In drei Wochen wird mein kleiner Puck fünf. FÜNF! Woah. Und seit einiger Zeit kann ich ganz stark beobachten, dass es im Puck-Kopf möglich wird, nicht mehr nur die eigenen Wünsche und Emotionen in den Vordergrund zu stellen. Sie beginnt gerade auch zu begreifen, warum andere Menschen so handeln, wie sie handeln. Um sie dabei zu unterstützen, finde ich Vorlesen super wertvoll.

Neben unseren auf dem Blog schon vorgestellten Lieblingskinderbüchern haben sich im letzten Jahr noch ein paar Vorleselieblinge herauskristallisiert, die ich perfekt finde, um mit Kindern anhand unterschiedlichster Themen Empathie zu lernen. Viel Spaß!

 


Primel

Primel hat eigentlich einen super Tag: Der Bauer ist im Urlaub und so kann Primel sich nach Herzenslust an dessen Möhrenbeet bedienen. Doch dann kommt der Igel und macht sich über Primel lustig, weil Primel nämlich “so doofe Zähne hat, hat du schonmal in den Spiegel geguckt?” Primels Zähne stehen ganz schön weit auseinander, sogar so weit, dass er immer “pf” sagen muss, wenn er eigentlich “sch” meint. Primel schämt sich so sehr, dass er beschließt, nie mehr den Mund zu öffnen. Das wird allerdings zum Problem, als er einem netten Hasenmädchen den Weg erklären soll. Bauchreden klappt nämlich leider nicht so gut. Gut, dass dann sein bester Freund vorbeikommt und ihm Mut macht. So lernt Primel, dass es seine richtigen Freunde ihn
sowieso lieb haben, egal wie er aussieht. Und als er so viel viel Mut gesammelt hat, dass er dem Hasenmädchen auch mit offenem Mund den Weg erklären kann, da fällt ihr sein Sprachfehler nicht einmal auf.

Toll:
– Zeigt schön, wie andere sich fühlen, wenn man sich über sie lustig macht
– Zeigt, dass es den wichtigen Menschen im Leben eh egal ist, wie man aussieht und dass es sich oft lohnt den Mut dafür aufzubringen, zu seinen “Eigenheiten” zu stehen
– Puck liebt Hasen

 

 

Frau Meier, die Amsel

Frau Meier hat eigentlich einen netten Mann und ein schönes Leben – und doch macht sie sich den ganzen Tag Sorgen. Wenn nun ein Flugzeug vom Himmel fällt; ob sie dann genug Platz im Haus hätten, für all die erschrockenen Passagiere? Oder man stelle sich vor, in der Kurve fiele ein Bus um, bei all dem Schnee. Ob dann der Kuchen reichen würde “weil die Armen bestimmt Hunger haben würden, wo sie doch schon so lange unterwegs waren und dann noch umgekippt”. Herr Meier kocht ihr dann immer einen Pfefferminztee.
Doch eines Morgens findet Frau Meier ein aus dem Nest gefallenes Amseljunges. Und als ihre imaginären Ängste von echten Problemen abgelöst werden (“Wie kann die Amsel am Besten überleben? Und wie lernen Vögel eigentlich fliegen?”) und Frau Meier diese Fragen eine nach der anderen mit viel Ideenreichtum löst, da merkt sie plötzlich, dass sie viel mehr kann, als sie bisher wusste. Fliegen zum Beispiel.

Toll:
– Mit viel Augenzwinkern verfasste Geschichte, bei der auch Erwachsene noch etwas lernen können
– Kinder erfahren daraus, dass sich sogar Erwachsene oft Sorgen machen, gleichzeitig aber auch, dass Sorgen sich oft gar nicht erfüllen, und man Probleme erst lösen muss, wenn sie auftreten und dass dann oft viel besser schafft, als man dachte
– Herr Meier ist mega witzig und vermutlich ein Selbstportrait des Autoren (ich muss immer über die Stelle grinsen, an der es heißt “Herr Meier ging währenddessen einer seiner zahllosen Lieblingsbeschäftigungen nach” und man ihn auf dem Bild sieht, wie er Scherenschnittgirlanden bastelt.)

 

 

A sick day for Amos McGee

Amos McGee ist der liebste Tierpfleger, den ich je gesehen habe. Morgens bedankt er sich erstmal bei seiner Zuckerdose und dann steigt er in den Bus, um pünktlich bei seinen besten Freunden im Zoo zu sein. Dort spielt er Schach mit dem Elefanten, der immer ewig überlegen muss, bevor er einen Zug macht. Und er läuft Wettrennen mit der Schildkröte, die immer gewinnt. Der Eule, die Angst vorm Dunkeln hat, liest er Geschichten vor und mit dem schüchternen Pinguin sitzt er einfach still nebeneinander. Als Amos selbst einmal krank wird, setzen sich alle seine tierischen Freunde in den Bus, um sich um ihn zu kümmern. Und nun kann jedes Tier seine ganz eigenen Stärken einsetzen, um Amos wieder gesund zu pflegen.

Toll:
– Zauberhafte, zuckersüße Illustrationen, wie oft bei britischen Kinderbüchern
– Zeigt sehr liebevoll, dass es ganz unterschiedliche Persönlichkeiten gibt und unterschiedliche Arten, miteinander Zeit zu verbringen/ miteinander befreundet zu sein, die alle gleich wertvoll sein können
– Pappbilderbuch, also auch schon für ganz Kleine geeignet

 

 


Auf kleinen Pfoten kommt das Glück

Der kleine Mann wird von seinem Chef, dem Bäckermeister, oft angebrüllt. Um nicht ganz traurig zu werden wegen all der Schimpfe, hat sich der kleine Mann einen kleinen Hund gekauft. Eines Tages denkt der kleine Mann sich, dass er gern auch ein bisschen stolz auf seinen kleinen Hund wäre und meldet ihn zu einem Hunderennen an. Alle wichtigen Leute sind dort. Und der kleine Hund ist ganz aufgeregt, “er wird rennen so schnell er kann”. Doch als die Pistole zum Rennstart knallt, erschrickt der kleine Hund so furchtbar, dass er dem Schiedsrichter ans Bein pinkelt. Der kleine Mann macht sich beschämt und unter der Häme all der wichtigen Leute mit dem kleinen Hund auf dem Arm aus dem Staub. Doch als er Nachmittags mit seinem Hund spielt, versteht er, dass Hunde vielleicht genauso sind wie Menschen. Da gibt es einfach welche, die haben mehr Angst und welche die mutiger sind. Und er versteht, dass es ihm viel wichtiger ist, Zeit mit seinem kleinen Hund zu verbringen, als stolz auf ihn sein zu müssen. Am nächsten Tag ist er so glücklich, dass es ihm sogar egal ist, ob sein Chef ihn anbrüllt. Und als der Chef das merkt – da hört er irgendwann endlich auch mit dem Brüllen auf.

Toll:
– Hach, muss ich zu der Geschichte noch viel sagen? <3
– Okay, die Geschichte ist natürlich ganz toll für Kinder, die eher ängstlich oder eher klein oder eher was auch immer sind und denen man beim Lesen erklären kann, dass es total okay ist, so zu sein, wie man ist und dass es einen Grund dafür gibt, dass alle Menschen (und alle Hunde) unterschiedlich sind
– sie ist aber auch geeignet für Kinder, die eben diejenigen sind, denen es immer total leicht fällt, mit ihren Leistungen andere Menschen “stolz” zu machen – und denen man beim Lesen klar machen kann, dass sie auch dann bedingungslos geliebt werden, wenn sie diese Leistungen nicht mehr erbringen würden(!)

 


Mother Theresa

Mutter Theresa ist Pucks Lieblingsbuch der “Little People, Big Dreams” Reihe, die ich ja hier schon öfter vorgestellt habe. Sie zeigt das Leben großer Persönlichkeiten anhand von für Kindern verständlichen kleinen Geschichten und ganz tollen Illustrationen. Hier geht es darum, wie die kleine Agnes aus Mazedonien schon immer gerne Tieren und Menschen geholfen hat und dann von einem Priester in ihrer Kirche Geschichten über Indien hört. Sie ist so fasziniert, dass sie sich als Erwachsene auch entscheidet, nach Indien zu gehen, und dort Menschen zu helfen. Sie baut Waisenhäuser, Schulen und Krankenhäuser. Und sie hat immer noch “eine Schale Reis und eine Decke mehr“ für die, die es brauchen, weil sie merkt, dass “die kleinsten Dinge den größten Unterschied machen können”

Toll:
– Das Buch bringt ein bisschen Abenteuer und Fremdartigkeit ins Kinderzimmer, denn die Illustrationen über Indien sind so bunt und farbenfroh und die Geschichte erzeugt trotz weniger Worte direkt etwas Reiselust. “Die Sprache, die Farben, das Essen, die Gerüche… alles war neu und anders”.
– Eine gute Gelegenheit, darüber ins Gespräch zu kommen, dass es in anderen Ländern ganz anders sein kann als bei uns und dass viele Kinder auf der Welt nicht so im Reichtum leben wie wir
– und die wunderschöne Nachricht auf der letzten Seite, dass es “nicht wichtig ist, ob du kleine oder große Dinge in deinem leben tust, so lange du sie mit großer Liebe tust.”

 

 


Herr Hase und der ungebetene Gast

Herr Hase ist ein sehr ordentlicher Hase. Bei ihm ist alles sauber und aufgeräumt, alles liegt an seinem Platz. Doch dann schlüpft eines Tages ein sehr unordentliches Küken aus einem Ei. Mitten in seinem Hasenhaus. “Großer Hasenbart!” ruft Herr Hase entsetzt, und bemüht sich nach Kräften, diesen unbequemen Umstand wieder in Ordnung zu bringen. Doch das Küken ist steif und fest davon überzeugt, dass Herr Hase wohl seine Mama sein muss. Als Herr Hase die richtige Mama des Kükens findet, herrscht in seinem Haus ENDLICH wieder Ruhe. Und das ist auch gut so… Oder?

Toll:
– Lässt auch Erwachsene ordentlich grinsen, als der verspannte Hasensenior sein Herz völlig ungeplant an seinen chaotischen kleinen Gast verliert
– Eignet sich gut, um Kindern zu erklären, warum es für andere/ältere Menschen eine Umstellung sein kann, wenn Kinder zu Besuch sind. Kinder lernen verstehen, dass Menschen, die sich an bestimmte Strukturen und Tagesabläufe gewöhnt haben, sich erstmal auf sie einstellen müssen, und dass das aber nicht heisst, dass sie sie weniger lieb haben
– hab ich schon erwähnt, dass Puck Hasen liebt?

 

Ps:

Ihr fragt euch, warum ich die Bücher alle so kunstvoll ins Gemüse halte? Ich konnte nicht anders, mein Home Office sah heute so wundervoll aus <3

Titelbild: Photo by Eye for Ebony on Unsplash