Kann denn eine Zweijährige auf einem Kamel in die Wüste reiten?

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Kann denn eine Zweijährige auf einem Kamel in die Wüste reiten?

Das war die erste Frage, die ich unserer Reiseagentur vor der Buchung gestellt habe. “Ja, das sollte kein Problem sein”. Zwei Kamelritte und eine Wüstennacht später , I BEG TO DIFFER. Also ich bin ja auch tendenziell vom optimistischen, eher sorglosen Schlag, aber die Aussage KEIN Problem halte ich für etwas irreführend. Falls ihr also auch überlegt, euch mit eurem Baby oder Kleinkind eine Wüstennacht zu gönnen, würde ich euch ans Herz legen, folgende Dinge zu beachten:

1. Ein Kleinkind kann auf keinen Fall selbst mit auf dem Sattel sitzen.

In meinem Kopf hatte ich vorher romantische Bilder davon, wie der Puck vorne zwischen meinen Beinen sitzt und wir zusammen durch die Wüste reiten, während wir uns gemeinsam am Sattel festhalten. Keine Chance. Kamele (bzw. Dromedare, warum vergesse ich immer, dass es Dromedare waren?!) also Dromedare schwanken ziemlich stark. Nicht nur beim Aufstehen, sondern auch auf dem ganzen Ritt. Ich selbst musste mich teilweise beim Dünen runterlaufen so stark an dem Metallbügel festhalten, dass ich hinterher Abdrücke meiner Fingernägel am Daumenbett hatte. (Tipp für die Damen: Fingernägel vorher ganz kurz feilen oder Handschuhe an!). Ein Kind geht da leicht über Bord und von so einem hohen Tier möchte man echt nicht runterfallen, vor allem nicht wenn man selbst kaum einen Meter hoch ist!

Reisen mit Kind: Sahara, Erg Chebbi - Kamelreiten in der Wüste

2. Ihr braucht also unbedingt eine Trage

Wir hatten den Puck schon vorher in der Kraxe geparkt, weil sie dort sowieso den halben Urlaub verbracht hat und wir uns schon überlegt hatten, dass sie wahrscheinlich nicht selber reiten kann. Das hat uns aber vorher weder der Guide noch die Reiseagentur gesagt und nun könnte man sagen, naja, gesunder Menschenverstand, aber habt ihr schonmal auf einem Dromedar gesessen? Falls nicht kommt man da auch vielleicht nicht unbedingt drauf. Mit der Kraxe ging es dann aber super, da drin war sie angeschnallt, windgeschützt, hatte direkt auf Wunsch was zu trinken, denn Papa hatte ihr vorher den Trinkschlauch gefüllt und aufgemacht und sie musste sich nur noch darum kümmern ihren Elefanti festzuhalten und den Schnulli nicht zu verlieren. Mit Ausnahme des letzten Punktes hat alles gut geklappt. (Aber wir sind weise und vorausschauend und hatten die halbe Tasche voller Ersatzschnullis.) Auch für den Träger der Kraxe (in diesem Fall Papa) war es okay, allerdings ist es natürlich ein bisschen schwerer mit 20 Kilo Extragepäck auf dem Rücken zu reiten. Das solltet ihr euch zutrauen. Eine Alternative zur Kraxe ist eventuell eine Manduca, bzw. sonstige Trage auf den Rücken zu schnallen, aber da ist das Kind dann natürlich näher am Tier. Womit wir bei Nummer drei wären:

Sahara - Wüstentrip Kamelreiten mit Kleinkind oder Baby - Was man beachten sollte

3. Dromedare sind ECHT groß

Wir hatten das Kiddo meiner Meinung nach ziemlich gut auf den Trip vorbereitet, haben ihr Bilder gezeigt und Kamele gemalt und immer wieder erzählt das wir “im Urlaub/ nächste Woche/ Übermorgen/ Morgen/ in zehn Minuten AUF EINEM KAMEL REITEN” und sie hat auch ewig davon erzählt und fand das in der Theorie total toll. Als sie die riesigen Tiere dann aber life vor sich hatte war es vorbei mit dem Enthusiasmus und unsere Karawane hat netterweise zehn Minuten Geduld mit uns gehabt, in denen wir das schreiende Kind ganz geduldig mit dem Gedanken vertraut machen konnten, dass sie auf Papas Rücken da nun gleich drauf sitzen wird. Als die beiden erstmal sicher auf dem Dromedar verstaut waren und es in die Wüste abgewackelt ist, verwandelte sich das Jammern aus der Kraxe (ich saß auf dem Dromedar direkt dahinter und konnte es hören) ziemlich schnell in munteres Gejodel und als wir dann am nächsten Tag wieder zurück geritten sind, konnte der Puck es kaum aushalten, bis sie wieder in die Kraxe und “auf den Tamel” durfte. Wir hatten also echt Glück, es kann aber natürlich auch ganz anders laufen.

Sahara - Wüstentrip Kamelreiten mit Kleinkind oder Baby - Was man beachten sollte

4. Seid also darauf vorbereitet, dass ihr das Kind eventuell 1-2 Stunden neben der Karawane hertragen müsst.

Wir hatten vorher gelesen, dass die Karawane sich sehr langsam bewegt, man also auch easy nebenher laufen kann, wenn man zum Beispiel Rückenprobleme hat. Oder ein Kind mit Dromedarpanik. Auch in einem solchen Fall empfehle ich dringend eine Kraxe vor einer anderen Art von Trage, denn schon alleine die Dühnen hochzuwandern ist nicht ganz umanstrengend. Das aber mit einem 13 Kilo schweren Kleinkind in einer Tragevorrichtung zu tun, die nicht auf Wandern ausgelegt ist, stelle ich mir echt anstrengend vor. Und ihr wollt den Trip durch die Wüste schließlich genießen!

Sahara - Wüstentrip Kamelreiten mit Kleinkind oder Baby - Was man beachten sollte

Erg Chebii – Nomadencamp

Sahara - Wüstentrip Kamelreiten mit Kleinkind oder Baby - Was man beachten sollte

… Und drumherum nur Sahara

5. Das Kind schon vorher mit dem Ausflug und der Ausrüstung vertraut machen.

Wie gesagt, wir haben schon früh angefangen, den Puck auf diesen speziellen Teil unseres Urlaubs vorzubereiten und haben ihr viel von Kamelen erzählt. Im Nachhinein wäre es aber auch schlau gewesen, sie darauf vorzubereiten, dass es sehr windig und sandig und sonnig sein kann und sie schon einmal probehalber in einen Turban zu wickeln, so dass sie sich an das Gefühl gewöhnen kann und ihn sich nicht direkt wieder vom Kopf zieht. Welches Kind mag schon Tücher oder Mützen im Gesicht haben. Unser Kind war glücklicherweise von der Ansicht der Dromedare so überwältigt, dass sie den Turban gar nicht beachtet hat. Außerdem hat sie einen Sonnenbrillentick und solange sie ihre neue Sonnenbrille aufsetzen durfte, war eh alles tutti. Aber gute Vorbereitung kann auf keinen Fall schaden, Kinder sind ja immer viel ruhiger wenn sie wissen, was sie erwartet.

Sahara - Wüstentrip Kamelreiten mit Kleinkind oder Baby - Was man beachten sollte

Nomadenkind

6. Dicke Klamotten einpacken

DAS wird euch auch jeder Veranstalter erzählen, aber ich nehme es nochmal vorsichtshalber mit auf. Die Tage in der Wüste können heiss werden, die Nächte dafür umso kälter und in den Winter und Frühlingsmonaten fällt’s auch locker mal unter den Gefrierpunkt. Die Standard-Berberzelte haben nur einen Teppichvorhang, ihr wollt also nicht nachts da liegen und frieren. Packt euch also warme Sachen ein (die Rucksäcke müsst ihr nichtmal tragen, die werden vorne am Sattel befestigt.) Ich hab sowieso auch immer meine Wärmflasche dabei und hätte vermutlich auch irgendwo heisses Wasser bekommen, denn die kochen da ja auch Tee. Aber bei uns war es dann schon gar nicht mehr so kalt Anfang März und zu dritt mit einem Kleinkind im Bett ist es ja eh immer total gemütlich warm.

Reisen mit Kind: Sahara, Erg Chebbi - Kamelreiten in der Wüste

 

Falls euch diese sechs Punkte keinen Stress machen, daaaaann: VIEL SPAß IN DER WÜSTE! You’re in for a treat. Wir hatten dort nämlich das beste Date unseres Lebens.

Sahara - Wüstentrip Kamelreiten mit Kleinkind oder Baby - Was man beachten sollte

Das ist ja alles Sand!!

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Dromedorama

 

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By | 2018-07-02T10:48:07+00:00 April 23rd, 2018|Familie, Marokko, Reise|0 Comments

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