Es geht schnurstracks auf meine erste Klausurenphase zu. Die Uni hält auch absolut nicht mit Arbeit an sich. Deshalb habe ich diese Woche größtenteils Lehrbücher gelesen, statt meine Liste zu verfolgen: immer wenn ich Zeit hatte, bin ich zu meinem Stephen King Stand zurückgekommen, bei dem ich allerdings ziemlich deutlich merke, dass ich aus Versehen die extended Version bestellt habe. 1100 Seiten hat der Schinken, 500 Seiten mehr als die normale Ausgabe. Und fairerweise hat es nun mal ja meistens einen Grund, wenn Seiten nicht in einem Buch auftauchen. Mister King hat sich aber dazu entschieden,  lieber die erste Ausgabe als „unvollständig“ zu bezeichnen und mir zu meinem hervorragenden Kauf zu gratulieren. (Im Vorwort.) Die Seiten, von denen ich schätze, dass sie auch in der normalen Ausgabe enthalten sind, haben es allerdings in sich und ich lese das Buch nun mittlerweile nicht mehr vorm Einschlafen. Ich sollte dazu vielleicht auch noch erwähnen, dass mein Zimmer im Parterre, also halb im Keller liegt. Ich bin echt ganz froh, dass hier noch fünf andere Leute mit mir wohnen.
 
Meine Mitbewohner, die auch alle gerade im Master – allerdings verschiedene Programme – studieren, werden auch mit Arbeit nicht verschont und es ist etwas ruhiger geworden. (Es gibt nun nur noch ein paar Mal die Woche Party, statt jeden Tag.) Aber um uns alle ein bisschen zu entstressen, hatten wir uns für heute entschlossen, einen WG-Sonntags Brunch zu veranstalten, mit unserer amerikanisch-Kolumbianischen WG-Ältesten als Köchin. Es gab Apfel-Zimt-Pfannkuchen mit selbstgemachtem Karamell, Schokoladensoße und Schlagsahne!!! Ich habe 5 gegessen. Punkt.         
 Da ja nun die ganze WG-Familie zusammen war, kam das Thema, wie das so ist, natürlich auch auf all die kleinen Problemchen und Mimöschen, die das Zusammenleben nun mal so mit sich bringt. Jeder, der jemals in einer Studenten-WG gewohnt hat, weiß wovon ich rede. Nach einigem Drumherum wurde dann mal wieder ein Putzplan erstellt. Was ja eindeutig ´ne super Sache ist, wenn es denn klappt –meine langjährige WG Erfahrung ist da noch ein bisschen misstrauisch.
 
Nachdem das nun also geklärt war, gab es eine kleine Team-Building Maßnahme. Wie gesagt- alles Master Studenten. Da gibt es natürlich auch eine Menge Management Erfahrung. Zuerst hat mich die Idee, Komplimente an die anderen auf Zettelchen zu schreiben und laut vorzulesen, ja ein kleines bisschen an Hippie Kommune denken lassen, aber es war dann tatsächlich ziemlich witzig. Ich kann mich nun freuen, dass ich gut kochen kann und einen „fantastic sense of humor“ habe, während meine esthnisch-amerikanische Mitbewohnerin einen „great body and a wonderful smile“ hat. Und der einzige Mann in der WG hat seine Komplimente auch mit Fassung getragen „Versucht wie ein Macho rüberzukommen, aber ist eigentlich ein kleines Schnuckelchen.“ Sogar ein bisschen rot geworden ist er. Kugelrund und pappsatt haben wir es mit letzter Kraft geschafft, zusammen die Küche zu putzen. Mal schauen, wie lange sie sauber bleibt. Und unsere Küche verfügt nun über eine Pinnwand voller Komplimente. 
 
Ganz genau meine Freunde, dass da hinten ist eine  -fast volle- Flasche echter mexikanischer Tequila!
Mein Wort zum Sonntag:
  •    Stephen King ist im Dunkeln viel spannender, aber nur wenn man nicht mehr vorhat noch zu schlafen.
  •  Es ist egal, aus wie vielen verschiedenen Kulturen sich eine WG zusammensetzt: Die Anzahl an dreckigenTellern, die „niemand benutzt hat“, bleibt gleich. 
  •    Jeder freut sich über Komplimente, und Amerikanerinnen sogar über schnulzige.
  •   Die Kombination aus Schokolade, Karamell, Zimt und Sahne schmeckt genauso pervers, wie sie sich anhört.
 

 

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