Dies wird wohl mein letzter “Dialog mit einer Vierjährigen” hier auf dem Blog sein. Denn erstens wird mein Puck nächste Woche fünf – und zweitens hat sie mich gebeten, unsere Gespräche nicht mehr “online zu machen, das soll keiner lesen.” Das macht mich sehr stolz auf meine kleine, große Tochter, die es so früh schon so entschieden versteht, ihre eigenen Grenzen festzulegen.

Deshalb habe ich in diesem Dialog, anders als sonst, nur die Teile des Gespräches wiedergegeben, die ich selbst gesagt habe und alles weggelassen, was Puck zu persönlich sein könnte. Trotzdem fand ich das Gespräch so wichtig, gerade auch für manchen Erwachsenen, dass ich zumindest seine Essenz wiedergeben möchte.

Für den Kontext: Das Gespräch begann damit, dass wir darüber gesprochen haben, warum ich mittlerweile ein komisches Gefühl dabei habe, wenn jemand sich selbst als “Dummchen” bezeichnet oder sagt “ach ich bin so blöd” oder irgendwas in der Richtung.

Ich: “Ich hab früher auch manchmal, wenn ich was vergessen hab oder falsch gemacht hab, zu mir selber gesagt ,bin ich doof’. Aber irgendwann hab ich damit aufgehört, weil ich gemerkt habe, dass das nicht gut für mich ist, wenn ich sowas zu mir selbst sage.”
Puck: “Warum?”
Ich: “Hm. Weil ich mir dachte, wenn ich das so oft zu mir sage, dann glaube ich es am Ende noch. Und ich bin doch gar nicht dumm, ich bin eigentlich sogar ziemlich schlau.”

Puck: “Wieso hast du das dann geglaubt?”
Ich: “Tja.. weisst du… ich bin zwar schon 32, aber in mir drin ist ja immer noch die kleine Mila – und die weiss noch nicht, dass die erwachsene Mila das eigentlich gar nicht Ernst meint. Und die glaubt mir das dann und wird ganz traurig.”
Puck: “Wieso ist da noch die kleine Mila drin?”
Ich: “Das ist bei jedem so. Du wirst ja jetzt fünf… aber mit jedem Jahr dass du älter wirst, gewinnst du nur eine neue Puck-Version dazu. Die jüngeren Pucks gehen nie weg, sondern die sind alle noch in dir. Also hast du jetzt eine Einjährige in dir, eine Zweijährige, eine Dreijährige und eine Vierjährige. Guck mal, wenn du zum Beispiel richtig wütend wirst, dann weiss die fast Fünfjährige in dir, dass man dann auf ein Kissen hauen oder darüber reden kann. Aber die Zweijährige in dir, die weiss das noch nicht. Die ist einfach nur sauer und will sich auf den Boden werfen und schreien oder Mama und Papa hauen.”
Puck: “Ja und wenn ich manchmal ___, dann ist das auch die Zweijährige.”

Ich: “Ich kenne das auch. Zum Beispiel kommt die fünfjährige Mila immer raus, wenn der Herbst anfängt. Die will sich dann ins raschelige Laub schmeißen und heißen Kakao trinken.”
Puck: “Ich auch!”
Ich: “Manchmal kommt allerdings auch die dreijährige Mila raus, wenn ich mich mit Papa streite. Weil, Papa und ich sind ja erwachsen und wir Erwachsenen wissen schon, dass man nicht immer die selbe Meinung haben kann. Erwachsene sind dann vernünftig und reden darüber vernünftig und dann findet man etwas, was beide gut finden. Aber manchmal, wenn unsere Erwachsenen gerade was ganz anderes im Kopf haben, dann kann es sein, dass die Dreijährigen in uns gerade besser zugehört haben…”
Puck: “Und dann?”

Ich: “Tja… Kannst du dich noch an das Mädchen erinnern, das letztens auf dem Spielplatz zu dir gesagt hast, du bist ja noch ein kleines Baby?”
Puck: (grr) “JA!”
Ich: “Und was hast du dann gesagt?”
Puck: “Bin ich gar nicht, du bist selber eins!”
Ich: “YEP. Äh. Tja. Und ganz manchmal, wenn Papa und ich eine andere Meinung haben, und unsere Erwachsenen gerade beide zu beschäftigt sind, dann geraten der dreijährige Papa und die dreijährige Mama aneinander. Und die sagen dann auch ‘Pöh. Du bist doof, du hast das falsch gemacht!’ und dann sagt der andere ‘Nein DU bist doof, du hast das aber noch falscher gemacht!’.”
Puck: “Und was macht ihr dann?”
Ich: “Dann gehen wir beide in ein anderes Zimmer und warten ein paar Minuten, bis unsere Erwachsenen wieder besser zuhören.”

Puck: “Und dann?”
Ich: “Dann kommen wir wieder raus und nehmen uns in den Arm und sagen ‘Entschuldigung’”
Puck: “Ah.”
Ich: “Manchmal kommt die Dreijährige Mila übrigens auch raus, wenn du dabei bist.”
Puck: “Jaahaa?”
Ich: “Ja, manchmal wenn ich schnell genervt bin oder gleich schimpfe.”
Puck: “Und dann kommt die Dreijährige raus? Und was macht die dann?”
Ich: “Naja, die sagt dann auch nur immer ‘Bäh, ICH hab aber Recht und ich will das jetzt so machen, wie ICH das sage!”
Puck: “Und dann?”
Ich: “Dann äh – dann hoffe ich, dass bei Papa gerade der Erwachsene besser zuhört und verstecke mich auf dem Klo.”
😉