“Schniiiiief. Wegen der dummen Pandemie ist niiiichts mehr wie es war. Reisen fällt dieses Jahr aus. Und dabei sind doch jetzt Sommerferieeeehehen und wir können gar nicht weheheheeg! Und außerdem: ich war doch noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawai, ging nie durch San Francisco… – UND IM DISNEYLAND WAR ICH AUCH NOCH NIE!“

Ich erzähl jetzt mal eine Geschichte. Es ist die Geschichte von einem Kindheits-Herzenswunsch. Zauber, Magie und Feuerwerk in der Stadt der Liiiiiebe:
Ein Pärchentrip zur Weihnachtszeit ins Disneyland Paris.

Hach ja. <3

Wär ich nen vernünftiger Influencer mit Fototalent, hätte ich mir diesen Trip wahrscheinlich vom Disneyland sponsern lassen, mir Mickeymaus Ohren aufsetzen und euch alle so richtig neidisch machen können. Und alle so: “wuääähhh als wenn Corona nicht schon schlimm genug wäre, jetzt können wir nicht mal mehr unsere Kindheitsträume erfüllen!”

Gut, dass ich keiner sein muss, und euch deshalb die Geschichte einer Reise erzählen kann, die so richtig megastressig war, schweineteuer und erwartungstechnisch voll nach hinten losgegangen ist.

Und danach können wir uns alle entspannen, weil wir uns dran erinnern, wie Reisen AUCH sein kann. Und uns darüber freuen, dass wir diesen Sommer alle ultra entspannt in Deutschland verbringen dürfen.

Viel Spaß beim Zelten im eigenen Garten, beim Hängematte auf dem Balkon aufhängen oder beim Grillen im Park. Das wird ein geiler Sommer. Besser als Disneyland. Ich schwör.

(Und wer Bock auf ECHTE Magie hat, der fährt nach Sachsen auf die Kulturinsel Einsiedel in die geheime Welt von Turisede. Aber pssst, das ist ein absoluter Geheimtipp, das kennt fast keiner, deshalb ist es selbst zu Coronazeiten super entspannt dort und den Tipp habt ihr nicht von mir, klar?)

Nicht im Disneyland sondern in Sachsen. Aber wie gesagt, ICH hab euch nichts von der geheimen Welt von Turisede erzählt!

Also jetzt aber, bereit für den Disneyland Anti-Traum?

Na denn, los geht’s:

Disneyland Paris – Ein Drama in drei Akten

(Und damit ihr am Ende nicht enttäuscht seid, warne ich euch schonmal vor, dass ich die drei Akte auch auf drei Posts verteile. Weil, Junge Junge, hab ich viel zu erzählen! Hier geht’s direkt zu Teil II)

Akt eins: Die Vorbereitung

Szene 1, drei Wochen vor Disneyland: Doch keine Knoblauchpresse.

Wir schreiben November 2019. 12 Tage vor meinem 32. Geburtstag entscheide ich mich, meinen Geschenkwunsch spontan nochmal zu ändern. “Du Chris”, sage ich, “statt einer neuen Knoblauchpresse möchte ich jetzt doch lieber ins Disneyland Paris. Zur Weihnachtszeit soll es da sooo schön sein und ich wollte da schon immer, immer, IMMER mal hin.”
Ich rechne es Chris sehr hoch an, dass er nur ganz kurz zusammenzuckt und dann sofort den Computer anschmeisst. Auf der holländischen Disneyland Seite finden wir einen ziemlich guten Deal: Zwei Tage Parkhopper Tickets, eine Nacht im Disneyressort “Village Nature” (welches zu den Center Parks gehört und erst vor kurzem von Disney akquiriert wurde) und ein 200-Euro Gutschein zum Ausgeben in den Restaurants und Shops – und das alles für 460 Euro für 2 Personen. Nicht unsere normale Preisklasse für eine Nacht, aber für Disney-Verhältnisse wohl ein Schnapper! Wir buchen Flüge von Dienstag bis Donnerstags Abends und ich buche uns für die erste Nacht eine super günstige 35 Euro Übernachtung in einem Airbnb fast genau neben den Parks.

Mikceymauszeichnung

…und male aus lauter Vorfreude in den nächsten Tagen alles mit Mickeymäusen voll (jaja, ich bin ein NATURTALENT!)

 

Szene 2, 19 Tage vor Disneyland: “Nie, nie, nie will ich zum Drachen!”

Puck und ich sitzen am Tisch und malen “Reisepläne”. Sie für einen imaginären Urlaub nach Afrika zu den Giraffen, ich nach gründlicher Recherche auf diversen Blogs für unseren Ablauf im Disneyland. Gefühlt ist die Planung des Tagesablaufes nicht wesentlich unaufwendiger, als die für unseren dreiwöchigen Südafrika-Aufenthalt. Aber wir wollen schließlich alles schaffen, wir haben ja nur zwei Tage und es gibt sooo viel zu sehen.
“Wenn du ein bisschen größer bist, musst du unbedingt auch mal mitkommen ins Disneyland!”
Puck hat sich meinen Reiseplan eben schon ganz genau angeschaut.
“Nein Mama, da gibt es doch einen Drachen! Da kannst du gerne mit Papa alleine hinfahren, da komme ich nie, nie, nie mit!”

Disneyland Paris Tagesplan

Es sieht vielleicht aus wie von einem Schulkind gemalt, aber vertraut mir, darin stecken zwei Tage knallharte Recherchearbeit!

 

Szene 3, 10 Tage vor Disneyland: booking.com vs. Disney-Hotline

TripAdvisor hat mich fleissig ausspioniert und täglich kriege ich Emails mit immer günstiger werdenden Preisen für das Village Nature. Als die Übernachtung im Premium Apartment mit Küche bei 95 Euro angekommen ist, entscheide ich, unser Airbnb zu canceln und lieber auch die erste Nacht hier zu schlafen. Unsere Tickets kriegen wir nämlich nicht zugeschickt, sondern wir müssen Sie Morgens in unserem Hotel abholen – also müssen wir auch irgendwie morgens um acht Uhr schon beim Hotel sein, vorzugsweise ohne stressige Busfahrt vorher. Ich rufe bei der Disney Hotline an und frage, ob sie unsere Buchung um eine Nacht verlängern könnten, bevor ich jetzt über Booking ein neues Fass aufmache. Das könnten Sie natürlich, sagt mir die nette Dame am Telefon. Sie müsste dann allerdings meine alte Buchung stornieren und die Vergünstigungen würden dann wegfallen, so dass die neue Buchung dann 850 Euro kosten würde (also fast doppelt so viel wie vorher!) – “und der 200 Euro Gutschein würde dann leider auch wegfallen.” Ich bedanke mich lachend für dieses Spitzen Angebot und buche die Extra Nacht für 95 Euro über Booking.

Und dann gehe ich mit dem Puck erstmal Kekse backen. Ist ja schließlich Advent.

 

Szene 4, 2 Tage vor Disneyland: Paris streikt.

Einen Tag vor unserem Abflug kriegen wir eine Mail, dass unser Zug, der uns Donnerstag Abend in zehn Minuten vom Disneyland zum Charles de Gaulle bringen sollte, gecancelt wurde. Paris befindet sich seit 5 Tagen durch die Streiks gegen Macrons Reformen im Ausnahmezustand und wir hatten schon mit sowas gerechnet. Taxi wird uns jetzt viel mehr kosten und viel länger dauern (d.h. weniger Zeit im Disneyland). Wir sind ein bisschen genervt, aber bei der nächsten Nachricht im Newsticker denken wir auch daran nicht mehr. Für den nächsten Tag, also den Tag unseren Abfluges, ist ein Generalstreik ausgerufen – inklusive Fluglotsen. Ein Fünftel der Flüge wird direkt gestrichen, die anderen sind unsicher. Wenn jetzt unser Flug ausfällt, können wir unseren ganzen Trip knicken und haben über 500 Euro Euro in den Sand gesetzt. Da sind uns die Taxikosten jetzt auch egal, Hauptsache wir kommen irgendwie in Paris an!

 

Szene 5, ein Tag vor Disneyland: Heureka wir haben es nach Paris geschafft!

Nachdem wir den ganzen Tag angespannt den Flugscanner verfolgt hatten, können wir es kaum glauben, als unser Flieger tatsächlich losfliegt – und auch noch pünktlich um 18 Uhr landet. Das Taxi vom Flughafen kommt so pünktlich im Hotel an, dass wir sogar noch schaffen, kurz ins Schwimmbad zu hüpfen, bevor es um halb neun zumacht. Leider hat zu dieser Zeit auch die Rezeption, bei der wir unsere Disney Tickets abholen sollten, geschlossen – und macht, laut Schild, auch Morgen erst um neun Uhr wieder auf. Moment mal, wie sollen wir denn jetzt an die Tickets kommen, um unsere “magische Extrazeit” zu nutzen, für die wir extra im Disneyhotel schlafen? (Gäste von Disneyhotels dürfen 1,5 Stunden vor der offiziellen Öffnungszeit ins Disneyland und können in dieser Zeit bei vielen Attraktionen ohne große Wartezeit fahren. Bei durchschnittlich normalen von einer Stunde und mehr pro Attraktion fällt diese Extrazeit ziemlich ins Gewicht.)

Reiseproviant Disney Reise

Wenigstens haben wir ordentlich Reiseproviant im Gepäck. Schwimmen macht hungrig.

 

Szene 6, TAG X!!! Nur die Ruhe.

Wir stromern unruhig in unserem Zimmer herum. Im Disneyland gehen gerade die Tore auf, für alle, die diese Extra-Zeit bezahlt haben – und wir sitzen hier immer noch im Village Nature, 25 Minuten mit dem Shuttle Bus vom Park entfernt, und warten auf das Öffnen der Rezeption.

Disneyland Poster zur Weihnachtszeit

…Dafür können wir an der geschlossenen Tür dieses Plakat bewundern. Na toll Mickey. Wo ist denn jetzt dein verzaubertes Weihnachten?

Lässt sich jetzt nicht ändern. Wir entscheiden uns, statt uns zu ärgern, für eine Morgen-Meditation und eine Runde grünen Tee. Eine halbe Stunde später sind wir im Besitz unserer Karten und unseres Gutscheins, aber der Schlüssel für unser neues Apartment ist noch nicht da (wir müssen nach der ersten Nacht das Zimmer wechseln, weil wir sie ja über einen anderen Anbieter dazugebucht hatten). Normalerweise kommt man über elektronische Bänder ins Village Nature, aber unsere können aus irgend einem Grund noch nicht richtig aktiviert werden. Während wir hilflos rumsitzen, fährt der halbstündig verkehrende Shuttlebus ohne uns los. Wieder eine halbe Stunde vergeudet. Chris entscheidet sich, schonmal unser Gepäck für den Tag beim Sicherheitsservice unterzubringen. Das geht dort, wo auch der Shuttle-Bus losfährt, ca. einen Kilometer von der Rezeption entfernt. Ich warte an der Rezeption weiter auf den Schlüssel.

Als ich ihn endlich habe, renne ich den Kilometer zur Bushaltestelle, wo das nächste Shuttle schon wartet. Chris steht im Buseingang und winkt mich ungeduldig her. Ich wische mit meinem Armband über die automatische Tür, die mich aus den Center Parks rauslassen soll – aber sie geht nicht auf. Armband noch nicht aktiviert. “Chriiiis”, rufe ich. “Chriiiis! Hallo? Bonjour? Security??” aber keiner kommt. Ich renne um das Security Häuschen herum, und rufe Chris zu, dass ich nicht rauskomme und hier niemand ist.
Chris rennt los und sucht die Security Frau, die wohl grad eine Rauchen ist. Gemächlich trottend (geht sie mit Absicht langsamer?) macht sie sich in meine Richtung auf und lässt mich durch das Tor. Völlig verschwitzt lasse ich im Bus meine Sachen auf den Sitz fallen – und merke, dass mir ein Handschuh fehlt. Einer von meinen richtig dicken, teuren, hochwertigen Lederhandschuhen mit echter Wolle, die ich gerade neu gekauft habe… ich starre Chris verzweifelt an.

“Pas de Probleme” versichert uns der nette Busfahrer, 3 Minuten könne er noch auf uns warten. Chris rennt los. Und ist 3 Minuten später noch nicht wieder da. Der Busfahrer wird nun auch ungeduldig. 5 Minuten. Leider hat Chris mein Handy in der Tasche und ich kann ihn nicht anrufen. 6 Minuten und ich bin gerade dabei, wieder aus dem Bus auszusteigen, als Chris angehetzt kommt. Mein Handschuh lag kurz vor der Rezeption, Chris ist grad also mal eben 2 km in fünf Minuten gejoggt. Mit Rucksack auf dem Rücken. Eine Minute hat es dann noch gedauert, über den Zaun des Ressorts zu klettern – die Security Frau war wieder rauchen. Der Bus fährt los und wir sind eigentlich schon bedient für den Tag. Aber HEY! JETZT geht der Spaß endlich los! Disneyland, wir kommen!

 

“BUUUUUH, Cliffhanger!”

Wenn ihr bis hierhin mitgelesen habt, seid ihr jetzt wahrscheinlich auch langsam voll gestresst. Also sparen wir uns den tatsächlichen Besuch lieber für den nächsten Post auf, ja? Denn wer schon mal im Disneyland war, der weiss, dass man dort richtig starke Nerven mitbringen sollte.

Bis zum nächsten Mal.

Und nicht vergessen: Genießt eure Ferien!

 

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