Enyd Blyton, Heldin meiner Kindheit. Unter den über 750 Büchern, die die Dame Zeit ihres Lebens geschrieben hat, waren auch zwei meiner absoluten Lieblingsreihen: Hanni und Nanni und die Dolly-Bücher. Mädchengeschichten im Internat, kleine Streiche, große Lektionen, Friede, Freude, Eierkuchen. Schön war das.

Ein paar dieser Bücher hatte ich vor einiger Zeit nochmal gelesen und musste feststellen, dass sie mir irgendwie kürzer und oberflächlicher vorkamen als damals. Trotzdem habe ich mich sehr gefreut, auf der 100 Bücher-Liste ein Enid Blyton Buch zu entdecken: The Magic Faraway Tree. Kunterbuntes Cover mit großer Schrift auf nur 200 Seiten. “Das les ich dann mal, wenn ich ein Lese-Tief habe und die Challenge schnell wieder aufholen muss!” dachte ich mir damals. Pustekuchen! MONATE hab ich gebraucht, um das kleine Büchlein zu lesen. Auch wenn mir das Cover jedesmal beim Anschauen gute Laune macht, verfrachtet mich die Geschichte, sobald ich auch nur eine Seite lese, zuverlässig in den Tiefschlaf.
ICH BIN ZU ALT! Hilfe!
Zur Story:
 
Bei dem Buch handelt es sich (was ich nicht wusste und grad erst bei Wikipedia erfahren habe) um den zweiten Teil einer Trilogie, in der drei Kinder einen magischen Riesenbaum in einem verzauberten Wald entdecken. In diesem Baum leben viele wunderliche Gestalten mit denen sich die Kinder anfreunden. Doch das wirklich erstaunliche an dem Baum ist seine Spitze: Erklimmt man diese, findet man sich in einem fremden Land wieder und zwar jedes mal in einem anderen, denn die Länder verschwinden nach einiger Zeit um Platz für neue Länder zu machen.
Die Kinder müssen enorm aufpassen, dass sie nicht in einem Land steckenbleiben, denn in diesem Fall kommen sie erst wieder zurück zum Baum, wenn das jeweilige Land wieder an der Reihe  ist. Und das könnte wirklich unangenehme Folgen haben, denn manche der Länder sind gar nicht lustig; zum Beispiel das “The Land of Tempers”. Wer hier seine gute Laune verliert, bleibt ewig in diesem Land gefangen. Es gibt aber auch Länder, von denen jedes Kind träumt, zum Beispiel “The Land of Goodies” in dem es lauter Süßigkeiten zum Mitnehmen gibt. Im zweiten Band ist die Geschichte – so weit ich das ohne den ersten Band gelesen zu haben, beurteilen kann – die gleiche, nur dass die drei Kinder jetzt ihren Cousin Rick mit auf den Baum nehmen.
Funny Fact:
 
Das Buch ist von 1943. Die vier Kinder heißen im Original Jo, Bessie, Fanny und Dick. Die ersten Beiden wurden, wahrscheinlich aus Hipstergründen, in Joe und Beth umgenannt. Und Fanny und Dick? An dieser Stelle dürft  ihr euch, unabhängig vom Alter, ein unreifes kleines Kichern gestatten. Denn aufgrund der Tatsache, dass beide Namen im Englischen mittlerweile als umgangssprachliche Synonyme gewisser Geschlechtsteile benutzt werden, heißen die armen Kinder nun Frannie und Rick.
Meine Meinung:
Och joa. Also als Kind hätte ich das Szenario vermutlich heiß und innig geliebt! Mit viel Fantasie beschreibt Enid Blyton hier diverse Kindertraum-Länder. Es gibt zum Beispiel das Land der Geschenke, in dem sich einfach nach Herzenslust bedient werden darf und die Kinder sowohl für sich als auch für ihre Elten etwas mitnehmen dürfen. Oder das Geburtstagsland, in dem Beth den besten Geburtstag ihres Lebens feiert. Andererseits gibt es auch ziemlich verrückte Länder, so wie das Topsy-Turvy Land, wo alles auf dem Kopf steht und ein fieser Polizeimann Joe verhext, damit er auch auf dem Kopf stehen muss.
Für die heutige Mila war das Ganze aber doch etwas sehr kindlich und oberflächlich, vor allem auch weil man die Charaktere überhaupt nicht kennenlernt und  die Länder halt dauernd… naja… wechseln. Kurzum: die heutige Mila ist für dieses Buch zu alt!
Man beachte bitte, dass ich mich stur weigere, auch nur in Betracht zu ziehen, dass es vielleicht am Buch liegt. Ist ja schließlich Enid Blyton! Und ziemlich sicher würde jedes Kind zwischen sechs und – ähm – sieben (?) das Buch lieben! Ich hab hier leider grad so wenig Siebenjährige vorrätig, an denen ich diese Theorie testen könnte. Falls ihr einen oder mehrere von der Sorte zufällig im Haus habt, probiert es doch mal aus. Sollte ich mich tatsächlich irren und es liegt nicht an meinem Alter, sondern wirklich am Buch: das tolle Cover macht sich auch ungelesen ganz hervorragend im Bücherregal.
Nun aber zur Frage in der Überschrift: Was tun, wenn man für ein Buch einfach zu alt ist?
Na, das einzig vernünftige: Benehmt euch wie anständige Erwachsene und malt die Bilder aus! 
Man bediene sich hierzu, auf Rat der Künstlerin, am Besten eines Vierfarbenstiftes. Erwachsener geht’s nicht.

 

Edit: Na aber Hallo, da hab ich mit meiner Einschätzung gar nicht so falsch gelegen!

Nachdem ich diesen Post veröffentlicht habe, hab ich noch ein bisschen bei Wikipedia rumgelesen und herausgefunden, dass Enid Blyton eine ziemlich umstrittene Person war. Nicht nur, dass sie ihren Mann mehrfach betrogen und ihm hinterher verboten hat, seine Kinder zu sehen – besagte Kinder haben später ihre Mutter als arrogante und versnobte Person ohne mütterlichen Instinkt beschrieben. Außerdem waren Blytons Bücher in vielen Büchereien und bei der BBC jahrelang einem Bann ausgesetzt, weil sie nicht nur als mittelmäßige Literatur empfunden wurden, sondern oft auch als rassistisch, sexistisch und veraltet. Da hatte ich jetzt wirklich nicht mit gerechnet. Besonders geschockt war ich allerdings davon, dass die Hanni und Nanni Bücher (die im Englischen übrigens “St. Clare`s” heißen und das Leben der Zwillinge Patricia und Isabell Sullivan beschreiben!) im Nachhinein auch noch abgeändert wurden. In früheren Versionen wurden die Mädchen in der Schule nämlich noch geschlagen. Lest euch mal den Wikipedia-Artikel durch, der ist ziemlich spannend.