und jetzt suchen wir uns das schönste Airbnb aus, das wir finden können. Und weil wir beim Träumen keine Budgetbeschränkungen haben, nehmen wir DAS hier, zum Schnapperpreis von 600 Euro für 2 Nächte (dafür hat es aber Platz für sechs Leute, also packen wir einfach ein paar Freunde ein)

 

Prelude: Nach einem anstrengenden Reisetag gestern wollten wir einfach nur noch in unserem schicken Airbnb ankommen. Wir waren ausgehungert und müde und hatten nicht einmal mehr Lust, einkaufen zu gehen. Doch, große Freude: im Kühlschrank stand als kleine Begrüßung unserer Vermieter ein Tablett mit einem Kännchen Milch, einer Packung Breakfast Tea, einem Topf Butter und einem halben Sauerteigbrot. So ein simples Ankunftsgeschenk und doch hat es uns so glücklich gemacht! Vor allem deshalb, weil das Brot das vielleicht beste war, das wir jemals gegessen hatten. Ein Blick auf die Tüte zeigte: Das Brot kommt aus der Bäckerei E5 und Google sagt, das ist direkt um die Ecke.

Tagespunkt 1: Frühstück im E5

Guten Morgen! Wir stehen früh auf und freuen uns, dass es ein herrlicher, britischer Spätsommertag ist, nicht zu heiss und nicht zu kalt, ein bisschen Regen ist für den Vormittag angesagt, aber ansonsten scheint die Sonne. Von unserem Haus spazieren wir einmal quer durch den London Fields Park, vorbei an Joggern und Uniform-bekleideten Schulkindern, die fröhlich durchs Gras rennen.

Wir steuern das E5 an, die Bäckerei, aus der das leckere Brot von gestern kam. Der Laden liegt unter einer Eisenbahnbrücke, ist in schickem Industrial Style eingerichtet und es ist laut und wuselig. Aus der offenen Backstube hört man die Bäcker rufen und es duftet nach gemahlenem Kaffee und allen möglichen Frühstückssünden. Wir freuen uns, dass wir so früh aufgestanden sind, denn der Shop öffnet zwar erst in eine halben Stunde, aber es gibt ab 7:30 schon Frühstück. Wir bestellen uns Sourdough Toast mit Avocado und Spiegelei und genießen einfach den Trubel um uns herum. Und ärgern uns nicht über die steilen Preise für die winzig kleinen Kaffeetassen – das ist wohl der Preis des Hypes – und der Kaffee ist zumindest sehr lecker.

(Ich für meinen Teil erinnere mich einfach daran, wie ich im Jahr 2009 mit Chris in London stundenlang im Starbucks gesessen habe, weil wir in der ganzen Stadt keinen vernünftigen Kaffee gefunden haben! Ja, kaum zu glauben, aber der Artisan-Kaffeetrend ist wirklich noch ziemlich jung.)

Bevor wir zu weiteren Abenteuern aufbrechen, lassen wir uns von den süßen Teilchen aus der Vitrine verführen und spazieren mit einer Tüte voller duftender, knuspriger Köstlichkeiten aus der Tür. (In meiner Tüte landet jedenfalls ganz sicher einer von den dunklen Schokocookies mit Salzkristallen und eine Rosinenschnecke). Außerdem nehmen wir ein halbes Brot mit, dass wir uns direkt in Scheiben schneiden lassen und kaufen von einem der kleinen Läden noch eine Packung Humus, weil die in England sogar aus dem Supermarkt Regal mega gut schmecken. Jetzt sind wir gut gerüstet für kleine Hungerattacken unterwegs.

Tagespunkt 2: Mit dem Rad zum Museum of London

Weil London so viele wundervolle Museen hat (und sie sind fast alle kostenlos!), ist es wirklich schwer, sich für eins zu entscheiden. Ich hab allerdings die meisten ausprobiert und mein ungeschlagener Favorit ist das Museum of London. Für Einsteiger ist es ausserdem perfekt, weil – es eben um London geht, ne? Ein bisschen versteckt in Barbican gelegen, könnten wir von Hackney aus in zwanzig Minuten mit der Metro dort hin fahren. Wir aber werden uns, weil es einfach viel schöner ist, ein Fahrrad leihen. Gut, dass die überall rumstehen und für die erste halbe Stunde auch noch kostenlos sind. Das ist perfekt, denn wir sind über die Kingsland Rd auch nur 20 Minuten unterwegs.

Im Museum angekommen, starten wir mit einer geführten Tour. Während wir uns mit der Vergangenheit Londons vertraut machen, lernen wir direkt nicht nur eine ganze Menge über die Geschichte Großbritanniens (Kolonialisierung, Handelsverbindungen, Emporium, Kriege) sondern auch über ihren Einfluss auf unser eigenes Leben. Denn schließlich liegt es an der Industriellen Revolution, die ja in England begann, dass sich unser aller Leben heute so signifikant von dem unserer Urgroßeltern unterscheidet. Nach all diesen gewichtigen, einflussreichen Themen bleiben wir staunend vor diesem Schätzchen stehen; einem völlig over the top riesigen, mit goldenen Figuren überladenen Fahrstuhl, der in Gänze aus dem Luxus-Kaufhaus Selfridges abgebaut und im Museum wieder aufgebaut wurde. Er versetzt uns im Direktflug in das Swing-London der 20er, in eine Zeit, in der die Taxis hoch genug für die Hüte der Gentleman sein mussten – per Gesetz!

Tagespunkt 3: Last minute Musical Ticket Sale am Leicester Square

In einer Fantasiereise kann man tun, was man will. Also kann man auch ins Musical gehen, selbst wenn die eigentlich grad nicht stattfinden. Bei uns finden sie eben statt. Und in keiner anderen europäischen Stadt gibt es dermaßen viel Auswahl an unglaublich guten Shows. Shakespeares Erbe sei Dank. Deshalb setzen wir uns jetzt wieder auf unser Fahrrad und radeln gemütlich bei der Ticket Box am Leicester Square vorbei, wo an jedem Tag der Woche Last Minute Tickets verkauft werden, das sind übrig gebliebene Tickets für den aktuellen und den morgigen Tag. Wir entscheiden uns für Wicked, die etwas andere Version des Zauberers von Oz.

Tagespunkt 4: Lunch in China Town

Photo by David Sury on Unsplash

Man, habt ihr auch so einen Hunger? Tja Mensch, nun habe ich es ZUFÄLLIG so eingerichtet, dass wir uns direkt neben China Town befinden. Für diesen einen Tag vergessen wir einfach, wie viel Wert wir normalerweise auf hochwertiges, lokal gesourcetes Bio-Essen legen. Schließlich wollten wir London heute mit allen Sinnen erleben, und China Town, das kann man nicht anders sagen, knallt auf die Sinne ein wie ein Vorschlaghammer! Überall nicht es nach Essen, an jeder Ecke krakeelt jemand, ständig wird man angerempelt, die Restaurants reihen sich dicht an dicht und meistens hat man keine Ahnung, was sie eigentlich anbieten. Wir hören mit einem Ohr dem Straßenmusikanten zu und lassen uns treiben.

Ausnahmsweise bleiben unsere Handies in der Tasche, wir werden heute keine Reviews checken, sondern einfach irgendwas ausprobieren. Wenn wir Pech haben, haben wir Pech, wenn wir Glück haben, haben wir Glück. Heute lassen wir uns essentechnisch einfach auf ein Abenteuer ein und geniessen das Gewusel. Nachdem wir uns die Zunge am Chilidurchtränkten Hotpot verbrannt haben, probieren wir fluffige, süße Bunh Bao mit Pilz-Füllung und dampfende gefüllte Wan-Tan, die beim Hereinbeissen im Mund eine kleine Explosion aus würziger Fleischbrühe veranstalten.

Tagespunkt 5: National Gallery

Bis zum Musical heute Abend haben wir noch ein paar Stunden Zeit (wie gut, dass wir SO früh aufgestanden sind!) und ich schlage vor, dass wir uns jetzt noch ein bisschen Kunst gönnen. Einmal quer über den Leicester Square, laufen wir zur Nationalgalerie. Rubens, Rembrandt, Van Gogh – hier können wir sie alle hautnah bewundern, und das UMSONST! Aus irgendeinem unerklärlichen Grund zieht es mich in solchen Museen immer zu den alten holländischen Gemälden hin; die, auf denen schlecht beleuchtete Frauen aus weissen Hauben herausschauen und wahlweise nichts tun oder ihrer Hausarbeit nachgehen, aber es gibt hier für jeden Geschmack etwas zu sehen. Wir schlendern gemütlich von Raum zu Raum und können völlig ohne Eile auch mal eine halbe Stunde vor einem einzigen Bild stehenbleiben. (Oder wir lassen uns von diesem Generator immer wieder zehn verschiedene Zufallsgemälde zeigen.)

Photo by Dillon Pena on Unsplash

Tagespunkt 6: Cream Tea

Photo by Robert Bye on Unsplash

Nachdem wir zwei Stunden lang Gemälde bewundert haben, ist es mittlerweile schon halb fünf. Teaaaa Tiiiiime! London ohne Cream Tea? Geht ja nicht! Normalerweise würde ich euch ja zu einem dekadenten, stundenlangen, traditionell britischen High Tea in ein schickes Hotel mitnehmen, aber das bewahren wir uns für einen anderen Tag auf (wir kommen wieder, versprochen!)
Jetzt spazieren wir erstmal durch den St. James Park, vorbei an Schwänen, Enten und Eichhörnchen, überqueren den Diana Princess of Wales Memorial Walk und gehen auf das Victoria Memorial zu. Einen Moment verweilen wir am Buckingham Palace, um die Massen an Touristen zu beobachten, die sich dort drängeln, dann spazieren wir noch in paar Minuten weiter, zu dem kleinen Café “The English Rose”. So nah am Buckingham Palast rechnen wir nicht mit der höchsten Qualität, sind aber positiv überrascht, auch nicht in eine komplette Touristenfalle geraten zu sein. Wir genießen die charmant zusammengewürfelte, etwas kitschige Atmosphäre und bestellen uns direkt eine doppelte Portion Clotted Cream zu unseren Scones, macht ja keen Spass sonst. Dazu trinken wir stilecht English Breakfast – dass der Tee in Beuteln kommt, IGNORIEREN wir.

Photo by Dan Cabrera on Unsplash

Tagespunkt 7: Musical

Fünf Minuten müssen wir noch laufen, den Bauch angenehm voll mit warmen Scones und Tee, und wir sind am Apollo Victoria Theatre angekommen, unserem letzten Tagespunkt für heute. Nachdem die Türsteher sich vergewissert haben, dass wir keine gefährlichen Dinge in den Taschen haben, betreten wir das Theaterfoyer. Eine Traube aufgeregter Menschen sammelt sich hier schon, manche von ihnen schick für einen Theaterabend gewandet, die überwiegende Mehrheit ist aber so angezogen wie wir: gewappnet für einen langen, spannenden Tag mit viel laufen und Radfahren. Um uns trotzdem ein wenig besonders zu fühlen an diesem Abend, holen wir ein glitzerndes Schmuckstück aus der Tasche, dass wir nun anlegen. Und nun geht es los, die Türen zum Theatersaal öffnen sich.

Wir haben Karten für die Empore bekommen und sehen alles von hoch oben. Trotzdem fühlen wir uns nicht zu weit weg und beobachten staunend, wie das Bühnenbild sich ändert die gute Hexe Glinda in ihrer Seifenblase herein schwebt und zack, sind wir verzaubert und mitten im Geschehen!

Atemlos beobachten wir, wie Elphaba, die grüne Außenseiterin und Glinda, die funkelnde Hexen-Highschool Prom Queen zu besten Freundinnen werden und wie es eigentlich dazu kam, dass Elphaba zur Wicked Witch of the West wurde. Wie man sich nicht dem Mainstream unterordnen sollte

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Es ist 10 Uhr Abends, das Musical ist zu Ende, wir sind ganz schön platt und sehr, sehr glücklich. Ab zurück nach Hackney!

Oder vielleicht doch nochmal einen Abstecher nach China Town…? Photo by Gwen O on Unsplash

Mal sehen, ob wir Morgen schon zurückfliegen – oder ob ich unseren Ausflug verlängere. Wir können das ja schönerweise ganz frei entscheiden und es kostet uns NICHTS. Hurra 🙂

 

Ps: Ich bin beim Schreiben so hungrig geworden, dass ich spontan ein Blech Scones backen musste!