Hallo Ihr Lieben, ich bin zur Zeit im Urlaub, deshalb verzeiht mir, dass es hier gerade sehr ruhig zugeht. Mein April-Buch fuer die “Buecher die man gelesen haben muss- Challenge” hake ich aber trotzdem noch ab. Nach der Pleite mit dem zweiten Teil der Divergent Trilogie habe ich mich zu einem Re-Read von Aldous Huxleys schöner neuer Welt entschlossen. Das Buch habe ich schon vor über zehn Jahren zum ersten Mal gelesen, daher kannte ich die Geschichte also schon. Trotzdem entdecke ich jedes Mal etwas Neues in ihr.

Zur Story:
Die „schöne neue Welt“ liegt einige hundert Jahre in der Zukunft. In der deutschen Übersetzung spielt die Geschichte in Berlin, was mir jetzt, wo ich die Stadt kenne, zum ersten Mal so richtig aufgefallen ist. Es gibt in ihr keine Krankheiten, keine Angst und keine unglücklichen Menschen. Statt paarweiser Fortpflanzung durch „Eltern“ (Ein Wort, das jedem guterzogenen Bewohner dieser Gesellschaft die Schamesröte ins Gesicht treibt!) werden die Menschen im Labor gezüchtet. Die Gesellschaftsordnung basiert auf einem strengen Kastenprinzip, in dem jeder Mensch nur ganz genau das tun kann, wozu er gezüchtet wurde. Dafür sorgt ein perfekt organisiertes Konditionierungssystem, welches die Menschen schon ab Kleinkindalter darauf konditioniert, nur das zu mögen, was sie später sowieso einmal tun sollen.
So werden den Kindern der Delta-Schicht, die dazu bestimmt sind, später einmal unter Tage zu arbeiten, zum Beispiel mit Elektroschockern versehene Bücher und Blumen präsentiert. Haben sie beim Anfassen dieser Dinge erst einmal oft genug einen tüchtigen elektrischen Schlag bekommen, werden sie sich hüten, im Erwachsenenalter in die Nähe von Büchern oder raus in die Natur zu gehen. Stattdessen lieben sie dunkle Orte und eintönige Arbeit – schließlich wurden ihnen diese Dinge in der Kindheit mit viel Musik und Schokoladeneis schmackhaft gemacht. Und übrigens ist ihr Gehirn sowieso nicht darauf ausgerichtet, komplizierte Arbeit zu verrichten, da ihrer Nahrung schon vor der Geburt Alkohol hinzugefügt wurde, um die Denkfähigkeit angemessen niedrig zu halten. So sind denn alle Menschen glücklich und zufrieden mit ihrem Leben, hüten sich vor eigenständigem Denken, Einsamkeit und engen Bindungen, denn schließlich „ist jeder seines nächsten Eigentum“. Die Liebe existiert nicht mehr, sie macht nur Probleme. Sollte es doch mal vorkommen, dass jemand, trotz Leidenschaftsersatztherapie und Sexualhormonkaugummi, unerklärlicherweise nicht vollkommen glücklich ist, ist immer Soma zur Hand – der Glücklichmacher in Tablettenform, der sorgfältig in der Bevölkerung verteilt wird.
 
Meine Meinung:
Huxleys Geschichte ist sehr, sehr intelligent. Im Gegensatz zu vielen  anderen Dystopien erschreckt sie nicht durch ihre Brutalität, sondern durch die Nachvollziehbarkeit ihrer Grundsätze und die Machbarkeit ihrer Durchsetzung. Huxley verknüpft sehr geschickt wissenschaftliche Erkenntnisse mit menschlichen Wünschen nach Frieden, Gemeinsamkeit und dem Glücklichsein. Manche der in dem Buch beschriebenen Elemente erscheinen heute überhaupt nicht mehr Sciene Fiction mäßig – die Züchtung von Menschen in Reagenzgläsern zum Beispiel. Huxley selbst schreibt dazu „Damals habe ich meine Geschichte 600 Jahre in die Zukunft verlegt – heute scheint es nicht mehr so unwahrscheinlich, dass uns dieser Schrecken binnen eines einzigen Jahres ereilt.“
Als Leser ist man ein wenig ratlos: Ist an dieser neuen Gesellschaft wirklich alles schlecht? Schließlich gibt es ja keine Kriege mehr, keine Krankheiten, alle sind glücklich. Es gibt  zwar auch keine Liebe mehr, keine Philosophie und keinen freien Willen – aber wenn der Mensch diese Dinge sowieso nicht vermisst, ist das dann so schlimm? Jetzt könnte ich hier natürlich eine seitenlange Abhandlung über das Recht auf freien Willen und seine Konsequenzen schreiben – aber Huxley bewirkt mit seiner Geschichte, dass man nicht umhin kommt, sich seine eigenen Gedanken zu diesem Thema zu machen. Deshalb überlasse ich euch an dieser Stelle euren eigenen philosophischen Erkenntnissen und sage nur:

Ran Da! Lesen!