Während ich fleissig Erdmännchen gebacken, Kugeln angemalt und Weihnachtsgeschenke verpackt habe, ist es mir tatsächlich gelungen, noch einen Titel von der Liste abzuhaken. Man klopfe mir auf die Schulter! So bin ich nun insgesamt bei 37 gelesenen Titeln angekommen, was zwar nicht atemberaubend viel ist, aber zumindest schonmal ein Fortschritt. Und mit der “Bücher die man gelesen haben muss”-Challenge werden 2013 nochmal mindestens 12 dazukommen – Mühsam nährt sich das Eichhörnchen.


Also meine Freunde, ich werde euch jetzt mal kurz eine Geschichte vorstellen, die wir eigentlich alle kennen sollten, die aber erstaunlich wenige Menschen tatsächlich gelesen haben (einer kurzen und nicht besonders repräsentativen Umfrage in meinem engeren Freundeskreis nach). Ich habe mal wieder das grandiose Librivox Projekt ausgekostet, von dem ich hier schon berichtet habe und mir “A Christmas Charol” in der Audioversion angehört. (Und wieder sooo schön gelesen! Ich bin ein absoluter Librivox Fan!) Seit Jahren hatte ich mir schon vorgenommen, mir die Weihnachtsgeschichte von Dickens in der ursprünglichen Form zu Gemüte zu führen, da ich sie bis Dato nur in der Muppits-Version kannte. Jaja, Schande über mein Haupt. So waren mir aber zumindest die verschiedenen auftretenden Geister schonmal ein Begriff, vor denen ich als Kind eine Heidenangst hatte! 

Für alle gaaaanz großen Banausen – Ich kann ja jetzt große Töne spucken, ne?! – hier kurz einmal die Story:
Der alte, griesgrämige Geizhals Ebenezer Scrooge, der Weihnachten für Humbug hält und sich alle Mühe gibt, den Menschen in seiner Umgebung das Fest möglichst zu versauen, kriegt Besuch vom Geist seines verstorbenen Geschäftspartners Jacob Marley. Der Geist ist an eine schwere Eisenkette gefesselt, die er sich zu Lebzeiten aus seiner Hartherzigkeit und Gier selbst geschmiedet hat. 

“I wear the chain I forged in life….I made it link by link, and yard by yard; I girded it on of my own free will, and of my own free will I wore it.”


Der Gruselonkel (der war wirklich MEGAgruselig! Und ich war doch schon so ein schreckhaftes Kind!) schickt nun nacheinander seine drei Kumpels vorbei, die Scrooge beibringen, dass ihn das gleiche Schicksal wie Jacob Marley treffen wird, wenn er nicht rechtzeitig seine Ketten abstreift. Es handelt sich um den Geist der vergangen Weihnacht, der gegenwärtigen Weihnacht und der zukünftigen Weihnacht und auch wenn Scrooge sich die Existenz des Geistes am Anfang nicht wirklich eingestehen will und sie auf seinen überfüllten Verdauungstrakt schiebt, (“You may be an undigested bit of beef, a blot of mustard, a crumb of cheese, a fragment of underdone potato. There’s more of gravy than of grave about you, whatever you are!”) erteilen ihm die Geister letztendlich eine gehörige Lektion in Sachen Hartherzigkeit. 

“There are some upon this earth of yours,’ returned the Spirit, ‘who lay claim to know us, and who do their deeds of passion, pride, ill-will, hatred, envy, bigotry, and selfishness in our name; who are as strange to us and all our kith and kin, as if they had never lived. Remember that, and charge their doings on themselves, not us.” 


Meine Meinung:
Was dann folgt ist eine von Charles Dickens derartig rührende, zauberhafte und mit dem unverwechselbaren Dicken’schen Humor versehene Reise durch alle Zeiten, dass es eigentlich schade ist, dass die Geschichte so schnell vorbei ist! Schon bei Große Erwartungen und Oliver Twist bin ich in Ehrfurcht verfallen vor der scharfen Beobachtungsgabe und satirischen Begabung des großen Mannes, der auch 140 Jahre nach seinem Tod noch in aller Munde ist. Wie eigentlich alle seiner Werke ist auch diese Geschichte eine literarisch unannachahmlich verpackte Gesellschaftskritik. Aber im Gegensatz zu den anderen beiden Büchern, die mich irgendwie ein bisschen bedröppelt zurückgelassen haben, ist Ebenezer Scrooge einfach am Ende so zum Knuddeln, dass man nur gute Laune kriegen kann. Meine Lieblingsstelle ist die, als er auf der Weihnachtsfeier seines Neffen so begeistert in die Spiele mit einsteigt, dass er vergisst, dass die anderen ihn ja eigentlich gar nicht sehen können. Als er dann den Geist anbettelt, noch ein bisschen bleiben zu dürfen, weil es doch grad so lustig ist, hat mein Librivox-Leser seine Stimme so drollig verstellt, dass ich nur noch so dahingeschmolzen bin!

Sollte man auf jeden Fall gelesen haben! Gerade zu Weihnachten eine gute Erinnerung daran, dass alles Geld der Welt eigentlich überhaupt nichts Wert ist, wenn man es nicht mit Liebe einsetzt.

“For it is good to be children sometimes, and never better than at Christmas, when its mighty Founder was a child Himself.”