Sieben gute Gründe für einen Israel Urlaub mit Kleinkind

///Sieben gute Gründe für einen Israel Urlaub mit Kleinkind

Sieben gute Gründe für einen Israel Urlaub mit Kleinkind

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Jedes Jahr Ende Januar das Gleiche bei uns. Wir müssen ganz dringend und jetzt sofort weg aus Deutschland, raus aus der grauen Suppe und irgendwohin, wo der Frühling schon angekommen ist. Dieses Gefühl kommt auch immer ganz plötzlich, so dass wir dann immer ziemlich Hals über Kopf tagelang Urlaubspiraten.de rauf und runter aktualisieren. Als Chris und ich noch Studenten waren (also so vor 6-10 Jahren. eek.), haben wir dann wirklich ein paar mal bei den Pauschalkrachern zugeschlagen, aber das war irgendwie echt nie so das Wahre. (Mein persönlicher Antifavorit war eine grottenlangweilige Woche Vollpension auf Kos in Griechenland, wo uns am ersten Tag am Steinstrand fast ein Rentnerehepaar verprügelt hatte, denen wir IHRE Liegen “weggenommen hatten” (wir waren an dem Strand nur zu viert, es gab aber Liegen, soweit das Auge reichte…)

In den letzten Jahren haben wir deshalb immer auf Individualreisen gesetzt, bei denen man was vom Land sieht, mit der Kultur in Kontakt kommt, und wenn irgend möglich auch die Leute kennenlernt. Zu zweit haben wir deshalb damals viel Couchsurfing gemacht, aber nach der Geburt unserer Tochter im August 2015 buchen wir jetzt doch meistens ein ganzes Apartment auf Airbnb. Unsere Frühlingsausflüge, die dann traditionell Ende Februar/Anfang März stattfinden, dauern immer 1-2 Wochen und haben als Kriterium vor allem: Sonne, Kultur, Natur und mittlerweile auch: Möglichst kurze Anreise wegen der Kleinen. Letztes Jahr um diese Zeit haben wir uns deshalb für Israel entschieden, was irgendwie vorher nie auf unserem Radar war. Zu der Zeit hatten wir aber gerade einige gute Freunde in Berlin kennengelernt, die uns immer mal wieder von ihrem Heimatland Israel vorgeschwärmt hatten – und so saßen wir dann letztes Jahr am zweiten März im Flieger Richtung Tel Aviv.

Schaf war auch immer mit dabei. Hier zum Beispiel auf einer Wanderung zu den Hexagon Pools, eine ganz irre Steinformation im Yehudia Reservat.

„Da hat doch das Kind nichts davon!“

Die Reise war ein Traum, eine der besten, die wir jemals gemacht haben (und da zähle ich auch diejenigen mit, bei denen wir noch zu zweit waren!). Das Kind hat ganz eindeutig unser Reisegen geerbt und war zwei Wochen lang total tiefenentspannt. Wir hatten uns vorher immer mal wieder Gedanken gemacht (genaugenommen kamen die Gedanken gar nicht von uns sondern von diversen Bekannten), ob solch eine Reise mit einem so kleinen Kind wirklich das Richtige ist, weil „da hat sie nichts von“, „da erinnert sie sich eh nicht dran“, usw. ABER der Puck ist einfach am glücklichsten wenn sie Mama und Papa beide den ganzen Tag um sich rum hat und beide glücklich sind. Mehr braucht es nicht. Und Mama und Papa sind glücklich, wenn sie reisen dürfen (also wir sind auch sonst nicht unglücklich, wir verstehen uns, ne?). Zählt man dann noch die folgenden Punkte dazu, dann geht die Rechnung voll auf. Und damit wären wir dann soweit, voilá:

Sieben gute Gründe für einen Israel Urlaub mit Kleinkind

1. Gute Erreichbarkeit aus Deutschland

Der Flug aus Berlin lag mit ca. 4 Stunden gerade noch so in dem Rahmen, den wir uns mit unserer damals knapp 1,5 jährigen vorstellen konnten. Wir waren schon vorher öfter mit ihr geflogen, aber nie länger als 2 Stunden und hatten bisschen Schiss. Hat aber alles super geklappt, wir waren super zeitig am Flughafen (siehe Punkt zwei) und hatten dann noch ewig Zeit dort rumzuchillen. Die vier Stunden Flug lagen praktischerweise über den Mittagsschlaf, so dass wir sie nur noch 3 Stunden bespaßen mussten. El Al war übrigens eine super Airline für den Flug mit Kind, ich hab vorher noch nie so kinderliebe Stewardessen gesehen! Wir haben sogar einen Extra Platz für den Puck bekommen, obwohl sie ja mit damals unter zwei Jahren noch umsonst geflogen ist und gar keinen Anspruch darauf hatte.

Flug nach Israel mit (Klein)kind

Wir sind mittlerweile immer die letzten, die ins Flugzeug ein – und auch die letzten die wieder aussteigen. Lohnt sich ja eh nicht zu hetzen, wenn der Buggy eh immer als letztes auf dem Rollband ankommt…

2. Man kommt bei der Airline leichter durch die Kontrolle (behaupte ich)

Vor der Kontrolle am Flughafen hatten wir richtig Respekt. Vor allem auch deshalb, weil wir unseren Flug mit El Al gebucht hatten und überall gehört hatten, dass die so super strikt sein sollen. Meine Freundin, eine Französin die seit Jahren mit ihrem israelischen Freund zusammen ein paar Wochen im Jahr dort verbringt, ist vorletztes Jahr mal ausnahmsweise nicht mit ihm zusammen geflogen, sondern hatte Weihnachten hier verbracht und ist ihm dann nachgeflogen. Zack, saß sie zwei Stunden in der Vernehmung. Wir also in tagelanger Kleinarbeit jedes Forum einzeln nach möglichen Fragen und Antworten durchkämmt, damit wir ja nicht verdächtig erscheinen. So waren wir dann also artig 3,5 Stunden vor Abflug am Flughafen und so ziemlich als erste in der Reihe der Sicherheitskontrollen. Und dann? Die haben das kleine Kind angelächelt, ihre fünf Standart Fragen gestellt (“Haben Sie Waffen im Gepäck?” ob da schonmal jemand ja gesagt hat??) und uns durchgewunken. Die einzige kritische Frage kam nach meinem arabischen Vornamen (Jamila) und warum ich so heisse, aber die Antwort (“weil meine Mama den Namen schön fand”) wurde anstandslos so gelten gelassen. Nun bin ich schon mit meinem zweiten Punkt direkt in politisches Terrain geschlittert. Das hatte ich eigentlich vermeiden wollen, lässt es sich bei einem Land wie Israel aber sowieso nicht. Deshalb gleich zu Anfang der Hinweis, dass ein Urlaub im Land uns sehr dabei geholfen hat, die Situation dort objektiver zu beurteilen.

Street Art in Jerusalem

Street Art in Jerusalem. Nicht nur Kinder denken, die könnten in das Bild reinklettern.

3. Das Land lässt sich mit dem Auto in wenigen Stunden komplett durchqueren

Gerade für einen Roadtrip mit Baby oder Kleinkind ist das ideal. Wir sind einmal durch das komplette Land gereist, von Tel Aviv über Haifa und Akko nach oben zum See Genezareth in Tiberias, dann von dort aus komplett wieder runter in die Wüste, zum toten Meer und dann nochmal nach Jerusalem. Jede Teilstrecke lag zwischen 1,5 und 3,5 Stunden, das lässt sich immer super mit dem Mittagsschlaf verbinden. Die Straßen sind top ausgebaut und lassen sich völlig unproblematisch befahren. Ein bisschen Respekt hatten wir vorher vor der Route 90, die zwar vom Norden in den Süden Israels geht, dabei aber durch die Westbank führt. Die Straße ist jedoch komplett unter israelischer Kontrolle, total easy zu fahren und sehr szenisch, kann man also problemlos machen. Vor allem weil wir auch dort bei den Grenzkontrollen als Familie eigentlich sofort weitergewunken wurden.

On our way to the dead sea

Auf dem Weg zum Toten Meer.

4. Das Wetter im Frühling

Obwohl zwischen Jerusalem und Tel Aviv nur eine Stunde Autofahrt liegt, können dort völlig unterschiedliche Temperaturen herrschen. Bei uns waren damals so 7 Grad Unterschied. Beide jedoch waren deuuuuutlich wärmer als Deutschland, so dass wir bei entspannten 15 Grad Anfang März schon echt schön in der Sonne am Strand in Tel Aviv spielen konnten. Im Meer baden ist dann zwar noch nicht drin aber da das in der Nebensaison sowieso verboten ist (weil keine Lifeguards im Dienst sind) war das auch keine Option. Es weht eine ordentlich steife Brise in Tel Aviv, also am besten eine Strandmuschel dabei haben. Jerusalem hat sich dann schon fast sommerlich angefühlt und war mit knapp über 20 Grad einfach perfekt für uns. Bei einem kleinen Trip zum Wadi in der En Gedi Wüste ist uns dann mit 30 Grad doch ordentlich warm geworden. Israel ist ein Wüstenland, um also hier im Sommer herzukommen muss man schon ziemlich abgehärtet sein.

Israel mit Kleinkind, Wüste En Gedi

5. Kindertaugliche Wanderungen durch spektakuläre Natur

Es ist super einfach in Israel Wanderungen mit ca. 2-4 Stunden zu finden, auf denen auch kleinste Kinder schon ihren Spaß haben und auch mal selber laufen können. Eine Tragehilfe sollte man auf Wanderungen natürlich trotzdem immer dabei haben, wenn man das platte Kind dann nicht den halben Weg auf dem Arm schleppen will. (Wir haben damals meist noch die Manduca genutzt und uns mittlerweile eine Kraxe für Wanderungen mit Kind zugelegt). Dadurch, dass die Natur dort so atemberaubend und divers ist, kann man in kurzer Zeit wirklich viele Dinge sehen. Wir haben von Tiberias aus, trotz anfänglicher Vorbehalte, auch die Golanhöhen bewandert (die durch ihre direkte Nähe zu Syrien damals ein bisschen kritisch waren aber dort wo wir gewandert sind völlig unproblematisch).

En Gedi - Israel mit Kleinkind Wadi David

Wasserfall in der Wüste auf der ca. 2 stündigen Wanderung zum Wadi David in En Gedi. Das ist schon irre wenn mitten in der Wüste auf einmal das Wasser sprudelt – und bei 30 Grad auch sehr Willkommen als Zwischenstop.

 

Israel mit Kleinkind - Wanderung durch die Golanhöhen

Ein Blumenfeld auf dem Weg zum Banias Wasserfall in den Golanhöhen. Viel szenischer wird so eine kleine Ruhepause nicht.

Vorsicht: Es gibt leider einen typischen Israel Spaß, der für Kleinkinder überhaupt nicht geeignet ist, und das ist das tote Meer. Durch den hohen Salz- und Mineraliengehalt brennt es wirklich schweinemäßig, wenn man das Wasser (oder auch nur den Sand dort) in die Augen oder irgendwelche offenen Wunden bekommt (frisch rasierte Beine reichen übrigens auch…). Einem kleinen Kind aber klar zu machen, dass es nicht im Wasser und nicht im Sand spielen darf, bzw, sich nicht ins Gesicht fassen darf, war zumindest uns damals zu anstrengend. Wir waren zwar dort (weil wir eh dran vorbei gekommen sind), haben aber jeder nur kurz einen kleinen 20 Minuten „Floating“ Ausflug ins Meer gemacht, während der andere jeweils den Puck spazieren gefahren hat.  War cool, muss man aber nur dafür echt nicht extra hinkommen.

Totes Meer mit Kleinkind - baden nicht empfohlen!

…der Steinweg vorm Strand war das höchste der Gefühle. Das Kind will NATÜRLICH in den Sand und man fühlt sich gerechtfertigterweise wie der letzte  Arsch. Von daher besser einfach gar nicht hinfahren.

6. Die Leute sind kinderlieb aber unaufdringlich

Israel ist ein sehr kinderfreundliches Land, jedes Restaurant hat Hochstühle, jedes Hotel ein Kinderbett, eigentlich überall sind Kinder eine Selbstverständlichkeit und gern gesehen. Das macht das Reisen mit Kleinkind super angenehm, vor allem auch deshalb weil die Menschen zwar unsere Tochter viel angelächelt, sie aber ansonsten nicht weiter bedrängt haben, wenn sie grade kein Interesse am Kontakt hatte.

Hier gucke ich gerade dem Kind dabei zu, wie sie selbstvergessen auf der Straße tanzt, mitten im Trubel Jaffa fleamarkets in Tel Aviv. Die Leute sind reihenweise stehengeblieben um sich über das tanzende Kind zu freuen. Einige wollten auch gern Fotos machen, waren aber nicht böse als ich das abgelehnt habe.

Hier gucke ich gerade dem Kind dabei zu, wie sie selbstvergessen auf der Straße tanzt, mitten im Jaffa fleamarket Trubel in Tel Aviv. Die Leute sind reihenweise stehengeblieben um sich über das tanzende Kind zu freuen. Einige wollten auch gern Fotos machen, waren aber nicht böse als ich das abgelehnt habe.

7. Das ESSEN

Israelis essen gerne. Und gut. Vor allem in Tel Aviv hat sich damit eine fantastische Foodie Szene entwickelt und das Israelische Frühstück gehört nicht umsonst zu den besten der Welt. Das Essen ist dabei meist schön bunt, nicht scharf und super gesund. Ein Wort zum Hummus: Auch wenn das Leben in Israel ansonsten nicht eben günstig ist, kann man zwei Dinge eigentlich überall preiswert bekommen: Falafel und Hummus, letzteres in großen Schalen serviert. Im Gegensatz zu Deutschland ist Hummus hier ein Hauptgericht und dazu werden Pita, sauer eingelegtes Gemüse, Oliven und rohe Zwiebeln gereicht. Während das Kind sich unter unseren hochgezogenen Augenbrauen jedes mal direkt auf die rohen Zwiebeln gestürzt hat, hat es mir nach 4 Tagen (in denen wir alle berühmten Hummusias Tel Avivs abgeklappert hatten) dann echt gereicht und ich bestand für die nächsten drei Tage auf Alternativen. Doch dann ist was komisches passiert… Der Hummusjieper hat mich gepackt und ich brauchte plötzlich ganz unbedingt eine Portion Msabaha (eine Form von Hummus, in der warme Kichererbsen und viel mehr Tahine beigemischt sind). Das hat sich in der restlichen Woche in Israel nicht mehr geändert ABER auch danach in Deutschland nicht mehr. Schwer verzweifelt ob der Pippifaxportionen die einem hier als Aufstrich serviert werden, habe ich mir irgendwann das großartige (!) “Jerusalem”-Kochbuch von Ottolenghi besorgt und seitdem gibt es bei uns eigentlich zu jedem Sonntagsfrühstück eine große Schale Msabaha. Selbst unsere essentechnisch traditioneller orientierte Verwandtschaft fragt mittlerweile danach.

 

 

Frühstück im grandiosen Café Puaa auf dem Jaffa Fleamarket. Oben links das klassische Frühstück mit Schakschuka (zwei Eier in Tomatenpaprikapfanne gegart), dazu immer in Israel ein kleiner bunter Salat. Die Armen Ritter heißen da „Bundasch“ und werden mit Obstsalat, Joghurt, Zimtsirup und Tahine serviert. Das Puaa liegt in der Fußgängermeile mitten im bunten Treiben, was bedeutet dass man nicht nur viel zum Gucken hat, sondern das Kind sich auch mal frei bewegen darf, wenn es mit dem Essen fertig ist.

 

links Hummus, rechts Msabaha. Schön ist anders aber Geschmack unschlagbar. Das Kind hat sich währenddessen an rohen Zwiebeln und Oliven satt gegessen.

So. Ha. Meine Mama wird mich wieder auslachen, weil ich es doch immer wieder schaffe, den größten Teil des Textes vom Essen handeln zu lassen.. Wenn ihr nun aber Lust bekommen habt, nach Israel zu fliegen (mit oder ohne Kinder) dann kann ich euch noch die folgenden beiden Posts empfehlen:

  1. Den genauen Reiseverlauf unseres 14tägigen Israel Roadtrips inkl. Übernachtungspreisen zur groben Orientierung) habe ich auf Englisch aufgeschrieben. (Falls Interesse daran besteht, die Posts auf deutsch zu lesen, bitte Rückmeldung an mich. Ich hatte damals überlegt, dass die Reiseposts eigentlich auf englisch mehr Sinn machen, weil man zum Reisen ja eh meist englisch braucht und ich sie dann auch internationalen Freunden zur Verfügung stellen kann.)
  2. Klarer Höhepunkt der Reise war Jerusalem, deshalb hab ich dazu direkt einen detaillierten 3 Tage Jerusalem Travelguide entworfen (auch auf englisch), in dem unsere Highlights aus fünf Tagen kondensiert und in einen Kleinkinderprobten Zeitplan eingebaut sind.

Die wunderschöne Altstadt von Akko. Unbedingt hier mal durch den Shouk laufen und bei Hummus Said Mittagspause machen.

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By | 2018-02-07T14:54:25+00:00 Februar 5th, 2018|Israel, Reise|1 Comment

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