Wie ihr in acht Schritten eure eigene Trauzeremonie schreibt

//Wie ihr in acht Schritten eure eigene Trauzeremonie schreibt

Wie ihr in acht Schritten eure eigene Trauzeremonie schreibt

Nachdem uns die Standesbeamtin bei unserer ersten Feier mit einer nicht abgesprochenen Planänderung eine unwillkommene Überraschung bereitet hat, haben wir uns bei unserem Hoheitsfest mit Freunden dazu entschieden, die Zeremonie selber zu schreiben. Mittlerweile habe ich selbst auch als “Zeremonienmeistern”/freie Rednerin bei der Hochzeit von Freunden fungiert und somit ein bisschen Übung im Schreiben von Trauzeremonien. Falls ihr also überlegt, eure eigene Zeremonie zu schreiben, sind hier meine besten Tips.

1. Überlegt euch, wie viele Bestandteile eure Zeremonie haben soll

Traditionell gibt es eigentlich nur einen Moment, der in keiner Hochzeit fehlen darf und das ist die Absichtsbekundung. Also der Teil, bei dem in kirchlichen Hochzeiten der Pastor fragt “Willst du…” und Mann und Frau antworten mit “Ja ich will”. Chris und ich haben das in unserer Zeremonie ausgelassen (wäre auch irgendwie schräg gewesen, da wir sie selbst gelesen haben) und haben uns stattdessen für folgenden Ablauf entschieden:

1. Einzug der Braut mit musikalischer Begleitung (meine besten Freunde haben zusammen eins meiner Lieblingslieder einstudiert)
2. Fakten über das Brautpaar (Chris und ich haben, immer schön im Wechsel, jeweils 42 Fakten über den anderen vorgelesen. Wer weiß warum es 42 waren kriegt einen Keks. Wir haben das sehr stichwortartig gemacht, wenn ihr Geschichten zu euren Fakten erzählen wollt, solltet ihr vielleicht ein paar weniger nehmen.)
3. Unsere Geschichte (wie wir uns getroffen haben, was seitdem passiert ist und warum wir uns entschieden haben, zu heiraten), in zwei Teilen gelesen, erst er dann ich
4. Zehn Lieblingsmomente unserer Beziehung, jeder fünf, erst er dann ich
5. Liebesbrief an den anderen
6. Eheversprechen (zusammen gelesen)
7. Der Kuss

(8. Gemeinschaftsgelübde)

Ich hab euch hier eine Liste mit eher traditionellen Elementen einer Trauzeremonie zusammengestellt, aber ihr könnt natürlich so ziemlich alles einbinden was euch einfällt; von Eheversprechen in Elbisch bis zum Baden der Braut in Craft Beer. Das ist ja das Schöne an einer selbst geschriebenen Zeremonie.

2. Überlegt euch, wie lang die Zeremonie werden soll.

Unsere Zeremonie hat über eine Stunde gedauert. (Die “Schuld” daran tragen wahrscheinlich hauptsächlich die 42 Fakten…) Da wir wirklich nur mit unseren besten Freunden gefeiert haben und alles draußen im Grünen stattgefunden hat, war die Länge für uns genau richtig. Aus meiner Erfahrung mit anderen Hochzeiten würde ich sagen 25 bis 45 Minuten sind ein guter Zeitrahmen, je nachdem wie viele Bestandteile die Trauung hat und wie viele Leute sprechen. Längere Zeremonien können durch leichtere Elemente aufgelockert werden, zum Beispiel ein Musikstück oder ein Gedicht.

3. Plant die Länge jedes einzelnen Bestandteils

Wenn ihr euch entschieden habt, wie lang die ganze Zeremonie dauern soll, schaut euch eure Liste mit Bestandteilen an. Nun plant ihr die Dauer für jedes einzelne Element. (Dann werdet ihr auch relativ schnell merken, ob eure Struktur so machbar ist. Wär ja doof wenn ihr nach 2 Stunden mitten in der Zeremonie abbrechen müsst, weil eure Gäste schon anfangen vor Hunger umzufallen. Oder ihr seid plötzlich nach zehn Minute mit allem fertig, es gibt aber noch lange keine Häppchen…)
Wenn ich das mit Pärchen mache, schreibe ich die Anzahl der geplanten Minuten neben jeden Bestandteil (z.B. Vorlesen der Liebesbriefe: 4 Minuten, Schwester singt ein Lied: 3 Minuten, usw.) und lasse den Hauptredeteil (den Teil, der das Paar und seine Geschichte beschreibt) bis zum Schluss. Je nachdem wie lang die Summe der anderen Elemente am Ende ist, passe ich dann den Redeteil an. Wenn also die restliche Zeremonie schon 40 Minuten dauert, plane ich für diesen Part weniger Zeit ein. Ein einzelner Redeteil mit Fließtext sollte nicht länger dauern als 10-12 Minuten, danach wird es für die Gäste schwer, noch aufmerksam zuzuhören.

4. Überlegt euch, wer das Reden übernimmt

Bei einer der schönsten Hochzeiten die ich je als Gast besucht habe, hatte das Hochzeitspaar die Zeremonie selbst geschrieben und dann von ihren zwei besten Freunden lesen lassen. Das war, fand ich, ein guter Zwischenweg um nicht als Hochzeitspaar die ganze Zeit selbst reden zu müssen aber die Zeremonie trotzdem sehr persönlich zu halten (im Gegensatz zur Planung durch einen Pastor oder freien Redner). Ich empfehle nur dringend: Falls ihr euch dafür entscheidet eure Freunde zu fragen, solltet ihr ihnen auf jeden Fall eine unkomplizierte Möglichkeit geben, abzulehnen! Das Lesen der Hochzeitszeremonie ist eine riesige Verantwortung und sollte nur von Leuten übernommen werden, denen es nichts ausmacht für längere Zeit im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Wenn euren besten Freunden sowas gar nicht liegt, ihr sie aber gerne in die Zeremonie integrieren wollt, würde ich eher das Lesen eines kurzen Gedichts oder Zitates vorschlagen. Für mehr Ideen, werft einen Blick auf die Liste.

5. Findet heraus, warum genau ihr eigentlich heiraten wollt

Wenn ihr überhaupt keine Ahnung habt wie ihr bloß mit dem Schreiben der Zeremonie anfangen sollt, dann ist dies ein guter Weg um es herauszufinden. Denn die wirklich wichtigen Gründe eignen sich gut, um eure Zeremonie zu strukturieren.

Schnappt euch euren Partner, macht euch einen Tee und überlegt euch zusammen, was es denn nun wirklich ist, dass euch dazu bewogen hat, heiraten zu wollen. Als Chris und ich das gemacht haben, wurde uns schnell klar, dass es uns nicht so sehr um das eigentliche Eheversprechen ging. Wir waren bei unserer Hochzeit schon acht Jahre zusammen, hatten schon ein Baby und uns vor langer Zeit dazu entschieden unser Leben zusammen zu verbringen. Wir hätten keine Ringe gebraucht, um das zu beweisen. Stattdessen war diese Hochzeit für uns einfach so ein schöner Weg, das was wir schon zusammen erschaffen hatten, diese Beziehung, uns und unsere kleine Familie, zu feiern und zu ehren. Die Hochzeit war unsere “Entschuldigung”, um einfach wochenlang ganz ungeniert in Erinnerungen zu schwelgen, alte Fotos anzuschauen und alte Erinnerungen herauszukramen. Da wir beide nicht besonders sentimental sind, nehmen wir uns im “normalen” Leben für sowas kaum Zeit. Der Fokus unserer Zeremonie lag deshalb genau darauf: uns und unseren Freunden unsere Geschichte zu erzählen und dem anderen (einmal ganz genau) zu sagen warum wir ihn (immer noch) so sehr lieben.

Der zweite große Grund für unsere Hochzeit war die Chance, ganz ungestört richtig viel Zeit mit unseren besten Freunden verbringen zu können. Da wir beide international studiert haben (Chris in Holland, Australien und Kanada und ich in Holland und Spanien), sind unsere besten Freunde über die ganze Welt verstreut und eine Hochzeit ist so ziemlich der einzige Anlass, mit dem man sie mal alle zur gleichen Zeit am gleichen Ort zusammenbekommt. Um das so richtig genießen zu können, haben wir erstens die Hochzeit in zwei Teile geteilt und mit unserer Familie schon ein Jahr vorher gefeiert. Zweitens haben wir, anstatt jede Menge Menschen für einen Tag einzuladen, nur unsere allerbesten Freunde eingeladen (wir waren insgesamt 30 Leute) und stattdessen vier Tage lang gefeiert. Und drittens haben wir uns entschieden, unsere Freunde so richtig mit in die Zeremonie einzubinden, sie mussten nämlich auch ein Eheversprechen abgeben:

6. Denkt darüber nach, ein “Gemeinschaftsgelübde” mit aufzunehmen

Mit Freunden auf der ganzen Welt haben wir schon viele sehr verschiedene Hochzeiten erlebt, mit verschiedensten Traditionen dahinter. In Norwegen waren wir zum Beispiel ziemlich überrascht als unser Geschenk (auch das Geld!) direkt von den Brautjungfern geöffnet, auf einer Liste vermerkt und für alle öffentlich auf einem Tisch ausgestellt wurde. Oder in Griechenland, wo der Hochzeitsfotograf so ein wichtiger Teil des Ganzen war, dass er sogar den Pastor mitten in der Trauung unterbrochen hat, weil der im Licht stand. Aber es war auf einer Hochzeit in New York, als wir zum ersten mal ein “Community Vow”, ein Gemeinschaftsgelübde abgelegt haben. Wir hatten uns schon die ganze Zeit über dieses lange blaue Seil gewundert, das sich unter den Stühlen durchschlängelte, als am Ende der Zeremonie, nachdem das Hochzeitspaar sich seine Eheversprechen gegeben hatte, sich der Zeremonienmeister auf einmal zu uns Gästen umdrehte. Und zwar mit der Frage, ob wir bereit wären, das Hochzeitspaar in der Einhaltung ihrer Ehegelübde zu unterstützen, insbesondere falls eine Zeit kommen sollte, in der die beiden Mühe hätten, sich selbst daran zu erinnern. Dann wurden wir alle gebeten, das blaue Seil einmal um unser Handgelenk zu wickeln (so dass nun alle Gäste und das Hochzeitspaar mit diesem Band verbunden waren) und alle zusammen “We Do” zu sagen. Ich hatte so etwas vorher noch nie gesehen und dieses Gemeinschaftsgelübde hat uns von einem Moment auf den anderen auf eine ganz andere Beteiligungsebene verfrachtet. Das war so eine kraftvolle Erfahrung, das Chris und ich uns sofort entschieden haben, sowas auch bei unserer Hochzeit zu machen. (Im Endeffekt ist das ganze dann aber ganz anders gelaufen, als wir geplant hatten, was nochmal speziell genial war. Aber dazu gibt es irgendwann mal einen Extrapost.)

7. Sprecht ab, wer zu welchem Zeitpunkt spricht

Klingt trivial, aber es könnte sein, dass ihr plötzlich während der Zeremonie rausfindet dass es doch gar nicht so klar war, wer jetzt eigentlich welchen Teil übernehmen wollte. Insbesondere wenn ihr als Hochzeitspaar die Zeremonie selbst lest, solltet ihr vorher genau abklären wer wann spricht. Falls es Teile gibt, die ihr gemeinsam (also gleichzeitig) sprechen wollt, könnte es Sinn machen, das vorher einmal zusammen zu üben. Bei unserer Hochzeit haben Chris und ich die Eheversprochen gemeinsam gesprochen, was dem Ganzen einen zeremoniellen Hauch verliehen hat und mir heftige Gänsehaut. (Die bei Game of Thrones wussten schon was sie tun, in diesen ganzen Night’s Watch-Szenen: “Hear my words and bear witness to my vow. Night gathers, and now my watch begins…”)

8. Nehmt euch Zeit zum Schreiben und Überarbeiten

Schreibt eure Zeremonie nicht auf den letzten Drücker. Bei einzelnen Teilen mag das okay sein (ich habe meine Liebeserklärung am Morgen der Hochzeit noch einmal umgeschrieben), aber beginnt mit dem Schreiben und Strukturieren der Zeremonie schon einige Monate vorher. Ihr solltet Zeit haben, die ganze Zeremonie komplett fertig zu schreiben, den Text DANN eine Weile lang ruhen zu lassen und ihn einige Wochen später noch einmal mit Abstand zu lesen. Nehmt euch die Zeit, den Prozess wirklich zu genießen!

 

Photo by Kats Weil on Unsplash

Bonustipp: Wenn euch nichts mehr einfällt, einfach mal zusammen besaufen und Morgen weiterschreiben. Cheers.

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By | 2018-03-19T13:50:51+00:00 Februar 20th, 2018|schreiben|0 Comments

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