Wie mir nach meinen ersten Erfahrungen von hier schon einige von euch mitgeteilt haben, ist es keine gute Idee den Herr der Ringe als Hörbuch zu beginnen, zumindest nicht beim ersten mal. Dann kann man nämlich nichts überblättern und es könnte passieren, dass man, so wie ich, irgendwann einfach abschaltet. Zwischenzeitlich hat sich das Hörbuch für mich aber als Glücksfall erwiesen. Denn beim Buch hätte ich wohl einfach irgendwann angefangen die Lieder und Gedichte zu überblättern. Da sie mir nun aber vorgetragen wurden, habe ich doch immer mit halbem Ohr hingehört, vor allem wenn sie ausnahmsweise einmal nicht gesungen, sondern als Gedicht gelesen wurden. Ich liebe Gedichte.
Ganz besonders welche von Aragorn (Ahäm!)
 
Erstmal vorweg: Ich habe letztendlich nichts übersprungen. Was sehr schlau war, denn ich wäre wirklich traurig gewesen, die erste Begegnung mit Strider im Prancing Pony zu verpassen. Die komplette Szene war ja im Film sehr nahe am Buch gehalten, aber ein paar Kleinigkeiten werden einfach klarer im Buch. Und ganz zauberhaft finde ich die Geschichte um das kranke, kleine Pony, das die Hobbits aus Bree mitnehmen und das erst auf dem Weg so richtig aufblüht. Die Begegnung auf der Wetterspitze wird auch viel klarer, warum Frodo die Schatten sieht, warum es ihm so schlecht geht, etc.
In der Nacht vor diesem Drama gibt es allerdings eine Szene, in der Aragorn ein Gedicht vorträgt. Eigentlich ist es “a song in the mode that is called ann-thennath among the elves, but it is hard to render in our common speach, and this is but a rough echo of it”: Es handelt sich um die Erzählung von Lúthien Tinúviel. Der erste Vers klingt folgendermaßen:
 
“The leaves were long, the grass was green,

 

The hemlock-umbels tall and fair,

 

And in the glade a light was seen

 

Of stars in shadow shimmering.

 

Tinuviel was dancing there

 

To music of a pipe unseen,

 

And light of stars was in her hair,

 

And in her raiment glimmering.”
 
Uuuund es war wieder um mich geschehen! Schon als ich “Die Gefährten” zum allerersten Mal gesehen habe, bin ich den Elben hoffnungslos verfallen. Ich hab alle Szenen, in denen auch nur ein Fitzelchen elbisch gesprochen wird ungefähr 200 mal gesehen und die folgende Szene – leider in schlechter Qualität – ist eine meiner Lieblingsszenen aus allen drei Teilen (dazu gleich mehr)

 

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Auch wenn ich nicht ganz so Elben-besessen war wie einige meiner Freunde, die tatsächlich damals elbisch gelernt haben – regelmäßig wesentlich motivierter als französisch oder Latein! – finde ich “The tale of Tinúviel” so schön, dass es sich allein dafür schon gelohnt hat, die Reise abzuwarten. 
 
Bei der Flussszene war ich übrigens ziemlich irritiert. Arwens Fluss-Zauber, der mich immer so fasziniert hat, den ich AUSWENDIG konnte und der übrigens abgetippt ungefähr folgendermaßen aussieht:
“Nîn o Chithaeglir 
lasto beth daer;
Rimmo nîn Bruinen 

 

dan in Ulaer!” 

 

 
bzw. so:
Arwens Flusszauber, Bild via
EXISTIERT im Buch überhaupt nicht!!! Nicht nur das: Arwen kommt in der Szene überhaupt nicht vor. Das hat mich ja ehrlich gesagt ganz schön traurig gemacht. Fast so, als wäre mein Lieblingsbuch falsch verfilmt worden. Hier ist es zwar umgekehrt, aber das Gefühl ist das Gleiche. Allerdings bin ich durch die Originalszene einigermaßen entschädigt worden, denn auch die hat es in sich. Kurz bevor der Fluss sich nämlich in pferdförmige Wassermassen verwandelt – das hab ich nicht verstanden, wo kam das her? – und die Reiter wegreißt, steht Frodo Ihnen auf der anderen Flussseite gegenüber. Ganz alleine und halbtot. Und durch den Ring dazu angespornt sich zu ergeben.

Aber Frodo, dieser schwache, völlig ausgezerrte kleine Hobbit, fast tot vor Angst, SETZT SICH IN SEINEM SATTEL AUF UND ZIEHT SEIN SCHWERT! Er ganz alleine. Wie konnten sie das aus dem Film streichen, das ist so wichtig!

“Go back!” he cried. “Go back to the Land of Mordor and follow me no more!” His voice sounded thin and shrill in his own ears. …His enemies laughed at him with a harsh and chilling laughter. “Come back! Come back!” they called. “To Mordor we will take you!” 

“The Ring! The Ring!” they cried with deadly voices; and immediately their leader urged his horse forward into the water, followed closely by two others… 

“By Elbereth and Luthien the Fair,” said Frodo with a last effort, lifting his sword. “You shall have neither the Ring, nor me!” 
 
Ich bin jetzt übrigens mit dem ersten Buch durch und wesentlich begeisterter als bei meinem letzten Eintrag. Der Tolkiensche Zauber hat mich immer noch fest in seinen Fängen – auch wenn ich zwischendurch kurz “Divergent” durchgelesen habe, Rezension folgt – und ich habe jetzt schon sehr viel mehr Respekt vor Frodo, als jemals im Film. Vielen Dank für eure Tips, gut dass ich den ersten teil nicht übersprungen habe!