Es ist jetzt schon fast zwei Jahre her, dass wir zu dritt, mit damals 2,5 Jährigem Puck, Marokko bereist haben. Da ich schon öfter nach unserer Route und den Kosten für die Reise gefragt wurde und diesen Post sowieso schon halb geschrieben in meinen Blog Entwürfen rumliegen hatte, hole ich das jetzt mal nach. Außerdem hätte ich ja sonst gar keine Möglichkeit, die bunten Bilder nochmal irgendwo zu teilen, ne?

Pferd In den Straßen von Fes

Dafür, dass der Hauptakteur dieses Fotos ein Pferdehintern ist, ist die Komposition erstaunlich gelungen, finde ich.

Route 11 Tage Marokko Rundreise

Es gab damals (und vermutlich ist das immer noch so) von Spanien aus super günstige Flüge nach Marokko (ist ja auch wirklich ein Katzensprung, ohne Kind wären wir einfach kurz rüber geschwommen, ist klar oder?) Deshalb sind wir auf dem Hinweg über Sevilla geflogen und haben uns da noch drei Nächte gegönnt. Im Nachhinein hätten wir die Zeit lieber in Marokko investieren sollen, denn auch wenn Andalusien natürlich immer eine Reise wert ist, sind 10 Tage für eine Marokko Rundreise (vor allem mit Kind) ganz schön sportlich geplant. Wenn ihr die Zeit habt, würde ich mindestens 12 Nächte für die Strecke empfehlen, die wir gemacht haben, schon allein, um das geniale Hotel Chez Pierre im Dadestal (Boumalne) noch eine Nacht länger zu genießen. Auch in der Sahara würde ich, ohne mit der Wimper zu zucken, noch eine zweite Nacht bleiben.

Sonnenaufgang in der Sahara

Solche Sonnenaufgänge bekommt man sonst einfach nicht so oft zu sehen.

Zurück sind wir dann im Direktflug von Marrakech nach Hamburg geflogen.

Hier eine Übersicht unserer Route und Unterkünfte

Die Reise in der Kurzübersicht:
25.02. Fes – Anreise (Unterkunft: Riad Luneetsoleil, wundervoll)
26.02. Fes – Aufenthalt
27.02. Fes – Aufenthalt
28.02. Fes – Midelt (Unterkunft: Villa Pomme d’Or, okay)
01.03. Midelt – Merzouga (Nacht im Wüstencamp, wundervoll)
02.03. Merzouga – Boumalne (Unterkunft: Auberge Chez Pierre, wundervoll)
03.03. Boumalne – Aufenthalt
04.03. Boumalne – Tamdaght (Unterkunft: Kasbah La Cigogne, okay)
05.03. Tamdaght – Marrakech (Unterkunft: Riad Dar Mouassine, sehr hübsch)
06.03. Marrakech – Aufenthalt
07.03. Marrakech – Abreise

Kasbah La Cigogne

Auf der Straße der Kasbahs

Generell: Ist eine Marokko Rundreise mit Kleinkind eine gute Idee?

Tendenziell ist unsere Reiselust von einem Schlag, die es nicht so lange aushält, am selben Platz rumzuöddeln. Wenn wir in einem neuen Land sind, wollen wir auch etwas davon sehen und gerade in Marokko sind die unterschiedlichen Landschaften und die relativ kurze Fahrtdauer natürlich prädestiniert für eine Rundreise. Deswegen reisen wir im Urlaub wenn möglich immer mit eigenem Mietwagen von Ort zu Ort (siehe Israel und Südafrika). Ich muss aber zugeben, dass unsere Marokkoplanung mit einem Kleinkind ganz schön ambitioniert war. Noch dazu war ich gesundheitlich angeschlagen, deshalb ging sowohl dem Puck als auch mir spätestens in Tamdaght die Puste aus. Gerade so Zwischenstopps, in denen man nur eine Nacht verbringt, würde ich mit Kind nicht mehr machen, wenn es sich vermeiden lässt. Auspacken, neue Umgebung, wieder einpacken… super stressig. Leider ließ sich das auf unserer Route kaum vermeiden, denn mal abgesehen von der (zu) kurzen Reisespanne ist zum Beispiel der Zwischenstop in Midelt leider unumgehbar, wenn man von Fes aus in die Wüste reist, es sei denn, es macht euch nichts aus, acht Stunden am Stück im Auto zu sitzen und dann völlig gerädert in Merzouga anzukommen. Und länger als eine Nacht in Midelt muss einfach auch nicht sein, da ist leider so gar nichts spannendes. Falls ihr gerne in die Sahara wollt (und ich setze jetzt einfach mal voraus, dass ihr die Sahara sehen wollt, denn das ist ganz klar ein Once in a Lifetime MUST DO und ja, es funktioniert auch mit Kleinkind!) ist es vielleicht eine Idee, statt einer Rundreise die Strecke von Marrakech bis Merzouga zweimal zu machen, denn die Stops sind wesentlich cooler. Wir wollten das nicht machen, weil wir dann Fes verpasst hätten, von dem ich nur Schwärmereien gehört hatte. Die Stadt ist auch wirklich toll (vor allem, wenn man vorher noch nie im Orient war) und das Riad lunetsoleil war ein TRAUM. Trotzdem würde ich dem Kleinkind zuliebe darauf verzichten und Fes vielleicht eher in einen Andalusien Urlaub mit einbauen.

Unser Frühstücksraum im Lune et Soleil

Unser Frühstücksraum im Lune et Soleil

 

Unser Frühstück im Lune et Soleil

Aaaah Datteln und Pfannkuchen zum Frühstück. Yes, please!

 

Frühstück

Ich war sehr angetan, vom marokkanischen Frühstück. Vom marokkanischen Dinner, aka Tajine, dann nach den ersten paar Tagen irgendwann nicht mehr.

 

In den Straßen von Fes

In den Straßen von Fes

 

Kulturschock: Von Betteln, Belagerung und Brezeln

Ich hab mir jetzt lange überlegt, ob ich das überhaupt hier reinschreiben soll – dass Marokko leider nicht mein Lieblingsreiseland werden wird. Um ganz ehrlich zu sein, hat mich die Mentalität dort gegenüber Touristen dermaßen abgeschreckt, dass ich vermutlich kein zweites Mal hinreisen werde, auch wenn das Land traumhaft schön ist und ich vor allem die eine Nacht in der Wüste nie vergessen werde. Natürlich war es nicht überall so und nicht überall gleich stark, aber ich habe mich teilweise gefühlt, wie eine lebende Geldbörse auf zwei Beinen. In keinem Land habe ich mich bisher jemals unwohl dabei gefühlt, Einheimischen zu vertrauen. Aber es ging schon in Fes los: an jeder Ecke wird man angelabert ob man sich verlaufen hat, denn “I can show you the way” und natürlich gibt es “only for you my friend, best price, best price!” Ich habe mich bald gar nicht mehr getraut, irgendwem in die Augen zu gucken, damit ich nicht gleich wieder in ein Verkaufsgespräch verwickelt werde. In kleinerem Dörfern und Oasen ist man sofort von bettelnden Kindern umgeben und wird im Singsang nach “bonbons? d’argent? stylos?” (Süßigkeiten, Geld, Kugelschreiber) gefragt. Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich mit einem Riesenpacken Stifte gereist, denn die Kinder sind dort teilweise zu arm, um in der Schule Schreibzeug zu haben. (Und wie beknackt ich es finde, Kindern Süßigkeiten zu geben, hab ich ja in meinem Südafrika Post schonmal gesagt.)

Straßen in Fes

In Fes sind alle Straßen von aussen so gebaut, dass man den Fassaden nie ansieht, ob dahinter Reichtum oder Armut hausen. Hinter dieser Mauer könnte eine Bruchbude liegen oder ein Palast, ein Außenstehender wird es nie rausfinden.

Ganz extrem wurde es dann auf dem Djema el fnaa, also dem Marktplatz in Marrakech. Zu diesem Zeitpunkt waren wir allerdings schon am Ende unserer Reise angekommen und konnten mit den auf uns zustürmenden Laufburschen der Restaurants mittlerweile ziemlich gelassen umgehen und sogar herumscherzen. “Here, my Friends, best food, best price, where are you from?”, teilweise aus fünf verschiedenen Richtungen gleichzeitig. Eingehüllt in eine Traube junge Männer, die auf uns einquasselten und versuchten, uns an ihren Stand zu bugsieren, während der Puck in der Manduca von schläfrig zu total erschrocken wechselte, waren wir einen Augenblick lang versucht, einfach kehrt zu machen und im Hotel zu essen. Bis Chris irgendwann fürchterlich lachen musste, und wir anfingen, uns einen Spaß daraus zu machen, auf Deutsch nach speziellen Dingen zu fragen: “Habt’s auch Brezeln da? Brezeln? Nein? Ach wie schade, schade schade, dann heut nicht bei euch!” Wir wurden dann etwas ratlos angelächelt und relativ fix in Ruhe gelassen. Am zweiten Abend hat ein “Thanks we just ate” sehr gut funktioniert, auch wenn “aaah you’re so thin, you can eat twice!” die Standard Antwort ist. Generell ging es uns deutlich besser, als wir anfingen uns lächelnd und scherzend über den Platz zu bewegen, statt verkniffen und jeden Blickkontakt meidend. (Surprise.) Diesen Zustand der Gelassenheit muss man sich als Durchschnittsdeutscher in Marokko aber erstmal erarbeiten.

Kosten für eine Marokko Rundreise zu dritt mit Kind

Insgesamt haben wir der Agentur für 11 Tage Rundreise inkl. Mietwagen 1400 Euro für uns drei zusammen bezahlt. (Warum wir ausnahmsweise über eine Reiseagentur gebucht haben, poste ich beim nächsten mal). Darin enthalten war auch die Wüstennacht inkl. Kamelritt, Frühstück überall und in der Hälfte der Nächte auch Halbpension, alle gefahrenen Kilometer für den Mietwagen und in jedem gebuchten Zimmer ein Beistellbett (je nach Hotel entweder ein Kinderbett oder ein Einzelbett). Dazu organisiert die Agentur den Transport von und zum Flughafen und schickt die aktuelle Michelin Landkarte für Marokko mit (wir haben allerdings überall problemlos mit Google Maps navigiert).

Marokko mit Kleinkind11

auf dem Weg in die Wüste

Nicht enthalten sind Benzin, der Kindersitz (der uns nochmal 50 Euro Leihgebühr gekostet hat), die Einmalgebühr um das Auto in Fes abzuholen und in Marrakesh wieder abzugeben (90 Euro) und geführte Touren, die man aber überall easy vor Ort buchen kann. Dafür haben wir in Marokko nochmal 7000 Dirham abgehoben (ca. 616 Euro), die wir für das Genannte plus Essen und Eintrittsgelder ausgegeben haben. Geshoppt haben wir auch, aber nur minimal und viel weniger als erwartet. Im Gegensatz zu meinen Erwartungen gab es auf den Souks einfach nicht viel, was uns gefallen hat. (Außer den Lampen, aber die kriegt man ja so schlecht ins Flugzeug…) Von vornherein nur Handgepäck zu buchen hat aber sicherlich auch geholfen. 😉

Gewürze auf dem Spuk in Marrakech

oh, und Gewürze, davon hab ich mir auch orendltich andrehen lassen – und dann die meisten hier nie wieder benutzt.

Insgesamt sind wir also, ohne Flüge, auf 2100 Euro für elf Tage gekommen. Das ist sicher nicht der günstigste Urlaub den wir je gemacht haben und in Marokko kann man preislich auch deutlich niedriger liegen. Da wir aber ein kleines Kind und eine gesundheitlich noch nicht wieder zu 100% hergestellte Mama (mich) dabeihatten, ging uns Komfort auf jeden Fall über sparen. Trotzdem haben wir uns bei den von der Agentur angebotenen Unterkünften immer eher für die Basisvariante entschieden, außer in Fez, da hatte ich mit dem Luneetsoleil ein bestimmtes (Mittelklasse) Riad im Auge, denn dort sahen die Fotos nicht nur wunderschön aus, sondern es gibt Schildkröten, die frei im Hof herumlaufen. Die drei Nächte dort waren dann auch ein Highlight auf unserer Reise!

Schildkröten im Raid Lune et Soleil in Fes

Da Mama! Sildkrüte!

 

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