Hochzeitszeremonie selber schreiben – und jetzt? Ideen für eine freie Trauung

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Hochzeitszeremonie selber schreiben – und jetzt? Ideen für eine freie Trauung

Chris und ich haben zwei mal geheiratet. Einmal nur mit unserer Familie und einmal nur mit unseren Freunden. Die Trauzeremonie bei der zweiten Feier haben wir komplett selber geschrieben und auch selbst gelesen. Für alle, die mit dem Gedanken spielen das auch zu tun, werde ich in den nächsten Wochen eine Reihe Posts verfassen, in denen ich immer mal wieder auf diese Liste verlinke. Deshalb geht dieser Post auch als erstes und ohne viel Hintergrund online.

 

Wir machen es uns einfach – warum wir die Hochzeitszeremonie selber schreiben wollten

Unsere erste Hochzeitsfeier begann mit einer standesamtlichen Zeremonie in meinem Heimatdorf. Die Standesbeamtin hatten wir vorher nie persönlich gesehen und nur ein paar Mal telefoniert. Sie hatte uns vorgeschlagen, ein Lied auszusuchen (“Vielleicht Silbermond? Das nehmen viele Paare.”), um das herum sie dann das Thema ihrer Traurede gestalten wollte. Ich hasse Silbermond und außerdem wussten wir sofort, dass wir unser Lieblingslied wählen würden: “You make it easy” von Air, das wir in unserer Kennenlernzeit oft gehört hatten. Ein wunderschönes Lied mit wunderschönem Text, der übersetzt in etwa bedeutet: “Du machst es einfach, die Welt mit Liebe zu betrachten.”

Nun konnte unsere Standesbeamtin leider kein Englisch. Während der Zeremonie (von der ich mich ansonsten an kein Wort erinnern kann) sagte sie plötzlich: “Ich habe für Sie ein Lied von Silbermond gefunden, dass Ihre Beziehung sehr schön widerspiegelt…” ENTSCHULDIGUNG?? Chris und ich konnten sie nur mauloffen anstarren, aber da wir mit dem Rücken zu den Gästen saßen merkte sonst keiner was und alles ging problemlos und unspektakulär über die Bühne. Sie sagte uns hinterher, dass sie den Text unseres gewählten Liedes “Du machst es dir einfach” irgendwie nicht mit einer liebevollen Rede in Einklang bringen konnte. Das fanden wir Gott sei Dank so saudooflustig, dass wir schon damals drüber lachen konnten (ich muss heute immer noch grinsen), aber wir hatten damit dann auch ohne weitere Diskussion geklärt, dass wir für unsere zweite Hochzeit die Zeremonie selber schreiben.

 

Schamanische Hochzeit? Christlich? Keltisch? Druidisch? Einfach bunt drauflos gemischt.

Chris und ich waren vor unserer eigenen Hochzeit schon auf so vielen Hochzeiten unserer Freunde zu Gast, dass wir uns dachten, eine eigene Zeremonie zu schreiben würde schon nicht so schwer werden. Wir nehmen einfach die Elemente, die uns bei den anderen Hochzeiten am besten gefallen haben und mischen munter drauflos. (Es war dann doch nicht sooo einfach, dazu ein andermal mehr). Ich hab dann zusätzlich auch nochmal das Internet hoch und runter gegoogelt und mir aus verschiedensten Traditionen die für uns schönsten ausgesucht. Ich war mal bei einer schamanischen Taufe und fand das sehr schön, deshalb hab ich auch aus diesem Bereich Dinge mit aufgenommen. Hier ist die Liste die ich mir damals erstellt habe, vielleicht hilft sie euch ja dabei, den für euch passenden Aufbau zu finden. Auf jeden Fall könnt ihr damit schon mal ein paar Ideen sammeln. Ich arbeite aber gerade auch ganz fleißig an einem Leitfaden, der euch dann hoffentlich zeigt, wir ihr in sieben Schritten eure eigene Trauzeremonie schreiben könnt.

Stay tuned.

 

Blumenspirale Hochzeitszeremonie

Auf unserer Hochzeit haben wir die Mädels Morgens losgeschickt um Blumen zu sammeln, während die Jungs Baumstämme herumschleppt haben, um einen Altar zu bauen. Bei der Zeremonie standen Chris und ich in diesem Blumenkreis, den unsere Freunde für uns ausgelegt hatten und über den kleinen Fluss sind blaue Schmetterlinge geflogen. Kein Scheiß, es war wie. im. Märchen.

Mögliche Bestandteile einer freien Trauzeremonie

 

Einleitung: Was kann vor dem Redeteil passieren?

  • Blumenspirale oder Blumenkreis wird gelegt
  • Einzug des Hochzeitspaares (ggf. mit (live-)Musik)
  • Übergabe der Braut
  • Begrüßung der Gäste durch den Zeremonienmeister
  • Briefe oder Videos von Menschen die nicht anwesend sein können
  • Gedächtnismoment an Verstorbene
  • Trauzeugen bringen symbolisch Brot und Wein, die dann nach dem Ja-Wort vom Brautpaar verspeist werden

 

Redeteil

  • Geschichte des Brautpaares
  • Fakten über das Brautpaar (evtl. im Wechsel vorgelesen)
  • Lieblingsmomente aus der Beziehung

 

Zeremonielle Bestandteile zur Wahl

  • Musikstück
  • Lesungen
  • Segenssprüche
  • (kurzer) Vortrag eines Angehörigen
  • Lichtkreis (alle Gäste stellen sich im Kreis um das Brautpaar herum und eine Kerze wird von Hand zu Hand gegeben)
  • Handfasting (durch Zeremonienmeister oder Gäste): Ein keltischer Brauch, bei dem die rechten Hände des Paares mit Leder oder Stoff zusammen gebunden werden
  • Segnung der Ringe durch die Gäste: Die Ringe gehen von Hand zu Hand und jeder Gast sagt (laut oder in Gedanken) einen guten Wunsch
  • “Steine besprechen”: jeder Gast bringt einen Stein mit, dem er in diesem Moment einen guten Wunsch mitgibt. Die Steine werden dann eingesammelt und dem Brautpaar in einem Gefäß mitgegeben

 

Die eigentliche Trauung: Mögliche Trauungselemente

  • Definition dessen, was eine “Hochzeit” für euch bedeutet, evtl. rituelle Worte aus einer bestimmten Tradition
  • Liebeserklärung
  • Eheversprechen (selbst- oder nachgesprochen)
  • Austausch der Amulette: Schamanisches Ritual bei dem die Partner vorher ein Amulett für den jeweils anderen anfertigen, in das gute Wünsche und Segnungen eingearbeitet werden
  • Ringtausch in Verbindung mit Absichtserklärung (“Nimm diesen Ring als Zeichen meiner Liebe”, “Hiermit nehme ich dich zur Frau”…)
  • Kusskuss <3

 

Mögliche Rituale nach dem Ja-Wort

  • gemeinsames Entzünden einer Kerze/ eines Feuers
  • Zeitkapsel verschließen
  • gemeinsames Anstoßen oder Verzehren von Brot und Wein
  • Verstreuen von Blüten, nur das Brautpaar oder zusammen mit allen Gästen
  • Segnung des Brautpaares durch Zeremonienmeister oder durch Gäste
  • Einbinden der Gemeinschaft (“Gemeinschaftsgelübde/ Community Vow”)
  • Brot brechen
  • Bäumchen pflanzen
  • Abschluss der Zeremonie durch Zeremonienmeister

 

Auszug des Brautpaares

 

….und: Party!

Photo by Mitchell Orr on Unsplash

Na dann viel Spaß beim Heiraten. (Photo by Mitchell Orr on Unsplash)

Falls ihr Fragen habt, schreibt sie mir gerne als Kommentar.

 

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By | 2018-03-19T13:51:14+00:00 Februar 14th, 2018|schreiben|4 Comments

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4 Comments

  1. Neyasha Februar 15, 2018 at 7:59 pm - Reply

    Also das finde ich ja ganz schön unverschämt von der Standesbeamtin. Gut, dass ihr darüber lachen konntet!

    Ich habe mal in den Ferien auf dem Stadtamt beim Standesamt gearbeitet. Die meiste Zeit war ich dort im Bereich Sterbeurkunden/Friedhofsverwaltung beschäftigt, aber nach dem Motto „Ach, wenn du Germanistik studierst, kannst du ja sicher schreiben“ musste ich dann auch neue Traureden und Zeremonien schreiben, woran ich fast verzweifelt bin! Schade, dass es da deinen Artikel noch nicht gab – vielleicht hätte da für mich ein paar Anregungen gefunden. 🙂

    • Mila Februar 22, 2018 at 8:23 am - Reply

      Das klingt aber nach nem ziemlich coolen Job eigentlich! 😉 Aber musstest du die Reden denn schreiben ohne das Hochzeitspaar zu kennen??

      • Neyasha Februar 22, 2018 at 8:00 pm - Reply

        Ja, die Reden sollten dann als Grundlage dienen und einzelne Abschnitte wurden bei Bedarf individualisiert. Das hat die Sache nicht grad einfacher gemacht …

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