Das hier ist der erste Teil meiner Garden Route Serie, in welchem wir fünf Tage in Cape Town verbringen. Für einen schnellen Überblick über die gesamten drei Wochen inkl. Kosten, Ausstattung und Programm, bitter hier entlang.

Ansonsten: Los geht’s, mitten rein in’s Abenteuer. Ab jetzt fast alles aus meinem privaten Instagram Profil übernommen, also erlebt ihr quasi unseren Urlaub in Echtzeit mit.

Gelandet!

Aus’m Flugzeug, Sonne. An der Glasscheibe: die größte Heuschrecke, die ich je gesehen habe. Mietwagen, Aufatmen
Wir kriegen in unseren viertürigen Kleinwagen all unser Gepäck rein. Ich war mir nicht so ganz sicher, weil Chris darauf bestanden hat, seine neue Handpan mitzuschleppen (ein Instrument, dass aussieht wie ein Wok, sehr teuer ist und in einem stabilen und SEHR schweren Case mit uns mitgeflogen ist, das größer ist als unser großer Koffer.)

Unterkunft

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

Mount Elsewhere – DA HABEN WIR GESCHLAFEN!!!

Airbnb. Evtl. das schönste Airbnb, das Cape Town zu bieten hat, auf jeden Fall das Schönste, in dem ich je geschlafen habe. Im Stadtteil Hout Bay, hoch oben AUF einem Berg, haben Adri und Deon sich vor ein paar Jahrzehnten dieses Paradies erschaffen. Wir kommen an und sind uns nicht ganz sicher, ob wir Cape Town noch sehen wollen. Wir bleiben schließlich nur fünf Tage hier. Das ist ja kaum genug Zeit, um den Balkon mit diesem IRREN Ausblick zu genießen. Es gibt einen kleinen Teich, gespeist von Bergwasser, in dem man auch Baden kann. Zusammen mit den Fröschen die da wohnen. Aber der Puck will nicht, weil „die zwicken einen dann in den Po.”

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

Das sieht da wirklich aus wie auf den Airbnb Fotos. Ich werde übrigens hier nicht irgendwie für Werbung bezahlt, ich bin einfach sehr begeisterungsfähig.

 

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

“Nein Süße, Frösche haben doch gar keine Zähne”
“DOCH!!”

Wasserknappheit Cape Town Region

In den letzten Jahren hat es hier viel zu wenig geregnet. Das Wasser ist daher in der Cape Town Region so knapp geworden, dass die Leute sich zwischenzeitlich nichtmal mehr die Hände gewaschen haben. Auf den öffentlichen Toiletten hängen “Waterless Sanitizer” und Schilder mit allerliebsten Reimen:
“If it’s yellow, let it mellow,
if it’s brown, flush it down.”
Unser Airbnb ist auch hier ein Volltreffer: Das ganze Haus wird von trinkbarem Bergwasser gespeist. Wir können sogar baden. Ein heftiger Luxus!

Tag 1: Ankommen und Abendessen Mariner’s Wharf

Nachdem wir uns hier lange mit unseren Vermietern verquatscht haben, der Puck auf dem Balkon alle Tiere gebadet hat und Chris endlich endlich seine Handpan an der frischen Luft ausprobieren konnte, haben wir den Abend am Strand ausklingen lassen. Zum Abendessen gab’s frischen Fisch beim Mariner’s Wharf und ne Runde Kinder beim Surfenlernen beobachten. Prinzessin Puck wollte ausgerechnet Sushi (!) zum Abendessen (jaja, die Berliner wieder), aber zufällig gab’s das da tatsächlich. Mariner’s Wharf wurde uns vom Sohn unserer Vermieter empfohlen, mit den Worten “die Einrichtung ist so kitschig, dass es schon wieder geil ist und die Kellner tragen enge Matrosenanzüge.” Gibt es jemanden, der dieser Beschreibung widerstehen kann?
Tagsüber kann man hier in der Markthalle guten, frischen Fisch kaufen, Abends gibt’s den Blick auf Berge und Meer gratis. Zum Sonnenuntergang.
Be still my heart, we really are in Africa! Gott, ist das hier schön.

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

“Beeil dich mein Schatz, du hast doch jetzt gleich noch Surfstunde im Meer beim Sonnenuntergang.”
“Boah Mama, kein Booooock. Lieber Playstation zocken!”

War aber jetzt energietechnisch echt hart an der Grenze mit dem Essengehen, dafür musste das Einkaufen ausfallen. Gut, dass wir unser Frühstück im Gepäck haben (eine Packung Hafer, eine Packung Leinsamen, eine kleine Kaffeemühle und zack, gibt’s Morgen früh superfrisches, leckeres Porridge. Is ja wie zuhauuuuse, Schätzelein). Dazu am Straßenstand noch ein paar Feigen frisch vom Baum erstanden und diverse andere Früchte, die vermutlich hier besser schmecken als sie es in Deutschland jemals tun werden.

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

Hab nie behauptet, dass Food Photography ne große Stärke von mir ist. Ich dokumentier das nur, falls.. ihr noch nie Müsli gesehen habt, ne?

Tag 2: Chapman’s peak drive, Boulder’s Beach, Muizenberg Tidal Pools & Cape Point Vineyards

Unser zweiter Tag in Südafrika wird in den ganzen drei Wochen der einzige bleiben, den wir rückblickend auch gut hätten anders nutzen können. Fairerweise kann das aber auch damit zu tun haben, dass wir nach unserer langen Reise einfach doch platt sind. Beim nächsten Mal wissen wir das dann besser, und planen für den Tag nach der Reise kein Programm. So aber läuft es folgendermaßen:

Den Ausflug zum Kap der guten Hoffnung haben wir schon mal gekippt. Ich hab für jeden Tag so viel geplant, dass wir eh nicht alles schaffen und wozu hat man so einen Balkon, wenn man ihn nicht gebührend genießt. Also ganz entspannt gegen zehn Uhr los Richtung Boulder’s Beach. Da lebt eine Kolonie Pinguine, die wollen wir mal besuchen. Den Weg dahin fährt man auf einer der schönsten Küstenstraßen der Welt, dem Chapman’s Peak drive. Wow. Chris und ich staunen, der Puck darf iPad gucken und interessiert sich nicht die Bohne für die steilen Klippen links und Träumstrände rechts. “Wieso müssen wir denn aussteigen Papa, du hast doch gestern schon Fotos gemacht!”

Die Pinguine werden ja als absolutes Must Do gehandelt, vor allem mit Kindern, und wo kann man schon so nah dran an freilebende Pinguine und noch dazu ist es umsonst… Joa. Ganz nett hier. Sicher nicht der schönste Strand, den wir in Südafrika zu sehen bekommen werden und Pinguine angucken hatte ich mir auch irgendwie spannender vorgestellt. Der Puck ist auch nur so semi interessiert. Aber gesehen haben wir sie jetzt. Für Reisende, die nicht so viel Zeit haben, würde ich Boulder’s Beach allerdings nicht auf die unbedingte ToDo Liste setzen.

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

“Schnell Chris, Kamera, Chris SCHNELL! Das muss doch aussehen, als wenn ich ganz zufällig da stehe, wo der Pinguin aus dem Wasser kommt!”

Auf dem Rückweg legen wir einen Stop am Kalk Bay ein, wo wir uns beim berühmten Kalky’s mit Fish & Chips versorgen und der Puck sich vor den rumliegenden Seerobben fürchtet. Schnell wieder ins Auto.

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“Aber auf TripAdvisor haben die geschrieben, dass kleine Kinder das toll finden, mit den Robben – warum schreist du denn so?!”

Nachdem wir eine Stunde lang erfolglos versuchen, den Puck durch herumcruisen zum Mittagsschlaf zu bewegen, entscheiden wir uns für einen weiteren Zwischenstop: den Tidal Pool am Muizenberg Beach. Tidal Pools sind aus Stein gemauerte Becken, die vom Meerwasser gespeist aber vor den Wellen geschützt sind. Also perfekt für kleine Kinder denken wir uns. “Beliebter Treffpunkt lokaler Familien” steht mehrfach im Internet beschrieben, neben Fotos von diesen schicken bunten, für den Muizenberg typischen Badehäuschen, vor denen der gewiefte Influencer sich dann bei Instagram in Szene setzen kann. Im Real Life stellen die Häuschen sich als das einzig schicke an diesem Strand heraus. Überall liegt Müll, eine hohe Betonmauer spendet den einzigen Schatten. Der Puck findet es aber toll, weil tatsächlich alles voller Familien ist. Endlich andere Kinder! Eine halbe Stunde später hat sie eine Scherbe im Fuß.

Warum wir nicht einfach ins Airbnb zurückfahren? Weil heute Donnerstag ist, der einzige Tag mit einem festen Programmpunkt. Denn Donnerstags, und nur Donnerstags, ist auf dem Weingut Cape Point Vineyards ein Streetfood Markt. Um 16 Uhr geht es los und wir haben uns vorgenommen pünktlich dort zu sein, damit wir direkt nach dem Sonnenuntergang um 18:30 wieder auf dem Rückweg sind, denn wir haben überall gelesen, dass man im Dunkeln nicht durch Cape Town fahren soll. Unser Zeitmanagement ist auch wirklich gut – allerdings knackt JETZT natürlich der Puck tief und fest, als wir ankommen. Chris und ich vertreiben uns die Zeit im Auto mit unserer Road Trip Playlist und Pärchengesprächen. Das ist schön. Als wir pünktlich zum Sonnenuntergang das Weingut betreten, sind wir alle wieder wach und SEHR hungrig.

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

Cape Point Vineyards Thursday Market. Wie Markthalle neun, nur in atemberaubend.

Pizza, Rippchen, Billtong (getrocknetes Fleisch), Knoblauchciabatta, Eis und Kuchen – nachdem wir uns einmal durch den KOMPLETTEN Markt probiert haben, stellen wir fest, dass wir essenstechnisch von Berlin völlig verwöhnt sind und das Essen hier nichtmal ansatzweise an Berliner Streetfoodmärkte herankommt. Das Publikum dagegen könnte das Selbe sein: unter die Kapstädter Hipster Bevölkerung mischt sich eine erstaunlich hohe Anzahl deutscher Familien. Wir fallen null auf und der Puck findet auf dem Spielplatz direkt deutschsprachige Freunde. Die Smoothies aus frischen Früchten sind zum Niederknien und der Sonnenuntergang taucht von einer Sekunde auf die andere das ganze Gelände in dieses Wahnsinnslicht, das es nur in Afrika zu geben scheint. Es ist überirdisch schön. Zehn Minuten später ist es stockdunkel. Ups. Soviel zum Nicht im Dunkeln fahren.

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

Ist aber eigentlich auch nicht so’n Drama, im Dunkeln nach Hause zu fahren.

Tag 3: Tafelberg und Afternoon Tea bei Nellie’s

Einmal für den obligatorischen Tourishot auf’n Tafelberg. Gut möglich, dass heute der heißeste Tag unserer Reise wird. Gestern bei bewölkten 22 Grad und mega starkem Wind haben wir alle schon mal schön die Sonne unterschätzt und uns ordentlich verbrannt. Also zumindest Chris und ich, auf den Puck haben wir ein bisschen besser aufgepasst. Aber heute bei schnuckeligen 30 Grad in Kapstadt ließ sich die afrikanische Sonne beim besten Willen nicht mehr ignorieren. Eigentlich das perfekte Wetter für einen Strandtag, aber mit Schatten is hier am Strand nicht so viel und außerdem war für heute der Aufstieg auf den Tafelberg geplant. (Also Aufstieg für Chris, Puck und ich sind gechillt mit der Seilbahn hochgefahren.) Einmal oben war es zwar zehn Grad kälter aber mit Kleinkind wär zuhause am Pool bleiben trotzdem die schlauere Option gewesen. So hatte ich 1,5 Stunden lang ein gelangweiltes Kleinkind auf einer Bank im Schatten zu bespaßen. Das Foto ist ein Fake, wir haben die Aussicht eigentlich nur 2 Minuten beachtet und den Rest der Zeit den Geburtstag von Greta der Puppe, gefeiert. Dann kam endlich/ schon Papa oben an, der die Strecke von 3 Stunden in 1,5 Stunden hochgejoggt ist. Ohne Mütze. In der prallen Sonne. War nicht die vernünftigste Wanderung, die er jemals gemacht hat. Aber zumindest waren wir jetzt mal auf dem Tafelberg oben und haben Tourifotos gemacht, ne?

Ps: Als ich von den Dassies gelesen habe, die auf dem Tafelberg leben, fand ich die ziemlich witzig. Sehen aus wie Nagetiere, nächster Verwandter ist aber, kein Spaß, der Elefant. Mein Stadtkind teilte meine Begeisterung leider nicht im Geringsten, schrie lautstark „MAUUUUUUS!!!“ und wäre mir fast auf den Kopf gesprungen. Jegliche Erklärungen zu Verwandtschaftsverhältnissen mit anderen Tieren waren verschwendete Liebesmüh.

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

“MAAAAAUUUUS PAPA MAAAAUUUUUSSSSS!!!!”

Nach der Aufregung mit den Mausedassies, keinem Mittagsschlaf und in der ziemlichen Sicherheit, dass Chris sich wahrscheinlich zumindest einen leichten Sonnenstich eingefangen hatte, wäre um ein Haar unser Nachmittagsplan flöten gegangen. Da wir uns aber sowieso schon aus unseren verschwitzten Klamotten in etwas schickere Schale geschmissen hatten, haben wir dann doch durchgezogen. Wir hatten nämlich vorgebucht: den High Tea im „Nellies“.

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Der Pink Palace: High Tea im Belmont Mount Nelson

High Tea im Belmond Mount Nelson Hotel ist eine Institution in Kapstadt. Von den Einwohnern liebevoll das „Nellie’s“ oder auch „Pink Palace“ genannt, kommt man sich hier vor, als wäre man hundert Jahre in der Zeit zurück – und mitten in die Kolonialzeit gesprungen. So richtig klassisch britisch mit Dresscode und allem.

Aber eine geniale Loose Leaf Tea Auswahl und der Herr am Klavier hat mit seinem kultivierten Geklimper dafür gesorgt, dass wir uns ein bisschen wie in einem Film vorkamen. Um uns rum angeblich die Creme de la Creme der Kapstädter Society (und ein paar Nasen wie wir, die sich dazwischen geschmuggelt hatten). Nach der typischen Etagere mit Gurken- und Lachssandwiches und Scones mit Clotted Cream gibt es hier ein Riesenbuffet voller Süßigkeiten. Kuchen in allen Ausführungen, Macarons, Eclairs, Pralinen, Erdbeeren, kleine Pfannkuchen und -hallelujah- Crême Brulee.

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

jap.

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

Ich hab mich erst getraut Fotos zu machen, als das Buffet schon ganz abgegrast aussah. Wollt ja nicht wie so’n doofer Touri direkt mit meiner Kamera zum Kuchen stürmen. Nee, ganz gediegen, hamwa schließlich jeden Tag, sowas. Tz.

Der Puck konnte überhaupt nicht fassen, dass sie soviel davon nehmen durfte, wie sie wollte, aber wir dachten uns „ach, wenn schon Risiko, dann richtig. Mit einem ausgeschlafenen, älteren Kind ins Fünf Sterne Hotel kann ja jeder. Wir wollen lieber ein kleines unausgeschlafenes voller Zucker und dann werden wir ja sehen, was für Elternskills wir haben.“ Und was soll ich sagen? Alles ist pöööörfekt gelaufen. Auf den unvermeidlichen Absturz am Ende waren wir natürlich (Profis, wir!) schon eingestellt und konnten dank meisterhafter Vorbereitung (Kreditkarte im Anschlag, Kellnerin aktiviert, Kind geschnappt, bevor es kreischend im Kreis tanzend in den Brunnen wirbelt) innerhalb von Sekunden die Biege machen.

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

Läuft doch.

 

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

“Oh warte, setz dich nochmal so pittoresk da hin. Du sollst STILL sitzen, meine ich!”

Tag 4: V&A Waterfront, Streetfood

Bis jetzt hatten wir eine einzige Mücke in unserer Wohnung aber das verdammte Vieh hat den Puck AUFGEFRESSEN!! Die arme Maus ist überall gepunktet und die Stiche werden bei ihr dann zu so richtig dicken Flatschen. Wir haben zwei so Teile dabei, die gegen das Jucken sofort helfen, das eine ist ein Stift der kurz heiß wird, das andere heißt „zap it“ und verpasst dem Stich einen kleinen Stromschlag oder so, jedenfalls hört es sofort auf zu jucken. LEIDER hat der Puck vor beiden Dingern den absoluten Horror und lässt uns nichtmal auf zehn Meter damit an sie heran. Stattdessen kratzt sie sich lieber blutig und weint die ganze Nacht weil es so juckt. Heute Nacht um vier war dann der Moment gekommen, an dem Chris und ich unsere dunkelsten Elternvisionen wahrmachen, uns gegen unsere Tochter verbünden und sie unter brüllen (sie) und Festhalten (wir sie) zappen mussten. Dazu ich, in verschlafenem O-Ton, wie ein schlechter Film: „Süße, du MUSST jetzt stark sein.“ Die 20 Sekunden fühlten sich an wie 20 Minuten und ich wäre nicht überrascht gewesen, wenn plötzlich das südafrikanische Jugendamt vor der Tür gestanden hätte 🙁 jetzt habe ich Angst, dass wir sie für den Rest ihres Lebens traumatisiert haben. Aber die Alternative wäre gewesen, dass die ganze Familie keinen Schlaf mehr bekommt und der Puck sich kaputt kratzt. Manchmal ist dieses Elternding schwer. Ich kann mir nicht vorstellen, wie Eltern das machen, die ein kleines Kind mit einer richtigen Krankheit haben, dass ständig irgendwelche Spritzen braucht. Meinen heftigsten Respekt.

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

“Nein meine Süße, Spinnen sind nicht blöd, wir mögen alle Tiere, die haben alle ihren berechtigten Platz in unserem ökologischen… – boah, wenn ich diese verdammte KACKMÜCKE zu fassen kriege!!!”

Nachdem ich den Absatz fertig geschrieben hatte, kam mir eine irre Erziehungseerkenntnis. Beim drüber Nachdenken, WIE Eltern mit krebskranken Kindern das schaffen, ist mir aufgegangen, dass sie sich gar nicht leisten können, diese Panik vor Schmerz überhaupt aufkommen zu lassen. Also hab ich eben, als der Puck wieder anfing zu kratzen, vollkommen ruhig gesagt „so, das wird jetzt alles gezappt.“ Ohne Drama, ohne Ausweichmöglichkeit, ohne Emotionen und vor allem: ohne Angst vor ihrer Angst! Sie hat ganz kurz geschrien, ich hab ganz selbstverständlich durchgezogen und den fünften Mückenstich hat sie mir dann schon selber hingehalten: „Hier Mama, hier musst du auch noch zappen.“ Thema erledigt. „Mama, das war gar nicht so schlimm wie ich Angst hatte“.
Ja. Lektion vor heute: die meisten Dinge sind nicht so schlimm, wie wir sie uns in unserem Kopf ausmalen.

Morgens ist es auf unserem Balkon so schön, dass wir fast unsere Tagespläne alle sausen lassen, weil viel schöner als hier kann es eh kaum werden.

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

… und schwups, plötzlich steht man in einer Wolke.

 

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

…und wenn dann die aufgehende Sonne noch mit Handpan Musik begleitet wird… okay ja, erwischt, das ist ziemlich wahrscheinlich ein Foto vom Sonnenuntergang, but you get the Idea!

Allerdings hätten wir dann von Kapstadts Innenstadt überhaupt nichts gesehen und so haben wir uns aufgerafft und sind doch in die City gefahren. Gute Entscheidung. Die Victoria & Alfred Waterfront ist eine Mischung aus Sydney Harbor und Disneyland, ergänzt von diesem irren Panorama das man hier durch den Tafelberg überall hat. Dazu Sonne, Meer und überall coole Lifemusik. Wir machen einen kleinen Abstecher zum Scratch Patch und Chris und das Kind suchen fleissig die allerschönsten, “nein das ist jetzt aber der Schönste!”- Edelsteine zusammen um sie dann mir zu Füßen zu legen. Fühle mich wie Königin Isabella, als Kolumbus ihr seine Entdeckungen präsentiert.

Den Rest des Nachmittags versacken wir an der Promenade vor der Streetfood Halle, wo solch talentierte Musiker die Szene rocken, dass man dafür auch Eintritt nehmen könnte.

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

Könnte auch Berlin sein… wenn das Panorama nicht wäre.

Das Essen auf dem V&A foodmarket ist unerwartet gut, ich esse zum ersten mal in meinem Leben frischgemachte Nachos und Melktart. Letztere ist so gut, dass ich noch eine zweite Portion davon mitnehme, für Zuhause. Oh, weg. Eine dritte Portion meinte ich.

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

Frisch aus Cornmeal frittierte Nachos, irgendjemand? Endlich auch mal Streetfood, das man in Berlin nicht an jeder Ecke findet. (Sprach der Foodschnösel).

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Das Steak! Das Steak! (Nicht im Bild, aber an diesem Stand das Steak!) Oder wahlweise mal Springbok Loin? Nommmmnomm

 

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

Biltong. Wer kein Biltong probiert hat, der war auch nicht in Südafrika. Sagt man. Hab ich leider erst hinterher erfahren… Ich steh nicht so auf getrocknetes Fleisch.

Danach sind wir satt und müde und sagen unser Abendessen im Gold Restaurant ab. Schade, irgendwie war ich ein bisschen geil drauf mal in so einen richtigen, RICHTIGEN Tourischuppen zu gehen. Die Leute kommen da wohl mit Bussen an.

Tag 5: Bay Harbor market, Kirstenbosch Summer Concert & Braai

Wir beginnen den Tag auf dem Bay Harbor Market, einem der vielen Indoor Märkte mit Life Musik, coolen Klamotten und Schmuck- Ständen und (mal wieder) Streetfood. Der Unterschied zur Markthalle IX in Kreuzberg ist nicht weiter bedeutend, bis es plötzlich „ssip“ macht – und von einer auf die andere Sekunde ist alles dunkel. Großflächiger Stromausfall in der Cape Town Region, der den ganzen Tag andauert. Crazy, wie aufgeschmissen unsere Zivilisation ist, wenn der Strom weg ist! Internet weg, Alarmanlage weg, Kühlschrank abgetaut und aufm Markt kein frischer Shake mehr, weil der Mixer keinen Saft hat. Und das sind nur die „Mila macht reiche Kinder Urlaub und kann keinen Smoothie trinken“-Auswirkungen. Für die Reichen läuft in solchen Fällen alles fast genauso weiter, der Strom kommt dann eben aus nem Generator. Der Großteil der Bevölkerung hier ist aber nicht reich und die kriegen solche Ausfälle dann voll ab. Überhaupt ist Kapstadt wahrscheinlich eine der am extremsten nach arm und reich/ schwarz und weiß getrennten Städte auf dem Kontinent. Die Apartheid hat ganze Arbeit geleistet und ist immer noch überall zu spüren. Die Weißen wohnen hinter hohen elektrischen Zäunen, die Schwarzen in Townships mit Blechbutzen. Auch überall wo wir bis jetzt unterwegs waren, fast nur Weiße. (Und übrigens gefühlt fast nur Deutsche! Scheint ein beliebtes Urlaubsland unserer Nation zu sein.) Ein Einheimischer mit dem wir ins Gespräch kommen erzählt, dass er seine Kinder auf Internate und Unis in Europa schickt, weil er für Weiße in Südafrika keine Zukunft sieht. „Die Regierung versucht, die Spuren der Kolonialzeit auszuräumen.“ Ich finde seine Sicht spannend, vor allem weil ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, wie sich hier in seiner Lebenszeit oder gar in den nächsten hundert Jahren irgendwas ändern soll. Dafür waren die Europäer hier einfach zu extrem unterwegs. Noch haben jedenfalls ausschließlich die Weißen alle Privilegien.

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“Could I have the shake with -“
“NO MAM, THERE’S NO ELECTRICITY! DUH!”
“oh.”

Nächste Station: Kirstenbosch Summer Sunset Concert. Jeden Sonntag Nachmittag finden im Sommer hier im Botanischen Garten (einem der schönsten der Welt hab ich mir sagen lassen und obwohl ich’s ja nicht so mit botanischen Gärten habe, kann man sich der dem Bergpanorama schwerlich entziehen) die berühmten Konzerte statt, mal mit bekannten Künstlern (Anfang des Sommers war Bonobo hier) mal mit weniger bekannten. Wir haben die weniger bekannte Auswahl erwischt aber sonst hätten wir wohl auch keine Karten mehr bekommen. Zu holländischer? Afrikaanser? (Kann ich nicht auseinenderhalten) Rockmusik hat sich heute Cape Town hier versammelt, mit teilweise richtig eloquenten Picknicks und dem kompletten Freundeskreis, um beim Sonnenuntergang die Stimmung zu genießen. Irgendwie surreal, nach dem Winter in Berlin plötzlich in so einem lauen Sommerabend auf dem Gras zu sitzen.

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

“Lauf da mal hin und stell dich in Pose!”

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

“SO??”

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“Nicht der schlechteste Ort, an dem das Kind je Mittagsschlaf gemacht hat.”

 

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

Pünktlich zum Konzert kommt die Sonne raus. (Man beachte die kiloschweren Picknickkörbe – die hatten da teilweise fünfstämmige Kerzenleuchter dabei.)

Abends: Ich muss mir mal kurz selbst auf die Schulter klopfen, weil ich echt ein gutes Gespür für Unterkünfte im Internet habe. Mit der Wohnung steht und fällt der ganze Urlaub, da kann die Stadt drum herum noch so traumhaft sein. Wir haben hier wieder den Hauptgewinn gezogen und zwar nicht nur mit dieser Knaller Aussicht, den frischen weißen Bettlaken, der selbstgemachte Seife, den selbstgeknüpften Teppichen und den tollen Kunstwerken an den Wänden- nein, wir haben auch noch die perfekten Gastgeber obendrauf! Adri und Deon haben zwei erwachsene Söhne, vermieten jetzt deren Untergeschoss an Touristen und genießen das offensichtlich außerordentlich. Schon gleich am ersten Tag haben sie uns für unseren letzten Abend hier zum Braai eingeladen, die afrikanische Version von einem Grillabend. Egal ob Township oder Villa, wer hier ein bisschen freie Zeit hat, der schmeißt den Grill an und lädt Freunde ein. Wie in Deutschland halt, mit dem kleinen Unterschied dass man hier morgens nur mal kurz zum Markt fahren muss, um erstklassigen Fisch frisch aus dem Meer zu besorgen. Also sind wir Morgens losgegondelt, um nach Deons Anweisung „Stumpnose“, Thunfisch und Kabeljau zu besorgen, ihn mit Kühlpacks in unserem schon halb abgetauten Kühlschrank zu verstauen und als wir vom Konzert zurückkommen, ist der Grill schon an und das Obergeschoss für ein wundervolles Candle Light Dinner (mangels Strom) vorbereitet. Das Haus ist oben übrigens genauso schön wie unten, ich würde es sofort, so wie es ist, den beiden abkaufen. Ich fürchte nur, sie wollen es behalten. Der Puck meint, wir können ja trotzdem mal fragen.

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

Candle Light Braai.

Tag 6: Abfahrt nach George

Heute ist schon Abreise aus Hout Bay/ Cape Town und ich muss mich tierisch zusammenreißen, um nicht jetzt schon nostalgisch zu werden. Es ist einfach so paradiesisch hier und wir hätten nicht schöner von Südafrika empfangen werden können. Wahrscheinlich hätten wir auch die gesamten drei Wochen hier verbringen können, ohne uns zu langweilen. Zum Abschied gibt’s noch ein Foto mit meinem Ausblick aus der Badewanne(!!) und dann geht’s gleich ab ins Auto. 5 Stunden Fahrt nach George liegen vor uns, ins „Isibindi Forest Retreat“, wo es Pferde und Zebras gibt dafür allerdings, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, kein WLan. Ist aber vielleicht auch ganz gut, ich muss mir meine Online Zeit ziemlich aus den Rippen schneiden. Meistens verstecke ich mich im Badezimmer. Urlaub mit Kleinkind halt.

Cape Town - Kapstadt mit Kleinkind (Garden Route Part I)

Road Triiiiip. Man denke bitte daran, sich rechtzeitig alle nötigen Playlists herunterzuladen. Wir konnten nach fünf Stunden alle das Album “Die Freiheit” von Dota Kehr auswendig. Ist aber auch schön!