Das hier ist der zweite Teil meiner Garden Route Serie, mit fünf Tagen in George und Wilderness. Im ersten Teil habt ihr unsere Anfangsetappe Cape Town miterlebt und für einen schnellen Überblick über die gesamten drei Wochen inkl. Kosten, Ausstattung und Programm, geht es hier entlang.Im Gegensatz zu den ersten fünf Tagen in Kapstadt haben wir es auf der zweiten Etappe unserer Reise sehr entspannt angehen lassen und waren viel “Zuhause” in unserem kleinen Holzchalet, haben gekocht und entspannt. Einiges zu sehen gab es trotzdem und George ist wunderschön! Wer noch überlegt, ob er in Knysna oder George bleiben soll, dem rate ich dringend zu Zweiterem. Und zwar am allerbesten im:

Isibindi Forest Retreat, unsere Unterkunft in George

George und Wilderness mit Kindern (3 Wochen Südafrika – Garden Route Part II)

In diesem Text ist ein Zebra versteckt.

Wir hatten uns im letzten Moment noch gegen Knysna als zweite Etappe unserer Tour entschieden, als ich diese familiengeführte kleine Lodge auf Airbnb entdeckt habe, in der man  ziemlich günstig eigene Bungalows mieten kann. Das Isibindi Retreat liegt auf einem Teil der Garden Route, der sonst wohl nicht so im dicksten Touristenfokus steht. Die anderen Gäste der Lodge sind überwiegend südafrikanische Familien, von denen wohl viele ihre Kinder hier in einem nahe gelegenen Sportcollege besuchen (zumindest glaube ich, das so richtig verstanden zu haben). George ist ein süßes kleines Städtchen und, zumindest soweit wir sehen können, überwiegend schwarz. Es ist das erste mal auf unserer Reise, dass wir ein schwarzes Wohnviertel sehen, dass nicht aus Blechhütten besteht. Um uns rum viele Felder, Kinder spielen auf der Wiese, ich fühle mich sofort wohl in dieser ländlichen Idylle.

George und Wilderness mit Kindern (3 Wochen Südafrika – Garden Route Part II)

…nur die Angewohnheit der Leute, mit ihren Kindern auf der Autobahn entlang zu spazieren, treibt mir jedes mal den kalten Schweiss auf die Stirn.

Tag 6: Cape Town nach George

Die fünf Stunden Fahrt von Cape Town nach George heute sind der längste Fahrtabschnitt auf unserer ganzen Reise. Sie ziehen sich auch ganz schön, obwohl der Puck eigentlich ganz vergnügt hinten vor sich hinsingt, bevor sie einpennt. Dafür ist die Fahrt auf der Garden Route natürlich nicht mit einer deutschen Autobahn vergleichbar, nicht nur durch’s Panorama, auch die Raststätten machen einen entscheidenden Unterschied aus. Südafrika ist ein Farmland und deshalb gibt es überall an der Straße diese genialen kleinen Farm-Restaurants. Wir unterbrechen unsere Fahrt in Swellendam, um beim “Olde gaol” (Altes Gefängnis) einen Happen zu essen. Mit seinem Namen hat das Bistro allerdings nichts zu tun. Ich muss kurz blinzeln, weil ich eher das Gefühl habe, ich sitze bei meinen Großeltern auf der Terrasse. Die große Wiese wird von einer Scheune begrenzt, in der Traktoren und Farmgerätschaften lagern. Der Puck freut sich über das Klettergerüst und ich mich über den kleinen Farmladen mit Biosachen, in dem ich mir selbstgemachte Paste gegen Mückenstiche kaufe. Hauptbestandteil: Hanföl. Ob ich das wohl mit nach Deutschland nehmen darf? (Auf dem Rückweg werden wir übrigens eine Nacht hier in Swellendam verbringen und ich empfehle euch schonmal, solltet ihr hier vorbeikommen, eure Rast im “Garden Shack” zu machen. Eine freakige kleine Strandbar mitten im Inland.)

George und Wilderness mit Kindern (3 Wochen Südafrika – Garden Route Part II)

Olde Gaol. So geht Autobahnraststätte auf Südafrikanisch. Ich fühl mich wie bei Oma im Garten, bin aber wohl irgendwie zwölf Flugstunden entfernt.

Kurz vor unserem Ziel decken wir uns beim Supermarkt für die nächsten Tage ein. Chris flippt fast aus vor Freude, als er ein Regal voller Tim Tam’s entdeckt. Wie die es von Australien nach hier ins Hinterland geschafft haben, weiß kein Mensch. Chris schlägt unvernünftigerweise meine Idee aus, das ganze Regal aufzukaufen. “Quatsch, die gibt es hier bestimmt in jedem Spar!”
Spoiler: Gibt es nicht.

Tim Tam's

Nehmt, was ihr kriegen könnt. Ladet euch das Auto voll. Die sind in Deutschland SCHWEINETEUER und die sind SOOOO GUUUUT.

Ein Wort zu den Supermärkten: Auch der kleinste Spar hier ist größer als der Rewe bei uns. Das Obst ist superfrisch aber leider überall und immer in Plastik verpackt, außer man geht auf Wochenmärkte. Woolworth hat richtig gutes Essen und mit dem Ramschladen in Deutschland nichts zu tun. Bio ist fast unmöglich zu finden. Checkers hat angeblich die günstigsten Preise. Weiter im Text.

Gegen Sechs endlich Ankunft im Isibindi Forest Retreat. Volltreffer.

Wir haben ein kleines Holzchalet direkt an einer Wiese, auf der Pferde, Zebras und Wildebeasts (Gnus) frei rumlaufen. Der Puck findet die Tiere zwar irgendwie faszinierend aber auch total beängstigend, sobald sie zu nahe an unser Haus kommen.
„Mama können die auf unsere Terasse?“
„Neeeinn!“
„Warum nicht?“
„Na guck doch mal was für kleine Füße die haben!“

George und Wilderness mit Kindern (3 Wochen Südafrika – Garden Route Part II)

Bleibt ihr mal schöööön hier, wo ich euch im Auge behalten kann! #safemufasa

 

Zebra im Isibindi Forest Retreat

In Echt hatte das gar nicht so’n dicken Po.

Wie das Stadtkind in ein paar Tagen auf einem Pferd reiten soll, weiß ich auch noch nicht so genau, aber ich schätze es wird so sein, wie letztes Jahr mit den Kamelen: nach ein paar Minuten Panik gewöhnt man sich dran… hoffentlich. Gebucht ist das Ganze jedenfalls schon.

George und Wilderness mit Kindern (3 Wochen Südafrika – Garden Route Part II)

Die wohnen da auch.

Die Tage im Isibindi sind mega entspannt. Ich liebe diese riesigen Veranden, die die Häuser hier haben. (Die Aussicht kann natürlich auch nicht schaden.) Der Puck war war erst furchtbar enttäuscht, dass es keine anderen kleinen Kinder gibt („Mama ich wollte so gerne, dass ein Kind hier mein Freund ist“) und sie hat auch zum ersten Mal im Urlaub richtig Heimweh nach ihrer besten Freundin, aber trotzdem liebt sie es, Morgens und Abends stundenlang auf der Veranda Suppe zu kochen. Dass sie ganz alleine von der Veranda runter ins Gras gehen darf, um dort „Suppenkräuter“ zu pflücken, mussten wir ihr allerdings fünf mal versichern. Da ist mir erst mal bewusst geworden, dass sie in Berlin ja nichtmal alleine zwei Meter aus der Haustür gehen darf.
„Guck mal Puck, hier habe ich dir noch mehr Kräuter gebracht für deine Suppe. Aber damit musst du sparsam umgehen, die machen die Suppe ganz scharf.“

„Guck mal Mama, ich habe auch Kräuter für die Suppe, aber damit musst du sparsam umgehen. Die machen die Suppe zerbrechlich“.

Tag 7 & 8: Strand

Direkt nebenan (8 km, aber hier hat man ja Auto, ne) ist der coolste Familienstrand, den ich je gesehen habe. In der Bucht fließt das Wasser in einem ganz flachen kleinen Fluss durch, perfekt zum Buddeln, selbst für Kleinkinder. Aber zehn Meter weiter können auch die Großen in den Wellen hüpfen. Das Wellenhüpfen ist natürlich nicht vergleichbar mit dem Wahnsinn, der in Victoria Bay abgeht, wo wir am nächsten Tag vorbeischauen. Einer der zehn besten Surfspots der Welt soll das wohl sein aber wir sind nur zum in den Wellen Spielen da. Also Chris und ich zumindest, der Puck kann nichtmal ans Wasser, weil die Wellen innerhalb von ein paar Metern vom Strand weg solche Wucht entwickeln, dass sie einen halb ersäufen, wenn man nicht schnell genug drunter durch taucht. Ich lieb das ja, aber ich habe meine Kontaktlinsen vergessen und muss also halb blind ins Wasser. Das flößt einem schon Respekt ein, wenn sich da so eine Wellenwand aufzutürmen beginnt und man noch nichtmal klar sehen kann, was eigentlich passiert.

George und Wilderness mit Kindern (3 Wochen Südafrika – Garden Route Part II)

Rein. Reinreinreinreinrein.

Tag 9: Redberry Farm

Der Ausflug zu Karl’s Erdbeerhof der Redberry Farm ist wettertechnisch nicht so optimal. Sobald wir das Auto parken, fängt es an zu schütten wie aus Kübeln. Wir flüchten uns ins “Farm Bistro”, einem von fünf Restaurants auf dem Gelände und essen Erdbeeren mit Schokosoße und Scones mit Tee. Ich beäuge misstrauisch die Minibehälter, mit denen die Leute von den “Pick your own Strawberries” Feldern kommen – sieht aus, als wäre es sinnvoller für 30 Rand die große Packung Erdbeeren vom Farmshop zu kaufen. Der Puck war schon im Auto kurz vorm Wegpennen und mutiert eine Stunde später vor lauter Übermüdung zum Brummkreisel. Als Chris sie zum dritten Mal von von der Sessellehne pflücken muss, erkennen wir den Ausflug als gescheitert an und machen uns auf den Rückweg. Den Rest des Tages verbringen wir bei prasselndem Regen unter unserem Holzdach in der Hängematte, gucken aufs Gras und aufs Meer und auf Zebras, trinken Tee mit Keksen, die die 14 jährige Tochter der Besitzer der Lodge gebacken hat und flippen vor Glück halb aus. Unser Urlaub ist noch nichtmal halb rum und wir sind schon unwiederbringlich in Südafrika verliebt.

George und Wilderness mit Kindern (3 Wochen Südafrika – Garden Route Part II)

Erdbeeren, Hängematte, Regenluft, prasselnde Tropfen auf dem Holzdach, ein schlafendes Kind unterm Moskitonetz und Weite, Weite, Weite um uns herum. Südafrika, oh Gott, bist du schön.

Tag 10: Kanufahren in Wilderness und Wanderung zum Kaimaan’s Waterfall

Heute ist der Puck zum ersten Mal Kanu gefahren. Das fand sie erst mal gar nicht witzig! So ne komische Weste an und dann in so eine kleine Nussschale die wackelt, auf diesem tiefen, tiefen Fluss? „Neeee, ich möchte das gar nicht!“ Aber als uns dann massenweise Kanus mit anderen kleinen Kindern entgegen kamen, war alles gar nicht mehr so schlimm.

Wanderung zum Kaimaan's Waterfall. Erwachsene brauchen ca. eine halbe Stunde. Dreijährige brauchen ca. eine Minute - pro Meter. "Ich kaaaaaannn nicht meeeeehr, du musst mich traaaaaaaageeeen, Papa!"

Wanderung zum Kaimaan’s Waterfall. Erwachsene brauchen ca. eine halbe Stunde vom Kanu Anlegeplatz. Dreijährige brauchen ca. eine Minute – pro Meter. “Ich kaaaaaannn nicht meeeeehr, du musst mich traaaaaaaageeeen, Papa!”

Und als wir dann das Kanu geparkt hatten und zum Kaimaan’s Wasserfall gewandert waren, war High Life. Da konnte man nämlich die schlüpfrigen Steine runter rutschen und die Füße ins Wasser patschen. „Aber ich will nicht ganz rein, Greta“ (Gespräche mit ihrer Puppe sind groß im Trend und manchmal ganz aufschlussreich) „weil da kleine Fische drin sind. Aber du brauchst keine Angst haben, Greta, die fressen keine kleinen Kinder.“ Bei den Fischen weiß sie das schon, bei den Gnus ist sie sich, trotz mehrfacher „Ehre, schwöre“ nicht so sicher. „Mama weißt du ganz genau, dass die nur Gras fressen?“ Seitdem heute morgen eins vor der Terasse lang galoppiert ist, ist sie auch überzeugt, dass die Gnus auf unser Haus springen könnten, wenn sie es nur wollten. Findet sie gar. Nicht. Gut.
Also das mit der Tierliebe müssen wir erst noch entwickeln.

George und Wilderness mit Kindern (3 Wochen Südafrika – Garden Route Part II)

Kaimaans Waterfall. Fische fressen keine Menschen. Sie tun es nicht.

Wilderness ist ein Traum. Der Strand ein Traum, die Landschaft ein Traum, WIR WOLLEN HIER NICHT WEG! Oder zumindest in George bleiben, in unserer tiefenentspannten kleinen Lodge.

George und Wilderness mit Kindern (3 Wochen Südafrika – Garden Route Part II)

Da steht ein Pferd aufm Flur.

Tag 11: Outeniqua Farmer’s Market & Fahrt nach Plettenberg Bay

Auf dem Weg von George nach Plettenberg Bay kommen wir am Outeniqua Farmers Market vorbei. Jeden Samstag gibt es hier frisches Farmgemüse, Lifemusik und Streetfood. Und für den Puck einen Riesenspielplatz. Die Stimmung auf dem Markt irgendwie surreal, so hab ich mir eher Südstaatenamerika vorgestellt als Afrika. Allerdings life Country Musik in africaans. Und wieder mal; nur Weiße. Was verrückt ist, denn wir hatten in dem Städtchen drum herum eigentlich nur Schwarze gesehen. Bis sich hier an der Garden Route schwarz und weiß vermischen, werden wohl noch ein paar Jahrzehnte ins Land gehen müssen.

George und Wilderness mit Kindern (3 Wochen Südafrika – Garden Route Part II)

Aber hey guck mal, es gibt Leberkäse.

Naja jedenfalls trifft sich hier Samstags die weiße Landbevölkerung zum gemütlichen Kaffeeklatsch/ Mittagessen. Meine Strategie mit „einfach irgendwo anstellen wo die Schlange am längsten ist und dann das bestellen was die Lokals essen“ funktioniert hier in Afrika irgendwie nicht. Zuerst hab ich mir bei „Pappas Schmackjes“ frittierten Kohl mit in Honig eingelegtem Steak und Joghurt eingehandelt (was immer noch besser klingt als es schmeckt) und dann beim absoluten Lieblingsstand der Lokals (ich hab fast 20 Minuten in der Schlange gestanden!) blind einen „Vetkoek“ bestellt. Voll bescheuert, mein Holländisch hätte eigentlich so weit reichen müssen, dass ich einen „Fettkuchen“ zumindest hätte vermuten können. Ich hab dann einen frittierten Ball mit Hackfleischfüllung bekommen- was sich übrigens auch wieder besser anhört, als es schmeckt… also wo das „supergute Essen“ bleibt, dass all die anderen Urlauber versprochen haben, bin ich noch gespannt. Bis jetzt ging es in unserer Wahrnehmung über Fleisch und Pommes noch nicht wirklich hinaus. Außer natürlich der Fisch – der ist top. Aber den kriegt man eher im Restaurant und Restaurant und Kleinkind vertragen sich nicht. Also ernähren wir uns von kiloweise frischen Früchten und Maiscrackern mit Butter. Und machen uns mit einem Kofferraum voller leckerer Markteinkäufe auf den Weg nach Plettenberg Bay.

George und Wilderness mit Kindern (3 Wochen Südafrika – Garden Route Part II)

Vetkoek. Frittierter Fettklops mit Fleisch. Just… don’t.

 

Outeniqua Farmer's Market George und Wilderness mit Kindern (3 Wochen Südafrika – Garden Route Part II)

Uuuuh, aber die dafür, DO DO DO.

 

George und Wilderness mit Kindern (3 Wochen Südafrika – Garden Route Part II)

Noch ein letzter Ritt auf der Pferdekoppel und ab nach Plettenberg Bay, die nächste Station unserer Reise.