Meine Mission, Chris davon zu überzeugen, warum es sich lohnt 400 Euro für eine Nacht in einer Safari-Lodge auszugeben, ist gescheitert. Ich hab’s nämlich selbst nicht ganz verstanden. Man fährt in diesen wackeligen, offenen Safari Jeeps durch die Gegend, bis man ein Tier findet (am besten eines der „Big Five“, nämlich Löwe, Rhino, Nilpferd, Elefant oder Giraffe) und wenn es soweit ist, fährt man möglichst nah dran heran und dann erzählt der Ranger, wenn er so ist wie unserer, eine Reihe von Fun Facts „Nashörner pupsen ziemlich viel“, während in der Mitte ein kleines Kind sitzt und abwechselnd fragt: „wann fahren wir wieder zurück?“ und „können die auch ins Auto springen?“ und außerdem tierisch Schiss vor Löwen hat „ich will die gar nicht die Löwen!“ obwohl eigentlich die Nilpferde die gefährlichsten Tiere in Afrika sind (Fun Fact: Die können ein Krokodil einfach in der Mitte durchbeißen!). Von der gegenüberliegenden Seite kommt dann ein Jeep voller Rentner angefahren, um das gleiche Tier zu fotografieren, und statt der Freiheit der Wildnis fühlt man eher die Absurdität unserer Spezies.

Dem Foto sieht man das aber nicht an.

Okay, nun muss man natürlich zugeben, dass auf einer echten Safari die Sache ein wenig anders aussieht. In den Nationalparks fährt man teilweise einen halben Tag durch die Gegend, ohne ein einziges Tier zu sehen. (Der Kruger Nationalpark ist so groß wie das Land Israel!!) und wenn man dann welche sieht, dann auch direkt ganze Herden davon. Hunderte Elefanten, die an einer Wasserstelle Baden, das wäre mein Traum. In so einer kleinen Privat Game Lodge wo wir waren, ist es eher wie in einem großen Zoo. Also einen seeeehr großen, aber trotzdem gibt es eben nur zwei Elefanten und vier Löwen und drei Giraffen. Für Safari Anfänger wie uns war es trotzdem ganz nett, die Big Five innerhalb von vier Stunden zu sehen. Und nächstes mal geht es dann hoffentlich in einen Nationalpark!

-> Das war der Text, den ich damals parallel zur Reise in meinem privaten Instagram Profil gepostet habe. Mit fast einem Jahr Abstand sieht die Sache schon wieder etwas anders aus, und falls ihr gerade überlegt, ob es sich lohnt mit einem kleinen Kind auf Safari zu gehen und ihr als Option eine Game Lodge in Betracht zieht (im Gegensatz zu einem Nationalpark), dann habe ich nun auch ganz klar ein paar Vorteile aufzuzählen. Einige davon waren uns schon vor der Reise bewusst, andere sind uns erst im Nachhinein aufgegangen.

Unsere 8 Gründe für einen Aufenthalt in einer Safari Game Lodge

  1. Fahrtzeit: Unser klarer Hauptgrund dafür, eine Nacht in der Garden Route Game Lodge zu buchen, war dass wir uns die Fahrt bis hoch zum Addo Nationalpark nicht antun wollten, einfach weil es für uns nochmal 8 Stunden extra Fahrt bedeutet hätte mit Hin- und Rückweg. (Wie gesagt, im Nachhinein würde ich die Reise als One-Way planen, und dann unbedingt den Addo mit einbeziehen.)
    Südafrika Safari mit Kind

    Morgensafari zum Sonnenaufgang

     

  2. Echter Safarijeep: Zweitens wollten wir aber auch nicht mit Kind nochmal zwei Tage komplett im Auto verbringen. Da der Addo Nationalpark ein Self-Drive Park ist, d.h. man mit dem eigenen Auto dort durchfährt, wäre das in unserer Vorstellung ziemlich anstrengend geworden. Und irgendwie gehört so ein Jeep ja auch zum Feeling mit dazu und macht das ganze, zumindest für die Kids, zu einem Erlebnis (Puck hat danach immer wieder ganz begeistert von dem “hohen, hohen Auto” erzählt, wo “es keine Fenster gibt, so dass sogar ein Löwe reinspringen könnte, aber das kann er nicht, weil das Auto so schnell ist!”)
    Ethical Animal Encounters South Africa

    Der kann auch nicht ins Auto springen “der ist ja dafür zu dick, Mama!”

     

  3. Ranger: Für unsere erste Safari wollten wir gern einen Ranger dabeihaben, der uns ein wenig zu den Tieren erzählen kann und diese halt auch findet. Natürlich war alles auf englisch, aber ich habe für den Puck dann immer simultan übersetzt und da wir in einer kinderfreundlichen Lodge waren, waren die Fakten immer so verpackt, dass schon ein dreijähriges Kind sie gut verdauen kann. Und auch wenn es sich während der Fahrt so angefühlt hat, als wäre das Kind am Liebsten gerade ganz woanders “ich will jetzt wieder zum Pool, Mama!”, waren wir in den Monaten danach völlig baff, als Puck Oma und Opa und allen Interessierten IM DETAIL nacherzählen konnte, was der Ranger gesagt hatte.
    Südafrika Safari mit Kind

    Guten Morgen, die Dame, der Herr.

     

  4. Andere Kinder: Einer unserer Hauptgründe für die Buchung war aber, dass die Garden Route Game Lodge als super kinderfreundlich bekannt ist und das können wir im Nachhinein auch bestätigen. Der Puck hatte auf unserer ganzen Reise (und zu diesem Zeitpunkt waren wir schon 15 Tage unterwegs) noch kein anderes Kind zum Spielen gehabt und wir wollten ihr gerne zumindest zwei Tage die Gelegenheit geben, sich ein bisschen auszutoben – ohne uns langweilige Alte im Schlepptau. Nun hatten wir zwar ein bisschen Pech, denn genau mit uns kam ein ganzer Bus Rentner in der Lodge an, aber am Pool gab es zumindest noch zwei andere Kinder, von denen der Puck heute noch manchmal erzählt, dass sie ihre “besten Freunde” sind (sie haben sich danach nie wieder gesehen).
    Südafrika Safari mit Kind

    Das sind NICHT die anderen Kinder. Man beachte, dass ich nicht immer zur Überschrift passende Bilder verfügbar habe.

     

  5. Das Essen: Machen wir uns nichts vor, Essen ist für mich immer einer der Hauptmotivatoren und ich hatte gelesen, dass das Essen in der Game Lodge fantastisch sein soll. Das war es auch. Abends konnten wir ein paar der Tiere die wir tagsüber gesehen hatten, nochmal ganz nah bewundern- nämlich auf unserem Teller. Kudu Antilope war schon ganz lecker aber so ein frisch gegrillter Strauss, DEN muss man mal probiert haben! (Fun Fact: Strauße sind nicht die schlauesten Vögel. Ihr Gehirn ist so groß wie ein Golfball. Straussenbabies vergessen innerhalb von Minuten, wie ihre Eltern aussehen, und wenn die Eltern nicht aufpassen, kann es passieren, dass das Baby im nächsten Moment einer Giraffe hinterherrennt, weil es denkt, das wäre seine Mama.) Puck war eher so die Fraktion Nachtisch. Sollte es euch mal nach Südafrika verschlagen, möchte ich euch den traditionellen Malva Pudding schwer ans Herz legen, der schmeckt wie die lokale Version des englischen Sticky Toffee (eins meiner weltliebsten Desserts!): ein kleiner Kuchen, mit Sirup getränkt, und hier mit Karamellorangeneis serviert.
    Garden Route Game Lodge Safari mit Kleinkind

    Mila. Glücklich.

     

  6. Kinderorientiertes Programm: In unserem Paket inklusive waren zwei Safaris, eine zum Sonnenuntergang, inklusive „Sundowner“ (boah, warum hat mir nie jemand erzählt wie lecker Amarula auf Eis ist?) mit einem Lagerfeuer hinterher und eine zum Sonnenaufgang (und zum ersten Mal war es gut, dass Puck uns um sechs geweckt hat). Danach gab es ein Hammer Frühstück und an unserem Abreisetag durften wir noch solange auf dem Gelände bleiben, wie wir wollten und den Pool benutzen. Wir hätten auch noch an der Reptilienführung Mittags umsonst teilnehmen dürfen, aber dem Puck reichte es da schon an Informationen. Ich tendiere daher dazu, euch nur eine einzige Nacht in der Game Lodge zu empfehlen, für uns war das die optimale Kosten-Nutzen Aufteilung.
    Garden Route Game Lodge Safari mit Kleinkind

    Lagerfeuer Romantik. Na bitte, genau so hatten wir uns das vorgestellt!

     

  7. Garantierte Tiersichtungen: Okay, da brauchen wir nicht groß drumherum reden, es ist sicherlich ein unvergessliches Erlebnis einer Herde Elefanten beim Baden zuzusehen. Aber die muss man ja auch erstmal finden! In so einer Game Lodge gibt es zwar nicht so viele Tiere auf einem Haufen, aber dafür wird man sie auch garantiert zu sehen bekommen. (Ja ich weiss, das ist in einem Zoo auch nicht anders, aber den Tieren hier geht es GUT und das ist dann schon ein signifikanter Unterschied!) Wir haben sogar einen Cheetah gesehen (die Game Lodge hat drei wilde Geparden, was SUPER SELTEN ist, da es auf der ganzen Welt nur noch 700 davon gibt.)
    Garden Route Game Lodge Safari mit Kleinkind

    Lecker Babyantilope. Diese Geparden war bei unserem Besuch “evtl. schwanger” sagte der Ranger – seitdem hat sie Drillinge bekommen. Herzlichste Glückwünsche, gut gemacht, Mama!

    Wild bedeutet, dass sie selbst ihr Essen jagen und sich in der Wildnis zurechtfinden. Als wir das Cheetah Weibchen gefunden haben, hatte es gerade ein Springbock Baby gerissen.) Anders als die Löwen dort, die sind nämlich von Menschen aufgezogen worden und haben deshalb keinen Plan wie man jagt. In ihrem Gehege wurden Anfangs 15 Springböcke ausgesetzt, um zu sehen, ob die Löwen es schaffen, die zu fangen – jetzt sind es 22 Springböcke. Die Löwen sind übrigens in einem eigenen Gehege, weil sie es vor ein paar Jahren doch mal einmal geschafft haben, ein Tier zu töten und zu fressen- nämlich einen der Cheetahs. Extrem dumm gelaufen.

    Südafrika Safari mit Kind

    Ja, tu mal nicht so unschuldig.

     

  8. Valide Alternative zum “Animal Encounter”: Ehrlich gesagt haben wir die Game Lodge als kurzfristige Alternative gebucht, denn ich hatte in dieser Nacht eigentlich einen Aufenthalt in einem Elefantenpark vorgesehen (und auch schon gebucht). Als ich unseren Reiseplan zum Safety Check ins TripAdvisor Forum postete, löste ich damit einen kleinen Shitstorm aus. Ich wusste danach jedenfalls wesentlich besser darüber Bescheid, welche Tiererlebnisse man sich in Afrika guten Gewissens gönnen kann, und welche einfach nur simple Vergnügungsparties für Touristen sind und für die Tiere wenig bis gar nicht toll. Am Elefantenpark scheiden sich ein bisschen die Geister, und ich war ehrlich gesagt todtraurig als ich das gecancelt habe (ich hatte mich wahnsinnig darauf gefreut, dort zu schlafen!), musste mir aber auch selbst eingestehen, dass ich als Elefant es sicher nicht toll finden würde, wenn den ganzen Tag jede halbe Stunde eine Busladung Touristen zu mir gekarrt würden, um mich zu streicheln und zu füttern. Und wie muss ein Elefant überhaupt trainiert worden sein, um so einen Ansturm ruhigen Gemüts über sich ergehen zu lassen?
    Südafrika mit Kind_Safari mit Kleinkind

    Seine Majestät

     

    Je mehr ich über die Hintergründe las, desto sicherer war ich jedenfalls, dass wir dieses Erlebnis von unserer Liste streichen sollten. Tiere wollten wir natürlich trotzdem sehen, wozu sind wir schließlich nach Südafrika geflogen? Die Lodge erschien mir eine zwar teure aber auch schöne Alternative, um trotzdem relativ nah dran an den Tieren zu sein ohne sie jedoch zu bedrängen. Und da wir wussten, das das Geld genutzt wird, um den Lebensraum für die Wildtiere zu konservieren und wir den Rest des Urlaubes ja relativ sparsam geschlafen hatten, konnten wir diese Einmalkosten auch ganz gut verschmerzen.
    * Was ihr bei der Planung wissen solltet: zu den hohen Übernachtungskosten kommen auch nochmal ziemlich hohe Trinkgelder für die Rangers hinzu und werden auch erwartet. (Die Lodge empfiehlt pro Person pro Fahrt 100-150 Rand. Das sind (momentan) 10 bis 15 Euro und kann bei einer größeren Familie richtig ins Geld gehen!)

Fazit: Eine Übernachtung in der Garden Route Game Lodge ist nicht günstig, sie ist es aber Wert. Zumindest dann, wenn ihr gerne mit eurem kleinen Kind zusammen auf “Safari” gehen wollt und bereit seid, auf die Erfahrung einer echten Safari noch ein paar Jahre zu warten, denn eine echte Safari ist das hier sicher nicht. Für ein dreijähriges Kind war es jedoch genau richtig. Ich bin jetzt aber von diesem Teaser so angefixt, dass ich bereits hin und her überlege, ob der Puck im nächsten Frühjahr mit vier Jahren dann vielleicht doch alt genug für eine echte Safari ist – in Kenia vielleicht, oder zumindest diesmal im Addo, und – haaaach, ich möchte so gerne eine Elefantenherde sehen!

Achtung, Safari Geheimtipp: FALLS euch die Big Five gar nicht so wichtig sind, und ihr auch mit zwei Giraffen zufrieden seid (dazu Antilopen und Gnus, Springböcke und Straußen und ganz viele Vögel) DANN würde ich euch statt der Garden Route Game Lodge übrigens ganz dringend ein ganz anderes Ziel empfehlen: Nämlich die Kwetu Guest Farm in Swellendam. Hier hatten wir eigentlich nur eine Durchfahrt-Übernachtung geplant und waren HIN UND WEG von dem Ding. Die Giraffen kommen euch da im Garten besuchen und ihr könnt das ganze Gelände zu Fuß durchstreifen. Dazu kostet es nur einen Bruchteil einer echten Safari. Ich verlinke euch das hier schonmal, aber eine ausführlichere Beschreibung gibt es dann im nächsten Post, sonst platzt dieser hier aus allen Nähten.

Kwetu Guest Farm Safari mit Kleinkind Südafrika

Das ist kein Teleobjektiv, die kam wirklich so nah.

Hier geht es zum Übersichtspost der gesamten, dreiwöchigen Reise

Ps: Es handelt sich um unbeauftragte Werbung, ich verdiene kein Geld an diesem Post oder irgendeiner Verlinkung!

 

So, und für alle die nun auf den Geschmack gekommen sind, aber es lieber gleich richtig angehen, gibt es hier noch ein paar spannende Posts meiner Bloggerkollegen zum Thema Safari mit Kind im Addo Elephant Park: