Wie ich mal über Nacht meine Sehnenscheidenentzündung los wurde

//Wie ich mal über Nacht meine Sehnenscheidenentzündung los wurde

Wie ich mal über Nacht meine Sehnenscheidenentzündung los wurde

So eine persönliche Geschichte habe ich noch nie auf dem Blog geteilt. (Und eine so ewig lange schon gar nicht, aber es ist wichtig dass wir die Hintergründe verstehen). Ich mache das heute, weil ich hoffe, damit einigen von euch helfen zu können. Ungeduldige können direkt zum zweiten Foto vorscrollen.

Aber erstmal werden wir lernen, was eine Lichtschachtabdeckung ist. Und warum ich anscheinend immer an Narzissten gerate.

Im Februar 2011 habe ich in einem Keller gelebt. Ich war gerade aus dem Erasmus Semester in Spanien wieder gekommen, und bin direkt in ein Praktikum in Hamburg gestartet. Da alle meine Möbel bei meiner Oma auf dem Dachboden geparkt waren und ich sie für ein halbes Jahr Praktikum nicht alle nach Hamburg karren wollte, schien mir die Lösung ein möbliertes Zimmer in einer WG zu suchen, ganz vernünftig. Allerdings musste das Ganze übers Internet geschehen und erwies sich als viel schwerer als gedacht. Letztendlich fand ich dann diesen Keller und dazu zu einem ganz vernünftigen Preis. Der Keller war als kleines Appartment ausgebaut, hatte eine eigene Küche und kam voll möbliert, er war also genau das, was ich in dieser Zeit gesucht habe. Er war außerdem (Keller tendieren dazu) unter der Erde. Es war dunkel und kalt und roch muffig und ich weiss nicht, wer sich zufällig an den Winter 2010/2011 in Hamburg erinnert, aber “bitter bitter kalt” trifft es ganz gut. Wenn ich Morgens aufgewacht bin, war mein eines kleines Kippfenster (von dem ich einen Ausblick auf die Lichtschachtabdeckung hatte – von unten) zugefroren.

Mein Fenster war darunter.

Mein Fenster war da drunter.

* Ich habe übrigens ungefähr drei Minuten gebraucht, um den Begriff “Lichtschachtabdeckung” zu ergooglen. Nie gehört. Falls ihr nicht wisst was ich meine: Das ist dieses Gitterding, was man über das Loch vor Kellerfenstern legt, damit keine Blätter reinkommen. Mir fiel nur die Wortkombination „Kellerfenster sollen keine Blätter reinfallen“ für die Suchmaschine ein. Interessant zu sehen, was passiert, wenn man DAS googelt:

“Warum gerate ich immer an Narzissten?”
Verdammt, hätte ich das doch damals gegoogelt, dann wäre mir der Zusammenhang mit der Vermieterin und dem Kellerfensterabdeckungsblättergitterdings vielleicht direkt klar geworden!

Jedenfalls.

Mein Praktikum war super. Ich hatte ein richtig cooles Team und durfte sehr viel Verantwortung übernehmen. Ich verbrachte mehr und mehr Zeit auf der Arbeit. Da war es hell, da gab es Kaffee, da waren nette Leute. “Zuhause” (in meinem Keller) war niemand – außer ab und zu ein Post-it von meiner Vermieterin, die nebenan wohnte.
Und offensichtlich regelmäßig mein Apartment kontrollierte.
Das hatte harmlos angefangen, mit Post-its á la: “Bitte Heizung immer auf 2 drehen, damit die Rohre nicht frieren” begann sich nach ein paar Wochen jedoch zu häufen, bis ich regelmäßig solche Notizen fand wie “Teller bitte gleich abtrocknen, durch Abtropfen lassen entsteht Feuchtigkeit in der Küche”.
Es wurde zunehmend absurder, aber ich versuchte, mich nicht ärgern zu lassen. Bis dann irgendwann, ca. einen Monat vor meinem Auszug, eine detaillierte Kostenaufsplittung kam, was ich mehr an Miete zu zahlen hätte für die Wochenenden, an denen ich Besuch in Hamburg hatte. (Die waren selten, denn ich versuchte mittlerweile so oft wie möglich am Wochenende zu meinem Freund in meine alte WG nach Münster zu reisen).
Zehn Cent für jedes mal Klospülung betätigen, durch den Mehrverbrauch an Wasser. 50 Cent für einmal Duschen.

An dieser Stelle eine Warnung an euch aus den unendlichen Tiefen meiner Lebenserfahrung: Wenn eure Vermieterin ein Psychopath ist: Rennt! Zieht aus. Sofort! Bitte! Auch wenn das andere Zimmer teurer ist oder ihr erstmal bei einer Freundin pennen müsst. Der Stress ist es nicht wert. Wirklich nicht!

Mir riss der Geduldsfaden. Auf meine schriftliche Antwort (zu diesem Zeitpunkt versuchte ich schon bewusst, ihr aus dem Weg zu gehen und nur noch “Zuhause” zu sein, wenn sie schon schlief), dass ich das zahlen würde, was im Mietvertrag stand und keinen Cent mehr, bekam ich eine lange SMS mit unverschämtesten Beleidigungen. Am besten kann ich mich an folgenden Satz erinnern “Sogar Ihre diversen Männerbekanntschaften wurden von mir toleriert”. (Neben meinem Freund – der mittlerweile mein Mann ist – hatte ich noch Besuch von einem anderen Freund aus Spanien bekommen, der auf seiner Europareise eine Nacht bei mir in Hamburg untergekommen war.)

Es war so weit, dass ich begann die Tage zu zählen, bis ich endlich aus Hamburg weg konnte.

“Sie haben Sehne”

Auf der Arbeit fühlte ich mich immer noch sehr wohl, auch wenn mein Arbeitsplatz mittlerweile ein bisschen anders aussah. Ich hatte nämlich eine ergonomische Maus, eine Fußstütze, einen ergonomischen Stuhl und ein Programm installiert, dass mich jede halbe Stunde daran erinnerte, vom Computer aufzustehen und ein paar Runden durch den Raum zu drehen.

Was war da los?

Ca. zum Anfang meines vierten Monats im Praktikum hatte ich eine Aufgabe bekommen in der ein riesiges Excel Dokument gepflegt werden musste. Ich verbrachte ungefähr vier Wochen lang jeden Tag Stunden damit, Daten in Excel-Spalten einzupflegen. Das war ziemlich monoton, musste aber erledigt werden und machte mir nicht viel aus – mit der Ausnahme, dass nach ein paar Tagen mein rechtes Handgelenk begann, zu kribbeln. Zwei Wochen später hatte sich das Kribbeln in handfeste Schmerzen gesteigert, die mit jeder Arbeit an der Tabelle schlimmer wurden. Meine Chefin, die mich in einem Meeting mein Handgelenk reiben sah, vermutete sofort eine Sehnenscheidenentzündung. Das hatten schon einige im Team gehabt (ein Kollege hatte sogar eine Schiene am Unterarm getragen, als ich dort anfing) und schickte mich zur Betriebsärztin.

* Falls ihr das Wort Betriebsärztin noch nie gehört habt, habt ihr wahrscheinlich noch nie in einem großen Konzern gearbeitet. Hier in Berlin zählt es ja schon als Luxus, wenn die coolen Startups ihren Mitarbeitern eine Playstation hinstellen, an der sie zwischen Feierabend und den nächtlichen Überstunden noch eine Stunde zocken dürfen. Aber bei allem, was man Großkonzernen so vorwerfen kann: es gab auf meiner Arbeit eine richtig gute, günstige Kantine, Massagestühle, ein Schwimmbad im Keller und eben diese Betriebsärztin. Die saß drei mal die Woche in ihrer kleinen Praxis unten im Flur und war nur für die Mitarbeiter zuständig.

Diese Betriebsärztin gab meiner Chefin recht. “Sehnenscheidenentzündung.”

Die Lösung: Sofort eine Schiene dran, “bevor das schlimmer wird” (das könne sich nämlich bis zum Ellenbogen ausdehnen, das Ganze). Handgelenk ausruhen. Arbeitsplatz ergonomisch ausstatten (alles von der Firma bezahlt, ein Tag und schwups waren die Möbel da. Für eine Praktikantin. Hätt ich’s nicht selber erlebt, ich würde heute kaum noch glauben. Zu lange in Berlin gearbeitet wahrscheinlich…). Und dann dieses lustige Programm, was jede halbe Stunde piepst, die Arbeit die man gerade macht unterbricht, und lustige Sportübungen vorschlägt. Gut dass ein paar Kollegen das gleiche Problem hatten, sonst hätte ich mir mit Sicherheit zweimal überlegt, ob ich mich da jetzt wirklich vor meinem Schreibtischstuhl auf dem Boden setzen und Dehnübungen machen soll.

“Hallo neue Praktikanten. Macht ihr mal die Scheißaufgaben. Ich kann nicht, echt nicht, ich hab doch Seeeeeehne. Hier, Schiene, siehste?”

Diese ganzen Maßnahmen halfen -NULL. Es wurde immer schlimmer. Meine Kollegen hatten schon richtig Mitleid mit mir. (An dieser Stelle bin ich froh darüber, dass ich vorher schon fast vier Monate Gelegenheit gehabt hatte, richtig gute Arbeit zu machen, ansonsten hätte die ganze Situation auch ganz anders aussehen können!) Aber so wie es stand, kam ich in den Genuss einer praktischen Vorzugsbehandlung. Die monotonen Aufgaben und all das, was viel am Computer gemacht werden musste, durfte ich abgeben und bekam in den letzten Wochen meines Praktikums so coole Dinger zugeschustert wie Kooperationen mit anderen Firmen und das Leiten und Strukturieren von Prakikantenprojekten. Während also meine Arbeit sogar immer besser wurde, war die Situation “zuhause” buchstäblich IM KELLER. Meine Psycho Vermieterin schlich sich jeden Tag herein um irgendeinen Fehler zu finden, den sie mir Post it-wendend zukommen lassen konnte und ich versuchte alles, um nicht nach Hause gehen zu müssen. Mittlerweile war es Sommer und ich trieb mich einfach jeden Abend an der Alster herum oder erkundete mit anderen Praktikanten Hamburg. Und sagte mir immer wieder, dass es mich eigentlich doch ziemlich gut getroffen hatte. Nur noch 2 Monate im Kellerloch aushalten. Nur noch ein Monat. Noch 2 Wochen. Scheiss auf die Vermieterin. Scheiss auf die Post Its.

Und ZACK, da schießt die Hexe!!

Dann kam endlich, endlich, der Auszug. Ich war ein bisschen traurig darüber, mich von meinen lieb gewonnen Kollegen zu trennen aber konnte es kaum erwarten, dieser bekloppten Vermieterin zu entkommen. Und weil ich nicht so viele Sachen hatte und mein Freund an diesem Wochenende auf einer Geschäftsreise war, übernahm ich das Packen und Putzen trotz Sehnenscheidenentzündung alleine. Ich weiss noch, dass ich sehr vorsichtig war mit meinem armen Handgelenk, als ich die Wohnung von Grund auf auf jedes noch so kleine Staubkorn prüfte. (Mir war schon klar, dass ich meine Kaution sonst nie im Leben wiedergesehen hätte.) Als alles fertig war und ich meine zwei Tüten mit Zeug von der Treppe auf die Schulter hiefte, um mich auf den Weg zur Bahn zu machen, gab es plötzlich einen heftigen Stich in meinem Rücken und ich krümelte vor Schmerz auf den Boden. Verdammt nochmal, zu all dem anderen Mist jetzt noch einen Hexenschuss? Warum hatte ich auch die schweren Tüten so unvorsichtig über die Schulter geschwungen! Ich lag auf der Fußmatte und ärgerte mich über mich selber.

Hexenschuss und Psychosomatik - im Mittelalter noch nicht so bekannt.

So hat man sich das im Mittelalter vorgestellt.

Nach einer halben Stunde konnte ich mich selbst überreden mich soweit zu bewegen, dass ich zu meinem Handy griff um mir ein Taxi zum Bahnhof zu bestellen (ein sonst unvorstellbarer Luxus zu Studentenzeiten).

Wir verlassen an dieser Stelle Hamburg und spulen ein halbes Jahr weiter.

Ich sag ab geht die Party und die Party geht ab! Aber könnte mal jemand meinem 24 Jährigen Ich erklären, dass die Abschlussnote nicht das ganze Leben bestimmt??

Es ist Februar 2012. Um mich rum tobt mal wieder die Party, ich hab ordentlich Sangria intus, sitze in meiner Studentenküche und röste Marshmallows über einer Kerze. Zusammen mit fünf anderen internationalen Master-Studenten wohne ich in einem Studentenkomplex in Holland. Meine Freunde haben gegrinst, als ich Ihnen erzählt habe, dass die Wohnung, die das Studentenbüro uns zugeteilt hat, zwar möbliert und für hiesige Verhältnisse finanzierbar ist – aber SCHON WIEDER IM KELLER LIEGT. Meine Fresse. Aber naja, ich wohne hier schon seit sechs Monaten, mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, genauso wie an die Schienen, die ich mittlerweile an beiden Handgelenken trage. Kein Arzt konnte mir bisher genaueres dazu sagen, warum ich diese Sehnenscheidenentzündung einfach nicht los werde, warum sie sogar immer und immer schlimmer wird. Der Schmerz ist jetzt in beiden Armen und zieht sich bis zum Ellbogen hoch. Ich bekomme mittlerweile Ergotherapie und beim letzten Röntgen wurde immer noch eine Entzündung festgestellt. Nächsten Monat hat der Arzt eine Operation angesetzt.

Doch doch, das funktioniert! Die Kerze muss nur schön heiss sein und die Sangria schön billig.

Doch doch, das funktioniert! Die Kerze muss nur schön heiss sein und die Sangria schön billig.

Ziemlich betrunken wanke ich nachts in mein Zimmer und sinke auf meinen Drehstuhl. Ich drehe mich um mich selber und überlege zum hundertsten mal, wie ich bloß meine Masterarbeit schreiben soll, wenn ich doch aufpassen muss, dass ich meine Handgelenke mit zu viel Computerarbeit nicht noch schlimmer mache… Wie zur Hölle soll ich es schaffen, meinen Master mit “cum laude” abzuschließen (ich will unbedingt den besten Abschluss, unbedingt, unbedingt – warum eigentlich? Hat mich seitdem kein Schwein danach gefragt, was für eine Abschlussnote ich in meinem Master hatte!), wie soll ich es schaffen die Bestnote in meiner Masterarbeit zu kriegen (und danach hat schon doppelt niemand gefragt!) WENN ICH NICHTMAL TIPPEN KANN, VERDAMMTE SCHEIßE!!

Zumindest diesmal ohne Post its. Und aus meinem Fenster konnte ich die Grasnarbe sehen.

Zumindest diesmal ohne Post its. Und aus meinem Fenster konnte ich eine Wiese sehen. Auch wenn sie über meinem Kopf war.

Ich schmeiße meinen Laptop an und fange an, nach Sprachdiktierprogrammen zu googeln, die bei Sehnenscheidenentzündungen helfen. Bisher habe ich noch nie nach meiner Krankheit gegoogelt, da ja allgemein bekannt ist, dass googeln jede Krankheit noch schlimmer macht, weiß man ja, ne?

Ich lande in einem Forum in dem zwar nichts von Diktierprogrammen steht, aber etliche Leute das gleiche Problem haben wie ich. Und einer davon postet einen Link. Diesen hier.
Für alle die keinen Bock haben, jetzt nochmal einen ewig langen Text zu lesen oder nicht so gut Englisch können, hier die Essenz: Der Text wurde geschrieben von Rachel, einer Studentin aus den USA, die 1999 1 1/2 Jahre mit einer heftigen, chronischen Sehnenscheidenentzündung (auf englisch RSI) an beiden Armen zu kämpfen hatte. So wie ich hatte sie den ganzen Tag lang Schmerzen und konnte nur noch Texte schreiben, indem sie ein Diktierprogramm nutzte. Zum Zeitpunkt des Textes allerdings (ein Jahr später) arbeitete sie als Programmiererin, war komplett schmerzfrei und das obwohl sie an einem total unergonomischen Arbeitsplatz arbeitete. WIE? Wie hat sie das gemacht? Das will ich auch!!

Als die Nacht zu Ende ist, ist meine Sehnenscheidenentzündung weg und ich hab einen Kater.

Ich stürze mich auf den Text. Ich lese alles, lese jeden Link, den sie geteilt hat und alle Links, die dort geteilt werden. Ich lese von dem Konzept der Psychosomatik, von Dr. John Sarno, einem amerikanischen Professor der davon überzeugt ist, dass chronische Schmerzkrankheiten eigentlich SO NICHT EXISTIEREN sondern immer im Zusammenhang mit psychischem Stress oder Angst oder Wut stehen. Wer die Zusammenhänge erkennt, wer seine Probleme aufschreibt und die Angst vor dem Schmerz verliert – der ist schmerzfrei.

Rachel schreibt, bei ihr hat es mehrere Monate gedauert, bis sie diese Tatsache annehmen konnte und sich ihre Sehnenscheidenentzündung bessert. Bei mir dauert es fünf Stunden. Ich weiss nicht ob es am Alkohol liegt oder daran, dass ich schon lange fand, dass die Aussagen der Ärzte keinen Sinn ergeben aber ich entscheide innerhalb von Minuten, dass Rachel Recht haben muss. Besonders ihr letzter Satz geht mir nicht mehr aus dem Kopf:

“Just remember, especially if you’re still in your 20s, your body is a strong, healthy beast. Nothing should take a year or more to heal, especially nothing as mild as tendonitis and inflammation.”

Und Recht hat sie: Ich bin eine 24 Jahre junge Frau, ernähre mich ziemlich gesund und bewege mich viel (Das geht in Holland gar nicht anders). Mein Körper müsste so stark sein sein, dass NICHTS und vor allem keine popelige “Sehnenscheidenentzündung” ein Jahr braucht, um abzuheilen!!

Kurzentschlossen befreie ich meine Unterarme und pfeffere die Schienen in die Ecke (meine Schienen! Die ich mittlerweile nur noch zum Duschen abnehme, weil ich so viel Angst habe, meine empfindlichen Nerven noch mehr zu belasten!). Meine Handgelenke fühlen sich an wie zerbrechliches Glas. Und sehen auch so aus, denn sie haben seit Monaten keine Sonne bekommen. Ich achte nicht darauf und schnappe mir ein großes leeres Fotoalbum, dass ich gerade auf dem Flohmarkt gekauft habe um ein Geschenk daraus zu machen. Egal. Jetzt wird es mein Tagebuch.

Da ich gerade gelesen habe, dass RSI, bzw. Schmerzerkrankungen, laut dieser Theorie durch Stress bedingt werden, mache ich mir eine “Stressliste”. Ich fange mit der aktuellen Zeit an (“Masterarbeit”, “Abschluss”) und gehe immer weiter zurück, bis ich zu dem Zeitpunkt komme, wo die Schmerzen begonnen haben. Ich schreibe fünf Seiten voll, viele Dinge fallen mir sofort ein (“Stress mit Vermieterin”), andere Dinge werden mir erst in den nächsten Tagen und Wochen klar (zum Beispiel, dass es viel schwerer gewesen war als ich es mir damals eingestanden hatte, mich von meinen Freunde aus der Erasmus Zeit in Spanien zu verabschieden. Die Leute mit denen ich zusammengewohnt, jede freie Minute in diesem fremden Land verbracht und die ich wirklich ins Herz geschlossen hatte und die nun wieder über die ganze Welt verstreut waren, inklusive Argentinien und Australien, wo klar war, dass ich sie nicht so schnell, wenn überhaupt jemals, wiedersehen würde) und ein paar Dinge fallen mir sogar erst beim Schreiben dieses Textes, fünf Jahre später auf (bisschen viel ungesunder Ehrgeiz, die junge Mila? Sonst noch wem aufgefallen?)

Aber auch wenn mir nicht sofort alles klar wird, ich nicht *zauberzauber* alle Probleme auf der Stelle erkenne, die ich jemals hatte und die mich jemals belastet haben könnten, falle ich nach einigen Stunden Schreiben erleichtert in mein Bett. An die Schienen denke ich nichtmal.

Als ich am nächsten Morgen aufwache, habe ich einen dicken Kopf aber keine Sehnenscheidenentzündung mehr. NIE. WIEDER.

Seitdem sind mehr als fünf Jahre vergangen. Meine Sehnenscheidenentzündung, wegen der die Ärzte mich damals operieren (!) wollten, hat sich innerhalb von fünf Stunden über Nacht beim Schreiben aufgelöst. Wenn jetzt (was ab und zu noch passiert) meine Handgelenke anfangen weh zu tun, weiss ich genau, was ich zu tun habe: ich setze mich hin und schreibe auf, was mich stresst. Oft ist das in Situationen, in denen mir gar nicht klar war, dass ich überhaupt gestresst bin. Und danach ist der Schmerz weg und ich fühle mich besser. Ich habe die Bücher von Dr. Sarno gelesen und fand sie sehr gut. Aber ich brauchte sie damals nicht einmal lesen, es hat mir gereicht die Idee zu verstehen, die Rachel so kurz und knapp auf ihrer Seite darlegt. Zu akzeptieren, dass die Schmerzen eigentlich psychosomatisch bedingt sind. Dass mir nichts passieren kann, selbst wenn ich aufhöre meine Handgelenke zu “schonen”. Und meinem Gehirn klarzumachen, dass es mich von den Dingen, die mich in meinem Leben stressen, nicht mit Schmerzen ablenken muss!

Ich hoffe so sehr, dass ich mit diesem Text Menschen helfen kann, die Angst vor ihren “chronischen Schmerzerkrankungen” zu verlieren. Schaut euch Rachels Seite an oder lest Dr. Sarnos Bücher oder schreibt mir einen Kommentar. Aber lasst euch nicht länger in eurem Leben beeinträchtigen. Ich wünsche euch aus ganzem Herzen gute Besserung.

By | 2017-12-20T17:39:29+00:00 November 30th, 2017|Aus meinem Leben|0 Comments

About the Author:

Sprich mit mir! :)

%d Bloggern gefällt das: